Braukunst
Bier aus dem Baselbiet: Kleine Brauereien haben hier kaum eine Chance

Nach dem Konkurs der Baselbieter Brauerei herrscht selbst bei der Konkurrenz keine Jubelstimmung. Im Landkanton fassen neue Brauereien nur schwer Fuss.

DANIEL AENISHÄNSLIN
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Dem Baselbieter Bier geht es an den Kragen.
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Die Baselbieter Brauerei AG ist konkurs.
Konkurs von Baselbieter Bier aus Ziefen

Dem Baselbieter Bier geht es an den Kragen.

Nicole Nars-Zimmer

Das Baselbiet ist um eine Bieridee ärmer. Bekanntlich wurde über die Baselbieter Brauerei in Ziefen am 19. März der Konkurs eröffnet. Grund genug, die letzte grössere Brauerei im Kanton – die Farnsburg Brauerei aus Sissach – zu fragen, wie sie sich am Markt halten will. Seine Brauerei behalte fünf Voraussetzungen ganz genau im Auge, sagt Reto Wetzel, Verwaltungsratspräsident und Geschäftsleiter der Farnsburg Bier AG.

«Es braucht ein gutes Branding und ein konsequentes Marketing.» Auch dem Standort und der Sicherstellung der nötigen Finanzierung räumt er eine hohe Priorität ein. Punkt 4: Eine geeignete Produktionsanlage mit kompetentem Personal, das diese bedienen kann. Und letztlich brauche es «ein Produkt, das den Geschmack der Konsumenten trifft, wobei die objektive Bierqualität kein Kriterium sein darf». Schon wer eine dieser «Bedingungen» nicht erfülle, könne scheitern.

Klingt logisch. Theodor Schaller, Verwaltungsratspräsident der gescheiterten Baselbieter Brauerei, mochte auf Anfrage nicht mehr kommentieren, was genau das Aus für seine Brauerei herbeigeführt hat. Er verwies auf jene Gründe, die bereits kommuniziert wurden. Das sind Umsatzeinbussen, fehlendes Eigenkapital und hohe Investitionskosten. Aber auch «zu spät behobene Qualitätsprobleme mit entsprechendem Imageverlust». Woher genau die Umsatzeinbussen rührten, warum das Eigenkapital fehlte, was unter hohen Investitionskosten zu verstehen ist – für Schaller ist alles gesagt. Ein neuer Anlauf mit einer neuen Biermarke komme für ihn nicht mehr infrage. Er habe abgeschlossen.

Schweiz «unterentwickelt»

Ob seine Brauerei einen Marktvorteil und damit einen Nutzen aus der Schliessung der Baselbieter Brauerei ziehen könne, wollte Reto Wetzel so nicht bestätigen. Auch sei noch unklar, wie sich dieser Umstand auf die Entwicklung von Farnsburger Bier auswirken werde. «Immerhin haben wir bereits einige Anfragen von ehemaligen Baselbieter-Bier-Kunden erhalten», bestätigt er, «für die Vielfalt der Bierkultur ist aber jede Aufgabe einer Brauerei ein Verlust.»

Entsprechend sieht Reto Wetzel in den Kleinbrauern wie dem Liestaler «Stedtli Bier» oder dem Frenkendörfer «Roscha Bier» nicht einfach lästige Konkurrenz. Der Schweizer Biermarkt sei bereits seit dem Ende des Bierkartells 1991 ein typischer Verdrängungsmarkt. Der Pro-Kopf-Konsum stagniere seit Jahren oder sei sogar rückläufig. Wetzel nennt den Schweizer Biermarkt im Vergleich zum Ausland «unterentwickelt». Das liege auch daran, dass der Schweizer Konsument sehr träge, bisweilen sogar misstrauisch sei. «Veränderungen der Konsumgewohnheiten laufen beim Produkt Bier nur langsam ab.»

Wenige Brauereien in der Region

Reto Wetzel macht eher einen Mangel an Konkurrenz aus: «Warum aber der Anteil der Kleinbrauereien gerade in der Nordwestschweiz unter dem üblichen Potenzial der anderen Regionen in der Schweiz liegt, kann mir bislang niemand beantworten.» Einen möglichen Grund schiebt er hinterher. Für das langfristige Überleben einer Brauerei brauche es eine minimale Grösse, weil die Profitabilität nur über das Realisieren von Skalenerträgen erreicht werden könne. Einfach gesagt: Die Marge ist so knapp bemessen, dass ein wirtschaftliches Überleben an einer stattlichen Menge verkauften Biers hängt.

Gerade jungen Konsumenten sei die Nachvollziehbarkeit und Herkunft eines Produktes wichtig. «Es muss nicht immer nur hip sein.» Der Kunde müsse sich mit «seinem» Bier identifizieren können. Farnsburger Bier bitte aus diesem Grund seine Kunden immer wieder in die Brauerei, um ihnen das Bierbrauen «hautnah» zu vermitteln. Vieles sei Marketing, letztlich Kommunikation. Unter dem Strich sei klar, was der Kunde sucht: «Ganz einfach gutes Bier.»