Strafgericht
Bettlerin erschleicht sich mit dreisten Lügengeschichten fast 20000 Franken

Eine Bettlerin muss für zehn Monate ins Gefängnis, weil sie eine 86-jährige Frau mit Lügengeschichten um beinahe 20'000 Franken erleichterte. Die 38-jährige Frau lebt in einer Zürcher Wohnung für 1950 Franken Monatsmiete.

Patrick Rudin
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Dreiste Bettlerin erschleicht sich beinahe 20'000 Franken. (Symboldbild).

Dreiste Bettlerin erschleicht sich beinahe 20'000 Franken. (Symboldbild).

Keystone

Lügen ist nicht strafbar, doch irgendwann ist die Grenze zum Betrug überschritten: Im Strafgericht in Liestal verurteilte Einzelrichter Andreas Schröder gestern eine 38-jährige Frau wegen eines Betruges und eines Betrugsversuches zu zehn Monaten Gefängnis unbedingt.

Die Frau ging ziemlich dreist vor: Eine 86-jährige Frau war alleine in einer Kapelle am Beten, die junge Frau sprach sie an. «Mutter, bitte hilf mir», waren die Worte, angereichert mit vielen katholischen Floskeln, sie könne ihre Miete nicht bezahlen. Prompt ging man zum nahegelegenen Postautomaten, und weil das Tageslimit von 1000 Franken nicht ausreichte, gab es bei der alten Frau zu Hause später nochmals einen Tausender.

Eine Woche später klingelte die Bettlerin um sieben Uhr morgens bei der 86-Jährigen: Für einen Hauskauf in Serbien und ihr Studium benötige sie dringend 20'000 Franken. Als die Frau bei ihrem Treuhandbüro telefonisch nachfragte, nahm ihr die junge Frau den Hörer aus der Hand und sagte, sie dürfe niemanden über die Sache informieren. Doch das Treuhandbüro verständigte sofort die Polizei, und nur wenige Minuten später klickten in der Wohnung die Handschellen. Die 38-Jährige hatte noch versucht, sich vor den Polizisten im Kleiderschrank zu verstecken.

Andreas Schröder verurteilte sie zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die Staatsanwaltschaft hatte per Strafbefehl eine Strafe von sechs Monaten gefordert. Zur Verhandlung am Dienstag in Liestal kam die Frau nicht, sie liess sich von ihrem Anwalt vertreten. Dieser betonte, seine Mandantin sei wegen einer chronischen Schizophrenie in psychiatrischer Behandlung und nicht prozessfähig. «Sie geht ihre Krankheit seit Jahren gezielt mit Psychotherapie und Medikamenten an», sagte er. Er hatte einen Freispruch gefordert: Die Frau habe nicht arglistig gehandelt, denn auch bei einem Bankkredit müsse man nicht angeben, wofür man das Geld benötige, und die 20'000 Franken hätte sie schlussendlich wohl gar nicht erhalten.

Andreas Schröder meinte allerdings, das Erbetteln eines solchen Betrages bei einer sehr frommen älteren Frau mit kirchlichen Begründungen sei durchaus arglistig. Im Jahr 2009 habe die Frau in Graubünden eine ähnliche Masche durchgezogen, sie habe einer älteren Frau gesagt, ein Fluch würde auf ihr lasten.

Die 38-Jährige kann das Urteil noch weiterziehen. Seit Jahren wohnt sie in Zürich in einer Wohnung für monatlich 1950 Franken, ihr Betreibungsauszug ist blank. Laut ihrem Anwalt putzt sie gelegentlich, wovon sie lebt, blieb auch vor Gericht unklar. Das 86-jährige Opfer hatte gegenüber den Behörden stets betont, sie wolle nicht, dass die Bettlerin bestraft wird: Sie habe ihr vergeben.