FC Landrat
Beim Schutten ist auch die FDP eine starke Fraktion

Zu fünf bis sechs Spielen tritt der FC Landrat im Jahr an, meist gegen befreundete Kantonsparlamentarier wie eben aus Solothurn, aus Basel oder Delémont, sonst gegen Schulen oder Firmenmannschaften. Es geht um Kameradschaft und Spass.

Boris Burkhardt
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Parlamentarier, Mitarbeiter des Landeskanzlei und fussballbegeisterte Freunde: Die Mannschaft des FC Landrat BL.
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Der FC Landrat spielt auch gegen Firmenmannschaften
Alex Klee, Leiter Parlamentsdienst, im Zweikampf mit Kantonsrat Christian Imark aus Fehren
Landrat und Aussenverteidiger Martin Geiser am Ball, beobachtet von Landrat Christoph Frommherz
Alex Klee, Leiter Parlamentsdienst, im Zweikampf; beobachtet von Landrätin Regina Werthmüller (Nr. 14) und Landrat Alain Tüscher (im Hintergrund)

Parlamentarier, Mitarbeiter des Landeskanzlei und fussballbegeisterte Freunde: Die Mannschaft des FC Landrat BL.

Martin Töngi

Landrat Hannes Schweizer schwört seine Mannschaft ein, sagt jedem im Kreis noch einmal, was er zu tun hat. Der 61-jährige Sozialdemokrat ist Trainer der Parlamentsfussballer vom FC Landrat BL, der in Diegten gegen den FC Kantonsrat Solothurn antritt. Schweizer selbst steht heute zum ersten Mal seit einem halben Jahr wieder auf dem Platz. «Ich kann heute nur die erste Viertelstunde spielen und hoffe, dass das Spiel bis dahin entschieden ist», flachst er.

Wenn es einen Rücktritt im Landrat gebe, erzählt Schweizer, sei sein erster Gedanke: Hoffentlich rückt ein Fussballer nach, der uns wirklich verstärken kann.» Jedoch gebe es keine Vorgaben, wer in den «Kader» aufgenommen werde, betont Schweizer: «Wir nehmen auch fussballerisch völlig unbegabte Leute auf.» Es sei ihm als Trainer ein Anliegen, dass sich jeder Spieler im Team so wichtig fühle, «dass er zur Mannschaft steht». Der sportliche Erfolg müsse dabei im Hintergrund stehen. Viel wichtiger sei die «überparteiliche Zusammenkunft ohne soziales oder finanzielles Interesse». «Wenn man über die politischen Diskussionen hinaus zusammensitzt, baut man Vorurteile gegen politische Gegner ab», sagt Schweizer.

Zu fünf bis sechs Spielen tritt der FC Landrat im Jahr an, meist gegen befreundete Kantonsparlamentarier wie eben aus Solothurn, aus Basel oder Delémont, sonst gegen Schulen oder Firmenmannschaften. Prestigeträchtigstes Spiel war wohl im März der Match gegen den FC Nationalrat, bei dem Eric Nussbaumer seinen Wechsel von der Landrats- zur Nationalrats-Equipe vollzog. «Sein Auftritt in der Thun-Arena wird mehr in Erinnerung bleiben als mancher politische Vorstoss», meint Schweizer.

In Diegten werden die Liestaler Parlamentskicker in den ersten Minuten stark unter Druck gesetzt. Torwart Werner Ruefi leistet einige gute Paraden; doch in der 18. Minute kann er den Führungstreffer der Solothurner nicht mehr verhindern. Der Stammkader des FC Landrat besteht aus über einem Dutzend Landräten und Mitarbeitern der Landeskanzlei, Männern wie Frauen im Durchschnittsalter von 50 Jahren, «die den Fussball schon länger im Blut haben», aber aufgrund ihres politischen Engagements andernorts nicht mehr spielen können. Erneut frotzelt Schweizer: «Auch die FDP ist neuerdings eine starke Fraktion in der Mannschaft – im Gegensatz zum Landrat.»

In der Tat: Ex-FDP-Präsident Michi Herrmann gleicht nämlich in der 24. Minute aus: 1:1 für Baselland. «Hopp, Landrat!», feuern die Ersatzspieler und Fans die elf Landratsfreunde auf dem Platz an. Die Harmonie im FC war nicht immer so spürbar: Mannschaftskapitän Herrmann war nicht begeistert von der Spesendiskussion, die jüngst in einigen Medien hochgeschaukelt wurde: Einige Kicker-Landräte um Hans Furer (GLP) und Regina Werthmüller (Grüne) hatten sich beschwert, weil sie bei Auswärtsspielen selbst für die Kosten aufkommen müssen. Jetzt wird sich der FC Landrat als Verein konstituieren. «Dann haben wir ein eigenes Kässeli mit 4–5000 Franken, falls jemand Mühe hat mit den Übernachtungskosten», sagt Herrmann.

Das Vereinsbudget dürfte auch zur Verköstigung der Gäste reichen. Denn es ist Ehrensache unter den Mannschaften, dass man sich gegenseitig einlädt. Das erklärt auch, warum bei den Landräten die regelmässigen Spiele gegen die Roche-Auswahl am beliebtesten sind: «Wegen des guten Nachtessens», lacht Rolf Gerber, Leiter der Zentralen Dienste und Aussenverteidiger. Doch der Austausch zwischen Politik und Industrie sei auch ein gegenseitiges Bedürfnis, betont Schweizer: «Auch da können Aha-Erlebnisse entstehen.» Gegen die EBL treten die Landräte bisweilen sogar im Eishockey an. «Auch dort ist das Fondue da, um gegenseitiges Verständnis zu wecken», sagt Schweizer. Ein Risiko, in der lockeren Atmosphäre zu abhängig von den Wünschen der Pharma zu werden, weist Schweizer aber klar von sich: «Die dritte Halbzeit ist wichtig. Es ist Tradition, dass sich die Gegner nach dem Match gegenseitig auf humorvolle Art loben.»

Mehr das anschliessende Essen als den Match im Sinn haben heute wohl auch die Liestaler Kicker: Sie verlieren 3:1 gegen die Solothurner Kollegen. «Je eher wir mit dem Spiel anfangen, desto schneller können wir essen gehen», hatte Schweizer zu Beginn des Spiels gesagt.