Fasnacht
Beim Cheruus-Umzug kam der Teufel höchstpersönlich ins Stedtli

Der Cheruus-Umzug war auch dieses Jahr ein bunter Querschnitt aus dem fasnächtlichen Treiben in der Region. 18 Guggen sorgten für den Sound und man konnte ein letztes Mal durch die fasnächtlichen Beizen des Stedtli schweifen.

Michel Ecklin
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Cheruus-Umzug (1)
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Cheruus-Umzug in Liestal
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Cheruus-Umzug (1)

Juri Junkov

Noch mal so richtig im Konfettiregen stehen, den kakofonischen Lärm einer Gugge geniessen, sich von den giftigen Augen ländlicher Gnome Furcht einflössen lassen, sich dumme Sprüche von einem Waggis anhören und durch die fasnächtlichen Beizen des Stedtli schweifen: Wer von all diesen Dingen auch nach zwei Wochen Fasnacht noch nicht genug hat, für den ist der Liestaler Cheruus-Umzug gerade richtig. Denn dort wird man erst mal von übereifrigen Waggis emsig mit Konfetti beglückt. Und dann kriegt man in weniger als einer Stunde so ziemlich alles präsentiert, was in der Region mit Fasnacht zu tun hat – Hauptsache, es macht Krach.

18 Guggen zogen durch die Gassen

Schön angeschrieben marschieren insgesamt 18 Guggen durch die Rathausstrasse, am Samstag waren Los Ventilos aus Oberdorf die ersten im Törli. Sie schrien ihren Namen wild umher und brachten so ihr Motto «Power und Liideschaft» unters Volk. Ein Baustellen-Warnschild führten die Scharzbuebe-Schränzer durch Liestal, wohl um die bösen Wintergeister zu verscheuchen. Das versuchten die Füllinsdörfer Elbisrugger mit weissen Federn auf ihren Larven. Keine Kuhherde, sondern edle schwarze Herrenhüte präsentierte die Milchgugge aus Liestal. Die Lupo-Rueche aus Lupsingen machten ihrem Namen keine Ehre und kamen nicht etwa als Wölfe, sondern als Schimpansen nach Liestal. Auf Abenteuer unter Wasser machten sich die Fotzelcheibe aus Itingen mit ihrem überdimensionierten Dreizack bereit. Den Teufel höchstpersönlich ins Baselbiet mitgebracht hatten die Emmenbrücker CH-Gugger, seit vielen Jahren Gäste am Liestaler Cheruus. Ihr Riesenstierkopf war der Beweis: In der Innerschweiz bekämpft man die Wintergeister mit mindestens so harten Methoden wie in der Nordwestecke des Landes. Auch nicht wirklich nett waren die weissen Fresken der Latärnäschränzer aus Liestal, die wie böse Fussballfans sogar Pyros anzündeten, unter dem Jubel der dicht gedrängten Menge beidseits der Rathausstrasse.

Mit Sonnenhüten unterwegs

Kaum Angst verbreiteten hingegen die weiss behaarten Damen der Grüttgrabe Geischter aus Rheinfelden, die mit ihren herrlich schrägen Posaunen das Ohr kitzelten. Trotz ihres Namens konnten die Kaiseraugster Grossschtadtschnuller keinen Baselbieter Hauptstädter beeindrucken. Die echten Grossstädter – die Rhy-Pirate aus Basel – befürchteten wohl in der Hauptstadt des Nachbarn zu viel Sonne, anders lassen sich ihre Sonnenhüte nicht erklären. Die andere Basler Formation, die Pumperniggel, waren als Schweizer Gardisten über die Hülftenschanz gekommen. Nicht ganz so weit bis nach Liestal hatte es das englische Heer der Bubendörfer Fränkeschränzer in seinen edlen roten Uniformen.

Wer nach all dem immer noch nicht genug Fasnacht getankt hatte, ging ans Guggenkonzärt auf dem Zeughausplatz. Auf einer Doppelbühne liessen die Guggen die Bässe wie an einer Technoparty wummern. Wärmer war es in den (regulären und improvisierten) Beizen des Stedtli. Hier konnte man fasnachten, bis der allerletzte Wintergeist aus dem hintersten Winkel der Altstadtgassen geflüchtet war.