Steuerabzüge
Bei Spenden ist Freikirche nicht gleich Freikirche

Spenden an Vineyard Liestal und Basel sind in Baselland abzugsberechtigt – bei Vineyard Basel zu unrecht. Bei der Steuerverewaltung spricht man von einem «Spezialfall». Die Glaubensgemeinschaft Vineyard bedauert die Regelung.

Michael Nittnaus
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Die Freikirche Vineyard Liestal feiert ihre Gottesdienste auf dem Hanro-Areal, direkt über der FHNW. KeN

Die Freikirche Vineyard Liestal feiert ihre Gottesdienste auf dem Hanro-Areal, direkt über der FHNW. KeN

Kenneth Nars

60 Seiten lang ist es und über 2000 Namen stehen darauf: das Verzeichnis der Baselbieter Steuerverwaltung mit jenen Institutionen, an welche freiwillige Zuwendungen vom steuerbaren Einkommen abgezogen oder nicht abgezogen werden können. Oder kurz: die Baselbieter Spendenliste. Grösstenteils finden sich darauf gemeinnützige Organisationen aus der Region, aber auch aus der ganzen Schweiz.

Ebenfalls aufgeführt werden Freikirchen. Dies, weil bis 2001 in der Regel noch 50 Prozent des Spendenbetrags abzugsberechtigt waren, da bei vielen Freikirchen die Grenze zwischen gemeinnütziger Arbeit und der Verfolgung von Kultuszwecken fliessend verläuft. Das ist nun schon länger nicht mehr erlaubt. Auf der Baselbieter Spendenliste findet sich aber mit der Glaubensgemeinschaft Vineyard eine Freikirche, deren Spenden noch immer abzugsberechtigt sind – wenn auch nur teilweise.

Freikirchen: Steuerabzug nur bei eigener Stiftung

Möchte man an eine gemeinnützige Organisation spenden, kann man dies in der Schweiz von den Steuern abziehen. Spenden an eine Organisation wie eine Freikirche, die zwar gemeinnützige Arbeit leistet, aber auch sogenannte Kultuszwecke verfolgt, durfte man bis 2001 zur Hälfte abziehen. Der Schweizerische Steuerkonvent unterband im Rahmen der Steuerharmonisierung aber diese 50-Prozent-Regel. Gleichwohl führten gewisse kantonale Steuerverwaltungen wie etwa Bern die Regel wieder schleichend ein. Mit einem Grundsatzurteil stützte 2008 das Verwaltungsgericht Bern den Ausschluss der Freikirchen beim Steuerabzug erneut. Seither gilt das Verbot schweizweit. Allerdings wird es wegen diverser Einsprachen teilweise erst jetzt von den Steuerverwaltungen umgesetzt. Zwei Ausnahmen bestehen: Eine Freikirche kann für ihre gemeinnützige Arbeit einen eigenen Rechtsträger schaffen, etwa eine Stiftung. Oder sie kann mit getrennter Kontoführung und zweckgebundenen Spenden genau belegen, dass die Gelder ausschliesslich gemeinnützigen Zwecken zufliessen. (mn)

Vineyard Liestal trennt die Konten

«Das ist ein Spezialfall», sagt Benjamin Pidoux vom Rechtsdienst der Steuerverwaltung auf Anfrage. Vineyard führe ein separates Spendenkonto und weise genau aus, welche Einnahmen für gemeinnützige Zwecke verwendet werden. Deshalb auch die Ergänzung in Klammern auf der Spendenliste: «nur Spenden für karitative Zwecke, Jugendarbeit, Suchtberatung.» Pidoux betont, dass man Vineyard deswegen bereits zweimal kontrolliert und für gut befunden habe.

Allerdings: Auf der Baselbieter Spendenliste steht «Vineyard Basel/Liestal». Es handelt sich dabei um zwei unabhängige Ableger der charismatischen Bewegung. In Basel werden die Gottesdienste in der Theodorskirche gefeiert, in Liestal auf dem Hanro-Areal. Auf der Spendenliste der Steuerverwaltung Basel-Stadt wird Vineyard Basel denn auch als nicht abzugsberechtigt aufgeführt. Darauf angesprochen bestätigt der Gemeindegründer von Basel, Martin Benz: «Wir führen kein separates Spendenkonto und 99 Prozent unserer Spenden sind nicht zweckgebunden.» Man habe auch nie Kontakt zu den Baselbieter Behörden gehabt.

Ganz anders bei Vineyard Liestal. Zwar gibt man sich gegenüber der bz äusserst zugeknöpft, doch Leiter Bruno Martin bestätigt schriftlich: «Wir haben gegenüber der Steuerverwaltung unsere komplette Buchhaltung geöffnet. Sie hat die entsprechenden zweckgebundenen Spenden als abzugsfähig akzeptiert.»

Vineyard Basel wird gestrichen

Mit diesen Unterschieden konfrontiert, gibt Pidoux zu: «Vineyard Basel haben wir nicht mehr verfolgt.» Er vermutet, dass die Basler Gemeinde wegen ihrer früheren Kindertagesstätte Vineyard Home auf der Liste gelandet ist. Die Konsequenz: «Wir werden Vineyard Basel von der Liste streichen.» Pidoux wird nun die Steuerverwaltung Basel-Stadt kontaktieren, um den Eintrag zu überprüfen.

Bei Vineyard Basel zeigt man sich generell unzufrieden mit der Regelung: «Es ist schade, dass der Staat die humanistische Motivation belohnt, dem Gemeinwohl zu nutzen, die religiöse aber diskriminiert», sagt Benz. In Deutschland etwa seien Spenden an Freikirchen abzugsberechtigt. Er wolle sich dafür einsetzen, dass sich dies auch wieder hierzulande ändert.

Der Fall Vineyard legt auch eine generelle Schwäche der Spendenliste offen: Sie wird nur einmal jährlich publiziert, viele Einträge sind veraltet. Dabei ist sie eine begehrte Plattform für Organisationen, um ihr Image zu pflegen – und mittlerweile fast ein schweizweites Unikum. Ausser den beiden Basel führen fast alle Kantone ihre Listen nur noch intern. Die Folge: «Wir haben eine Flut von Anfragen aus der ganzen Schweiz», sagt Pidoux. Auf vielfachen Wunsch werde Baselland die Liste deshalb neu öfter online aktualisieren.