Muttenz
Biker sausen auf Zack von Gempen bis nach Muttenz

Verbotene Waldpfade sollen bei der Durchfahrt so gut es geht gemieden werden. Dies geschieht der Umwelt zuliebe. Wir waren beim Bau der abenteuerlichen Radpiste dabei.

Michel Ecklin
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Biker zeigen vollen Einsatz, um auf ihrer Bahn den Gempen herunterzufahren.

Biker zeigen vollen Einsatz, um auf ihrer Bahn den Gempen herunterzufahren.

Am letzten Wochenende fingen rund 50 Freiwillige mit dem Bau der Bike-Piste vom Gempen nach Muttenz an. Sie führt vom Winterhalle-Wald zur Eselhalle über die Rütihard und endet bei der «Bananenbrücke».

Eine beschilderte, legale Bike-Bahn quer durch den Wald ist neuartig im Baselbiet. Das Projekt entstand während der Erarbeitung des Waldentwicklungsplans Schauenburg-Hard-Birseck 2010–2025. Dort vertrat René Schenker, Präsident Sektion Basel des Trägervereins Trailnet, die Anliegen der Biker. «Anfänglich wurden wir nicht ernst genommen», sagt er. Aber schliesslich einigte man sich auf die gemeinsame Strategie, die Biker mit einer ausgeschilderten Bahn zu kanalisieren. «Wenn wir etwas bieten, das den Bikern Spass macht, kommen sie auch wirklich und schonen den Rest des Waldes», ist Schenker überzeugt.

Das hofft auch Hans-Ulrich Studer, der Präsident der Muttenzer Bürgergemeinde, der der Wald gehört. Die Gruppe von «Wilden, die sich nicht an die Regeln halten werden», schätzt er auf zehn Prozent der Biker. Erholungssuchende lenken

Die Bürgergemeinde hat mit dem Trailnet einen Nutzungsvertrag abgeschlossen. Dieser verpflichtet den Verein, nicht nur die Anlage zu unterhalten, sondern auch für die Einhaltung der Regeln zu sorgen. Man wolle so «die Lenkung gewisser Ströme im Wald» bewirken, so Studer. Der Gempen sei nun mal ein stark genutztes Erholungsgebiet. Diesem Druck könne man sich nicht entziehen. Den Bau zu erlauben, sieht er als «Goodwill gegenüber den Bikern». Denn die Bahn mache die Holzerei teurer, weil für die Sicherheit der Biker gesorgt werden müsse.

Die Gemeinde Muttenz verfolgte das Anliegen, die Biker vom Naturschutzgebiet Rothallenweiher fernzuhalten. Deshalb habe die Gemeinde den Bau der offiziellen Bahn befürwortet, sagt Gemeinderätin Heidi Schaub (SP). Die Baubewilligung für die Bahn erteilte der Kanton. Die Jäger erhoben dagegen Einsprache. «Aber ihre Bedenken konnten wir mit einem Augenschein vor Ort ausräumen», sagt Schenker.

Die Biker auf offizielle Bahnen zu lenken, damit der Rest des Waldes geschont wird, liegt auch auf der Linie von Pro Natura. «Das ist eine gute Sache», findet Urs Chrétien, Geschäftsführer der Baselbieter Sektion – solange dafür nur bestehende Wege benutzt und nicht neue gebaut würden. Schaub meint: «Das Tolle an diesem Projekt ist, dass es alle Betroffenen zusammen erarbeitet haben.»

Positives Beispiel: Der Gurten

Geht es nach dem Verein Trailnet, wird die Muttenzer Bike-Bahn zum kantonalen Leuchtturm. Andere Gemeinden sollen merken, dass das Konzept funktioniert. «Auf dem Gurten in Bern haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht», sagt Schenker.

In anderen Gemeinden ist man weniger überzeugt. So möchte die Biker-Szene schon seit Jahren vom Gempen nach Arlesheim eine Bike-Piste einrichten. «Der Gemeinderat wäre ja dafür», sagt Biker und Gemeindekommissions-Mitglied Balz Stückelberger. Doch die Bürgergemeinde stelle sich quer. «Jetzt wol-
len wir erst einmal beweisen, dass
es mit der Bahn in Muttenz gut läuft.»

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