Drive-in
Beim Dreispitz wurde der erste McDrive der Nordwestschweiz eröffnet

Der erste Drive-in der Nordwestschweiz öffnete im September 1996 seine Türen. Was viele aus amerikanischen Filmen und Serien kannten, machte die Gemeinde kurz zu einem Fastfood-Ausflugsziel.

Michel Schultheiss
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In Münchenstein können die Baselbieter seit 1996 mit ihren Autos zum Restaurantfenster fahren, um ihre Fastfood-Gelüste zu stillen.

In Münchenstein können die Baselbieter seit 1996 mit ihren Autos zum Restaurantfenster fahren, um ihre Fastfood-Gelüste zu stillen.

Nicole Nars-Zimmer niz

Von der Bestellsäule zur Kasse fahren und schliesslich beim Ausgabefenster den gewünschten Burger abholen: Das scheint ein Bedürfnis zu sein. Beim McDrive in Münchenstein liegt der Rekord bei 127 bedienten Autos pro Stunde. Heutzutage mag dieser mobile Konsum banal erscheinen, doch vor fast zwei Jahrzehnten war es weit über das Baselbiet hinaus eine Sensation: Der erste Drive-in der Nordwestschweiz öffnete im September 1996 seine Türen. Was viele aus amerikanischen Filmen und Serien kannten, machte die Gemeinde kurz zu einem Fastfood-Ausflugsziel.

Peter Mutti, Franchise-Nehmer des McDonald’s-Restaurants in Münchenstein, erinnert sich noch gut, wie ihm damals die Leute die Bude einrannten. «Der Verkehr brach in der ersten Woche beinahe zusammen». Wo heute ein Kreisel den Autoverkehr in der Reinacher- und Bruderholzstrasse verflüssigt, gab es damals noch eine Kreuzung. Während der ersten paar Tage mussten dort Kadetten für Ordnung sorgen.

Heute zählt der Münchensteiner McDonald’s rund 2000 Gäste pro Tag. Davon kommen rund 45 Prozent ans Drive-Ausgabefenster. Über Mittag sind es oft Leute, die auch gleich die Rationen für ihre Kollegen im Geschäft mitnehmen, gegen Abend sind es meist Mütter und Väter, die noch schnell etwas für die Kinder heimbringen möchten. Die Familien machen unter den Kunden rund einen Drittel aus. Der Verkehrsknotenpunkt zwischen dem Dreispitzareal, einem Wohnquartier und der Naherholungszone beim Bruderholz, bringt aber auch alle möglichen Leute ins Restaurant: vom Hundehalter über den Arbeiter bis hin zum Durchreisenden.

Vom Büro «hinter die Fritteuse»

Peter Mutti kann aus Erfahrung sprechen: Seit 1989 ist er als Lizenznehmer bei der internationalen Fastfood-Kette tätig. Vorher war er als Minderheitsaktionär bei einer Speditionsfirma für den Handel mit dem Fernen Osten zuständig, weswegen er auch eine Zeit lang in Südkorea und Hongkong wohnte. Zurück in der Schweiz vollzog er einen Wechsel: «Ich begab mich vom Direktionsbüro hinter die Fritteuse», erinnert er sich. Zunächst eröffnete er das Restaurant beim Bahnhof SBB in Basel, anschliessend wechselte er in die Agglomeration, wo er heute die McDonald’s-Lokale in Münchenstein, Therwil und Allschwil führt.

Der erste Baselbieter Ableger der Imbisskette wurde damals beinahe zum Politikum: 1995 wehrten sich Anwohner mit einer Einsprache gegen den geplanten Fastfood-Tempel und die Tankstelle davor – sie befürchteten mehr Lärm und Dreck im Quartier. Mutti erinnert sich, dass am Anfang sogar ein Familiengarten-Pächter wutentbrannt ins Restaurant stürmte und den Mitarbeitern einen Sack mit gesammeltem Fastfood-Müll vor die Füsse warf. Die Wogen wurden aber laut Peter Mutti rasch geglättet: Er organisierte einen Infoabend, um mit den Anwohnern ins Gespräch zu kommen und ein Abfallkonzept zu entwickeln. «Alles, was rund um mein Restaurant passiert, nehme ich sehr ernst — es ist quasi meine Visitenkarte», sagt er. Schliesslich wurde die Einsprache nicht mehr weitergezogen. Jeden Morgen gehen Mitarbeiter auf Rundgänge, um den Abfall einzusammeln. Nebst dem Kehricht wird auch das höhere Verkehrsaufkommen bei Drive-in-Restaurants kritisiert. Wie beim Littering sieht Peter Mutti die Ursachen dafür nicht beim Unternehmen, sondern bei generellen gesellschaftlichen Entwicklungen. «Es gibt bei vielen Leuten einen grossen Wunsch nach Mobilität — das hat nichts mit uns zu tun.»

Klassiker laufen am besten

Der Hype um die Fastfood-Kette, wie noch in den Neunzigerjahren, ist mittlerweile etwas abgeflaut. Die schwierigen Zeiten für die Gastrobranche gingen auch am global tätigen Unternehmen nicht spurlos vorbei. Momentan machen auch ihm der starke Franken und das Shopping über die Grenze und die Konkurrenz zu schaffen. McDonald’s hat seine Palette daher erweitert. So sind etwa die im Trend liegenden Wraps und Gourmet-Burger zu haben. Dennoch sind es die «Klassiker», die weiterhin am besten laufen. Am beliebtesten ist der Big Mac – so auch in Münchenstein: Pro Tag geht er dort mindestens 500-mal über den Tresen oder eben durch die Luke.

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