Sissach
Bier, Trump und Hallenbad

Den Bängg in Sissach bot sich ein reichhaltiges Repertoire an Themen.

Edi Gysin
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D Motte brachten sogar Mäuse mit.

D Motte brachten sogar Mäuse mit.

Viel Volk war am Montagabend auf Sissachs Strassen nicht anzutreffen, dafür waren die Beizen bis zum letzten Platz besetzt: Die Schnitzelbänkler machten die Runde. Ein Wetterbericht war wohl selten derart anschaulich wie jener, den die Gugge der Fasnachtsgesellschaft Sissach (FGS) mit in die Beiz brachte.

Von den Waggisnasen tropfte das Regenwasser nur so herunter. Das Publikum, froh in der trockenen Beiz sitzen zu können, bedachte die Gugge mit Applaus und auch etwas Bewunderung. Die Gugge der FGS folgt als einzige den 14 Schnitzelbänklern in alle 14 Beizen. Die meisten Bänkler sind Eigengewächse, also Sissacher, die anderen kamen aus Arisdorf und Buckten, sogar Zunzger trauten sich nach Sissach.

Die einen traten solo und ohne Helgen auf, begleiteten sich mit Gitarre, Banjo oder mit einem Örgeli. Gar als mehrstimmiges Chörli ist die Familienunternehmung Buckter Fröschebei unterwegs, und das seit Jahren.

Mit einem ganzen Arsenal an Requisiten sorgte D Motte für Aufsehen und meinte zur Eröffnung der neuen Brauerei in Sissach:

Der Gmeinroot muess in corpore
s neue Bier brobiere
Der Gieri findt s isch keibe küel
me settis temperiere
S Beatrice frogt
gits das au ohni Alkohol?
Der Dani holt sich s dritte Glas
bald het er ein im Gool
Der Bobby sürpfled vorsichtig
er sett no heimecho
Der Binggeli isch ehnder still
und lauft den andre no
Der Peter Buser seit beschwingt
ins Protokoll wird gschriibe
Jedi Sorte degustiert
denn bini no chly bliibe

Auch ein neuer Bank war dieses Jahr in Sissach unterwegs: Die Kaffi Chrütter. Die vier Waggisse liessen kein gutes Haar an der Regierung, jener in Liestal, und schrieben das Baselbieter Lied kurzerhand um:

Vo Schönebuech bis Ammel
vom Bölche bis zum Rhy
Lyt frei und schön das Ländli
wo früener riich isch gsi
Hüt muess me d Gürtel änger schnalle
spare wo me cha
Das diktiert dr Lauber Toni
euse starke Maa
Überall wos ihn nid juckt
setzt är dr Hebel aa.

Mit dem ehemaligen Präsidenten der CVP ging dr Rätschueli & Karli ins Gericht:

Do letschti seit der Darbellay
zum Levrat stell dir vor
Jetz wird i nomol Vatter
jä Gopfridstutz, s isch wohr
Der Levrat seit wieso machsch den
e Gsicht wie drei Tag Räge?
Jo weisch i muess es doch dehei
minere Frau no säge.

Er war auch der einzige Bank, der sich um die mehrfach gebrochene Nase der Nation kümmerte:

Us aktuellem Alass hätte mer euch
und s wer is glunge
E Värs vom Malheur vom Blocher
letschti Wuche gsunge
Doch si mir denn zum Schluss cho
will es hett is groue
Wäg dere bluetige Nase
es wisses Papier z versoue

«Den hab ich letzten Freitag um halb sechs in der früh gedichtet, schnell aus dem Bett, denn wenn du wieder einschläfst, ist der Vers weg», sagte er verschmitzt. Gottlob ist er aufgestanden!

Zum Inventar der Sissacher Schnitzelbänkler gehört auch Dr Farblosi, a cappella und solo tritt er auf und hatte es mit den Grossprojekten, die derzeit in Sissach und Gelterkinden hochgezogen werden:

Z Sissach und au z Gälterchinde
isch e ryyse Mais
Will me e Kunschti, es Hallebad
oder lieber keis
Mir isch glich
vo mir us hät mä bedes chönne spare
Ich cha weder schwimme
no chani Schlittschueh fahre

Schliesslich gab er noch einen Lastminute-Vers zum Besten. Einen in eigener Sache, bei dem er geschickt Welt- mit Lokalpolitik verspann:

320 Millione Amis
öps kei bessere git
Das Trampeltier do das regiert
i verstand das nit
Die Regierig wos verdient
het jedes Volk am Änd
Wäge däm isch bi eus z Sissach
dr Buser Presidänt

Alles in allem war es ein guter Jahrgang, das Lokale wurde ausgiebig zur Zielscheibe des Spotts, aber auch das Regionale kam nicht zu kurz. Die Stimmung in den Beizen war bis Mitternacht gut, wenn auch gegen Schluss manche den Heimweg etwas frühzeitig unter die Füsse nahmen.