«Eisweiher Plus»
Bewohner befürchten Mehrverkehr durch neue Quartiere

Oberwil plant zwei neue Quartiere für 500 Bewohner. An der Infoveranstaltung am Mittwoch blieb die Kritik nicht aus. Über den Planungskredit wird an der Gemeindeversammlung am 28. September abgestimmt.

Michel Schultheiss
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Die rot umrandeten Flächen sollen im Rahmen von «Eisweiher plus» überbaut werden. Im «Spitz» beim Zusammenfluss von Birsig (links) und Marbach ist ein Park vorgesehen. Der markante Bau am unteren Bildrand ist das Tramdepot Hüslimatt.

Die rot umrandeten Flächen sollen im Rahmen von «Eisweiher plus» überbaut werden. Im «Spitz» beim Zusammenfluss von Birsig (links) und Marbach ist ein Park vorgesehen. Der markante Bau am unteren Bildrand ist das Tramdepot Hüslimatt.

zVg (Gemeinde Oberwil)

Noch werden dort Tore geschossen. In Zukunft könnte der in die Jahre gekommene Fussballplatz aber Wohnhäusern und einem Park weichen. Beim Eisweiher und im weiter südlich gelegenen Langmannwerk sollen nämlich nach dem Willen des Gemeinderats zwei neue Quartiere aus dem Boden gestampft werden.

Dafür liegt aber erst ein Entwicklungsleitbild vor, welches am Mittwoch in der Wehrlinhalle präsentiert wurde. Rund 50 Interessierte wohnten der Info-Veranstaltung bei. Bald gehts nämlich um die Wurst: An der Gemeindeversammlung vom 28. September wird über den Planungskredit «Eisweiher Plus» in der Höhe von rund einer Million Franken abgestimmt.

Lärm vom Fussballplatz

Auf den besagten Arealen – beide zusammen mit einer Fläche von 4,5 Hektaren – könnte Wohnraum für schätzungsweise 500 Personen geschaffen werden. Der Gemeinderat erhofft sich, damit das Bevölkerungswachstum von jährlich etwa hundert Personen aufzufangen. «Junge, die das Elternhaus verlassen, finden in Oberwil keine Wohnung mehr», sagte Gemeindepräsident Hanspeter Ryser und plädierte dafür, vorzusorgen: «Heutige Herausforderungen auf die nächste Generation zu schieben, ist keine Lösung».

Den Anwesenden präsentierte er noch weitere Argumente für den Planungskredit: Der eigentlich zonenfremde Fussballplatz habe immer wieder zu Lärmreklamationen geführt. Die Sportanlage soll daher ins Gebiet Entenwuhr zügeln. Zudem habe Oberwil seit dem Wachstum in den 1960er-Jahren kein eigentliches Zentrum mehr, was aber für das Gesicht der Leimentaler Gemeinde wichtig sei. Auch in finanzieller Hinsicht wollte er den städteplanerischen Schachzug schmackhaft machen: Es bestehe die Möglichkeit, das Langmannwerk für etwa 16,5 Millionen Franken zu verkaufen. Die Auslagerung der Sportplätze, den Park und die Planung könnten damit wohl bezahlt werden.

Ein paar Grundideen für das Areal hat der Gemeinderat schon: Sicher ist, dass das Gebiet zwischen Birsig und Marbach nicht zu einer Einfamilienhaussiedlung werden soll. Ein Mehrgenerationenquartier auf dem Eisweiher sowie Familienwohnungen für das Langmannwerk schweben ihm vor.

Der vorgesehene Park soll für Veranstaltungen und gesellschaftliche Anlässe genutzt werden. «Er wird etwa so gross wie die Elisabethenanlage in Basel», sagte der Städteplaner Philippe Cabane, der bei der Ausarbeitung des Leitbilds beteiligt war. Dabei betonte er, dass es sich noch nicht um ein Projekt handle: Das Leitbild formuliere lediglich die Zielsetzungen.

Gerade weil sich noch vieles im Anfangsstadium befindet, warf «Eisweiher Plus» am Info-Abend auch viele Fragen auf. Eine Zuhörerin forderte eine grössere Fläche für den Park, eine andere kritisierte den Zeitpunkt für die Planungsinvestition. Ein weiterer Oberwiler bezweifelte, dass die BLT extra für die neue Wohngegend eine Tramhaltestelle einrichten werde. Am meisten Sorgen bereitete aber das Thema Autoverkehr: Manche befürchteten eine noch stärkere Belastung für das jetzige Quartier und die Schulwege.

All diese Einwände werden vielleicht noch zu reden geben, wenn Ende Monat die Weichen für den neuen Ortsteil gestellt werden. «Wenn wir den Planungskredit nicht haben, stehen wir weiterhin am Zaun eines Fussballplatzes», legte Pestalozzi den Zuhörern nahe.