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Ein Stück Kanada: Für Familie Degen geht im «Föiflibertal» ein langjähriger Traum in Erfüllung

Die fünfköpfige Familie Degen lässt sich in Reigoldswil ein Rundstamm-Blockhaus bauen. Den Ausschlag gab eine kanadische Fernsehserie.

Simon Tschopp
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Fabian, Suvi, Samu, Finnja und Joëlle Degen (von links) vor ihrem künftigen Heim.
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Baumstämme aus dem Wasserfallengebiet werden zum Abtransport bereitgemacht.
Mit Wasser werden die Stämme entrindet
Das Blockhaus nimmt Form an.
Eine Treppe steht.
Das Dach ist am Entstehen.

Fabian, Suvi, Samu, Finnja und Joëlle Degen (von links) vor ihrem künftigen Heim.

Kenneth Nars (Reigoldswil, 11. Mai 2022)

Was eine Fernsehserie nicht alles auszulösen vermag – viel für Degens aus Oberdorf: ein Rundstamm-Blockhaus als neues Heim, das in diesen Tagen in Reigoldswil aufgebaut wird. Damit erfüllt sich für Joëlle und Fabian Degen ein langjähriger Traum. Die 32-Jährige erzählt:

«Mein Mann und ich schauten regelmässig die kanadische TV-Serie ‹Timber Kings›.»

Dabei werden Männer eines Unternehmens aus Kanada begleitet, das sich auf den Bau von exklusiven Holzhäusern spezialisiert hat.

Bald sei in ihnen der Wunsch gereift, auch ein solches Gebäude zu erstellen. Und schon ganz jung sagten sie sich, jedoch mehr im Spass: Wenn sie mal pensioniert seien, wollten sie nach Kanada auswandern und dann ein solches Blockhaus bewohnen. «Nun wurde unser Wunsch aber hier Wirklichkeit», freut sie sich.

Alles Holz aus dem Wasserfallengebiet

Anfang 2021 konkretisierten Joëlle und Fabian Degen, Eltern dreier Kinder, ihre Idee. Sie entwarf die Pläne selbst, eine Architektin besorgte die Feinarbeit. Als Blockhaus-Bauerin wurde eine erfahrene Einmann-Firma aus dem Emmental engagiert. Fabian Degen (33), der als Teamleiter in einer Servicefirma im chemisch-pharmazeutischen Bereich tätig ist, sagt:

«Auf sie stiessen wir per Zufall, weil der von uns zuerst angefragte Betrieb keine Zeit hatte für unser Vorhaben.»

Das Holz stammt aus den Wäldern des Wasserfallengebiets – gegen 70 Weisstannen und eine einzige Fichte. Geschlagen wurde es von der Equipe des Forstbetriebs Frenkentäler. Die Baumstämme weisen einen Durchmesser zwischen 38 und 70 Zentimeter auf. Sie wurden mit Wasser entrindet, weil so das Holz seine Struktur und Besonderheiten behält.

Der Grundriss von Degens Blockhaus misst 11 auf 13 Meter. Es zählt sieben Zimmer; dazu kommen Küche, zwei Badezimmer und Keller. Die Wohnfläche beträgt 265 Quadratmeter – auf zwei Stockwerken und im teils ausgebauten, betonierten Untergeschoss. Geheizt wird das Gebäude, dessen Isolation den Werten neuester Standards entspricht, mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe. Zudem steht im Wohnbereich ein Ofen. Fabian Degen meint:

«Unser Blockhaus kostet etwa so viel wie ein herkömmliches Einfamilienhaus in ähnlicher Grösse.»

Derzeit wird es in Einzelteilen von der früheren Deponie Eichenkeller ob Reigoldswil, wo es hergerichtet worden ist, an seinen Bestimmungsort am westlichen Dorfrand transportiert. Für den Aufbau hat der Blockhaus-Bauer genügend Platz benötigt. Sein wichtigstes Arbeitsinstrument ist die Lärm verursachende Motorsäge. Deshalb war das «Eichenkeller»-Areal abseits des Wohngebiets als Abbundplatz geradezu ideal.

Im Oktober wird eingezogen

Das Holzhaus dürfte bis Ende nächster Woche wieder zusammengesetzt sein, dann erfolgt der Innenausbau. Voraussichtlich im Oktober werden Joëlle und Fabian Degen mit Finnja, Suvi und Samu ihr neues Heim beziehen können. Wie die drei Kleinen freuen sich auch ihre Eltern riesig darauf. Allerdings: Suvi ist schon jetzt ein wenig besorgt darüber, weil sie mit dem Umzug nach Reigoldswil dann ihre Kameradinnen von Oberdorf nicht mehr so oft sehen wird.

«Wir besitzen schon sehr viel hölzernes Mobiliar, mehr eckig und nicht im Rundstamm.»

Dies berichtet Joëlle Degen, die eine Ausbildung zur Informatikerin absolviert hat und heute hauptsächlich im Servicebereich in der Chemie arbeitet. Somit wird sich die Einrichtung zum Haus passend präsentieren und nicht wie eine Faust aufs Auge daherkommen.

Im Volksmund heisst es: «Holz isch heimelig.» Es ist ein natürlicher Baustoff, der bei Kälte und Wärme aber stärker reagiert als steinige Materialien. Laut Joëlle Degen werden sich die Seitenwände ihres Rundstamm-Blockhauses in den kommenden fünf Jahren 38 (!) Zentimeter senken. Eine grosse Herausforderung unter anderem für die Installation diverser Leitungen.

150 Leute kamen zur Besichtigung

Sie hätten stets dieselben Vorstellungen von ihrem Blockhaus gehabt, verrät Fabian Degen. «Der Glaube ans Projekt war bei mir zu Beginn noch nicht so gross. Ich ging nicht davon aus, dass wir das verwirklichen können.» Ganz anders seine Frau:

«Ich habe gesagt: ‹Ich will das, und ich bekomme das.›»

Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt habe, gebe sie alles dafür, dass es gelinge. Degens haben das Entstehen ihres neuen Heims auf Facebook ausführlich dokumentiert. Ende April luden sie zu einem Besuchstag ein. «Die Resonanz war enorm, rund 150 Personen kamen vorbei», berichtet die 32-Jährige. Und ihr Mann fügt an:

«Wir erhielten ausschliesslich positive Reaktionen. Manche Leute sagten zu uns, sie hätten auch gerne ein solches Haus.»

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