Sprayattacke
Bienenquäler von Pratteln lösen Empörung aus

Böswillig und feige töten Unbekannte in Pratteln mit einem Insektenspray mehrere Tausend Bienen. Polizei sucht nun nach den Tätern. Der betroffene Imker ist ratlos und auch verärgert. Welchen Schaden die Bienenvölker genommen hat, ist noch unklar.

Birgit Günter
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In diesem mobilen Bienenwagen bei Pratteln haben Unbekannte mit einem Insektenspray mehrere Tausend Bienen getötet. Zvg/Polizei BL

In diesem mobilen Bienenwagen bei Pratteln haben Unbekannte mit einem Insektenspray mehrere Tausend Bienen getötet. Zvg/Polizei BL

Die Nachricht aus Pratteln hat es schweizweit in fast alle Zeitungen geschafft. Sogar in deutschen und liechtensteinischen Medien und Onlineportalen war sie zu lesen. Die Empörung ist gross: «Was laufen nur überall für Vollidioten herum! Menschen voller Bosheit!», regt sich eine Internet-Userin auf.

Die Biene: ein gefährdetes Tier Jedes Kind weiss, was eine Biene ist - aber wie lange noch? Denn Bienen gelten heute als gefährdet. Die eingeschleppte Varroa-Milbe hat ihre Bestände in den letzten Jahren stark dezimiert. Derzeit gibt es laut Hochrechnungen schweizweit noch 120000 Bienenvölker. In manchen Gegenden seien die Bienen aber schon fast ausgestorben, mahnen Fachleute. Die «Biene» ist ein Oberbegriff; umgangssprachlich wird damit eine einzelne Art, die Westliche Honigbiene, bezeichnet. Unterteilt werden die Bienen etwa in kurz- und langzüngige Arten. Bienen sind Vegetarier. Ihre wichtigste Nahrungsquelle sind süsse Pflanzensäfte. Ihr Giftstachel hat sich im Laufe der Evolution aus einem Eilegeapparat gebildet. Das bedeutet: Nur die Weibchen haben einen Stachel. (bz/big)

Die Biene: ein gefährdetes Tier Jedes Kind weiss, was eine Biene ist - aber wie lange noch? Denn Bienen gelten heute als gefährdet. Die eingeschleppte Varroa-Milbe hat ihre Bestände in den letzten Jahren stark dezimiert. Derzeit gibt es laut Hochrechnungen schweizweit noch 120000 Bienenvölker. In manchen Gegenden seien die Bienen aber schon fast ausgestorben, mahnen Fachleute. Die «Biene» ist ein Oberbegriff; umgangssprachlich wird damit eine einzelne Art, die Westliche Honigbiene, bezeichnet. Unterteilt werden die Bienen etwa in kurz- und langzüngige Arten. Bienen sind Vegetarier. Ihre wichtigste Nahrungsquelle sind süsse Pflanzensäfte. Ihr Giftstachel hat sich im Laufe der Evolution aus einem Eilegeapparat gebildet. Das bedeutet: Nur die Weibchen haben einen Stachel. (bz/big)

Keystone

Die Polizei hat am Tatort beim Bienenwagen im Gebiet Erli oberhalb von Pratteln eine Spraydose sichergestellt. Ausserdem sucht sie Zeugen. Davon erhofft sich die Baselbieter Polizei die fehlende Spur, die zum Täter oder zu den Tätern führt. Mehr will sie nicht verraten: «Die Ermittlungen sind im Gang und werden nicht öffentlich geführt», teilt Polizeisprecher Meinrad Stöcklin mit.

Eine beispiellose Tat

Einen vergleichbaren Fall hat es bisher in der Region nicht gegeben. Ihm sei jedenfalls kein solcher bekannt, sagt Stöcklin. Auch in der Imkerszene rätselt man über die Motive. «Vielleicht hat sich jemand über die vielen Wespen aufgeregt, die es dieses Jahr gibt – und dann Wespen und Bienen miteinander verwechselt, und dann die Tiere getötet», mutmasst Marcel Strub, Präsident des Bienenzüchterverbandes beider Basel. Denn dass jemand den Bienen gegenüber Aggressionen entwickelt, kann er sich nicht vorstellen. Zwar habe es schon mehrfach Brandanschläge gegen Bienenhäuser gegeben – Strub schätzt rund drei in den vergangenen zehn Jahren – doch dabei habe es sich wohl eher um Brandstiftung denn um gezieltes Morden von Bienen gehandelt.

Ratlos ist auch der betroffene Imker, Reto Habisreutinger aus Eptingen. «Ein dummer, unverständlicher Bubenstreich?», fragt er sich. Als er am Samstag bei seinen Bienen ankam, hat er grad gemerkt, dass sie nicht so fleissig flogen wie sonst. Dann sah er die Spraydose mit Insektengift, das die Täter über die Einflugöffnungen in den Bienenwagen gespritzt hatten. Den Schaden kann der Imker noch nicht beziffern. Denn wegen des Anschlags würden nun viele Flugbienen fehlen und die überlebenden Völker deshalb verarmen. Erst im Frühling zeige sich das Ausmass.

Klar ist: Der Schaden beläuft sich auf mehrere Tausend Franken. «Wenigstens», so hofft Habisreutinger, «ist er versichert.» Doch weil es einen solchen Fall in der Region bisher nicht gab, kann dies nicht abschliessend beantwortet werden. Europaweit betrachtet gab es allerdings bereits mindestens ein Mal einen solchen Fall: Im mitteldeutschen Alsfeld haben im Mai dieses Jahres unbekannte Täter ebenfalls Bienenvölker mit Insektenspray getötet, wie die «Osthessenzeitung» berichtete.

Abzuwarten bleibt, was mit den Tätern geschieht, falls sie denn erwischt würden. Gemäss Strub gilt die Biene als landwirtschaftliches Nutztier. «Werden die Täter erwischt, müssten sie sich demzufolge wegen Tierquälerei verantworten.»

Hinweise an die Einsatzleitzentrale in Liestal (061 553 35 35). Die Tat wurde zwischen Dienstag und Samstag verübt.