Grundwasser
Bei Hochwasser wirds im Baselland kritisch

Seit Monaten ist es in der Region Basel zu trocken. Der Grundwasserspiegel ist aber erstaunlich stabil. Zwar ist der Pegel nach der massiven Trockenperiode bis 2006 tatsächlich gesunken. 2007 hat sich die Situation jedoch normalisiert.

Birgit Günter
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Jeden Tag trampeln wir darauf herum. Scheren uns einen Deut darum. Dabei könnten wir ohne nicht leben: ohne das Grundwasser. Es ist einer der Lebensnerven unserer Gesellschaft. Die gute Nachricht: «Das Grundwasser ist ein sehr verlässlicher Partner», erklärt Walter Tschudin. Er ist beim Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) zuständig für die Grundwasserstände und Notfallkonzepte. Obwohl wir seit drei Jahren eher in einer trockenen Periode leben, sei der Grundwasserpegel noch immer «im mittleren Bereich», versichert Tschudin.

«Muss sich keine Sorgen machen»

Zwar sei der Pegel nach der massiven Trockenperiode der Jahre 2003 bis 2005 bis ins Jahr 2006 hinein tatsächlich abgesunken – aber die nassen Jahre 2006/2007 hätten diesen rasch wieder normalisiert. «In der Region rund um Basel muss man sich keine Sorgen machen», versichert Achim Benthaus, Leiter der Fachstelle Wasserversorgung im AUE. Dass hier das Grundwasser knapp werden könne, sei fast unmöglich. Die Wasserversorgung im Unterbaselbiet gilt als sicher, weil in der Hard bei Muttenz und in der kantonalen Versickerungsanlage in Aesch das Grundwasser jeweils mit Rhein- beziehungsweise Birswasser angereichert wird. «So ist immer genügend Grundwasser vorhanden», sagt Benthaus.

Kritischer präsentiert sich die Situation jeweils im Oberbaselbiet. Hier kam es entsprechend bereits in diesem Frühling vereinzelt zu Aufrufen, Wasser zu sparen. Denn im Unterschied zu den Unterbaselbieter Gemeinden beziehen die Oberbaselbieter tendenziell eher Quellwasser – und dieses reagiert schneller auf Trockenperioden. Insgesamt setzt der Kanton bei der Trinkwasserversorgung zu 17 Prozent auf Quellwasser.

Um die Wasserversorgung im oberen Kantonsteil besser zu gewährleisten, gibt es laut Benthaus vor allem eine Möglichkeit: eine bessere Vernetzung der Gemeinde-Wasserversorgungen und Zusammenschlüsse zu Wasserverbünden. Die Bevölkerung konnte man dafür bisher aber noch nicht überall ins Boot holen: Zuletzt hat beispielsweise Liestal gegen einen Beitritt zum Regionen-Wasserverbund gestimmt. «Aber wenn auf den trockenen Frühling in diesem Jahr ein Sommer à la 2003 gefolgt wäre, hätte in einigen Oberbaselbieter Gemeinden die Nutzung wohl eingeschränkt werden müssen», betont Benthaus. Nur der viele Niederschlag im Mai habe dies verhindert.

Bei Hochwasser wirds kritisch

Noch kritischer als eine Trockenzeit ist für die Wasserversorgung aber ein Hochwasser. Das Problem: Bei Hochwasser kann trübes Flusswasser fast ungefiltert in ufernahe Grundwasserpumpwerke gelangen. Im Extremfall werden die Wasserwerke mit Dreck überschwemmt. Beim Hochwasser in Laufen im Jahr 2007 beispielsweise ist Öl ausgelaufen. Darauf mussten die Pumpwerke im Birstal abgestellt werden. Die Region sass quasi auf dem Trockenen.

Die jetzige bereits dreijährige Trockenperiode beobachten die AUE-Fachleute genau, sehen aber wegen der trotz allem stabilen Lage noch keinerlei Handlungsbedarf. Dabei spielt auch eine Rolle, dass der Wasserverbrauch generell zurückgeht. Hauptgründe dafür gibt es zwei. Erstens gibt es weniger Verluste durch Leitungsbrüche. Und zweitens gehen auch Industrie und Gewerbe sorgfältiger mit dem Wasser um. «Früher hat das Wasser schlicht nichts gekostet. Da hat man den Wasserhahn einfach laufen lassen – heute stellt man ihn ab», erklärt Benthaus.

In den vergangenen 50 Jahren ist der Grundwasserpegel in der Region erst einmal drastisch abgesunken: im Jahr 1976. Damals hatte es mehrere Wochen lang nicht geregnet. Verschärft wird eine solche Situation dadurch, dass der Wasserverbrauch gleichzeitig bis um das Doppelte ansteigt, wenn es trocken ist. «Gibt es dann noch einen Leitungsbruch, kann es für eine Gemeinde kritisch werden», sagt Benthaus. 1976 hätten zudem die Landbesitzer ohne Rücksicht auf Verluste alle Bäche und Flüsse angezapft, erzählt Tschudin. Dies würde man heute besser kontrollieren. «Wir sagen, wann wo wie viel Wasser entnommen werden darf», betont Marin Huser, Leiter der Fachstelle Oberflächengewässer im AUE. Weh tun solche Einschränkungen am ehesten der Landwirtschaft. Für Privathaushalte ist das nicht unbedingt tragisch: «Man muss schliesslich nicht das ganze Jahr einen knallgrünen Rasen haben», meint er.