Sexuelle Übergriffe
Beide Basel kämpfen gemeinsam gegen den Missbrauch

Die Institutionen in beiden Basel, die jugendliche und erwachsene Behinderte in Schulen und Heimen betreuen, setzen ein gemeinsames Zeichen gegen sexuelle Übergriffe. Eine Charta soll in beiden Basel sexuelle Übergriffe verhindern.

Boris Burkhardt
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Personen, die auf Betreuung angewiesen sind, sollen in beiden Basel besser vor sexuellen Übergriffen geschützt werden. (Symbolbild)

Personen, die auf Betreuung angewiesen sind, sollen in beiden Basel besser vor sexuellen Übergriffen geschützt werden. (Symbolbild)

Keystone

Auf der gestrigen Generalversammlung des Verbandes Soziale Unternehmen beide Basel (Subb) stimmten alle 55 anwesenden Mitglieder dafür, die «Charta zur Prävention von sexueller Ausbeutung, Missbrauch und anderen Grenzverletzungen» zu unterzeichnen. Der Verband hat insgesamt 90 Mitglieder.

Die Charta wurde im vergangenen November von zwölf Verbänden und Organisationen in Bern verfasst und fordert in den eigenen Institutionen eine Politik der Null-Toleranz gegen sexuelle Übergriffe des Personals an betreuten Personen. Die wichtigste Botschaft ist demnach: «Wir schauen hin! Und zwar gemeinsam.» Auslöser der Selbstverpflichtung war der verurteilte bernische Sozialtherapeut H. S., der während fast 30 Jahren mehr als 120 Menschen mit Behinderung missbraucht haben soll.

«Dieser Fall hat die Pflegelandschaft in der Schweiz verändert», sagte bei der Verbandsversammlung Gastredner Ueli Affolter, Geschäftsführer des Kantonalverbandes Socialbern, dem früheren Heimverband Bern. Er fügte selbstkritisch an: «Wir sind es, die versagt haben.» In den Diskussionen unter den Verbänden sei klar geworden, dass die Gefahr, die von H. S. ausging, durchaus vorher hätte erkannt werden können, wenn Heimleitung und Kollegen genug «hingeschaut» hätten.

Die Charta besteht aus zehn Grundsätzen, die unter anderem folgende Punkte umfassen:

• Jede Einrichtung regelt das Vorgehen bei einem Verdacht oder einem Fall von sexueller Ausbeutung in einem Konzept, das auch den Betreuten und deren Angehörigen bekannt ist. Jedem Verdacht wird nachgegangen.
• Die betreuten Personen werden über Sexualität und deren selbstbestimmte Grenzen aufgeklärt; ihnen wird gezeigt, wie sie sich gegen Grenzüberschreitungen wehren können.
• Das Personal muss vor seiner Einstellung einen Strafregisterauszug vorlegen; Zeugnisse werden sorgfältig auf Vollständigkeit geprüft und Referenzen bei früheren Arbeitgebern eingeholt.
• Die Arbeitgeber führen regelmässige Weiterbildungen durch.
• In den Einrichtungen wird je eine niederschwellige interne Meldestelle geschaffen; beim Kanton wird auf eine externe Meldestelle hingewirkt.

Affolter sprach bewusst Probleme mit Datenschutz und Fortbildungskosten an, die manche Organisationen noch von der Unterzeichnung abhielten. Die Verfasser der Charta seien sich aber einig gewesen, an den Formulierungen festzuhalten. Das begrüsste auch Subb-Präsident und SP-Landrat Marc Joset: «Es ist sehr lobenswert, wie schnell die Charta verwirklicht wurde. Die Politiker hätten fünf Jahre an den Sätzen herumgefeilt.»

Der Kanton Basel-Stadt erliess bereits im vergangenen Dezember Richtlinien zum Umgang mit sexuellen Übergriffen. Einzelne Institutionen, wie zum Beispiel das Prattler Wohnheim Kästeli, erstellten bereits vor der Causa H. S. interne Richtlinien.
www.charta-praevention.ch