Gesetzeslücke
Bildungsdirektion lässt sich für Abschaffung der Schule eine Hintertüre offen

Statt Klarheit, wie es Bildungsdirektor Urs Wütrich wollte, herrscht nun Verwirrung. Olsson sieht im neuen Gesetz die Grundlage dafür, die Kaufmännische Vorbereitungsschule (KVS) in Reinach und Liestal abzuschaffen.

Leif Simonsen
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Sommer 2011: Die Initiative zur Sicherung der Kaufmännischen Vorbereitungsschule (KVS) wird dem damaligen Landschreiber Walter Mundschin übergeben.

Sommer 2011: Die Initiative zur Sicherung der Kaufmännischen Vorbereitungsschule (KVS) wird dem damaligen Landschreiber Walter Mundschin übergeben.

bz-Archiv

«Urs Wüthrich missachtet mit dieser Vorlage klar den Willen des Parlaments», ereifert sich Saskia Olsson. Die Geschäftsführerin des Komitees Starke Schule Baselland hat das neue Bildungsgesetz unter die Lupe genommen, das der Bildungsdirektor anfangs Dezember in die Vernehmlassung gegeben hat. Hier schreibt er, er wolle «Klarheit über die Ausrichtung der schulischen wie auch der dual aufgebauten Angebote schaffen.»

Das Gegenteil ist eingetroffen – statt Klarheit herrscht nun Verwirrung. Olsson sieht im neuen Gesetz die Grundlage dafür, die Kaufmännische Vorbereitungsschule (KVS) in Reinach und Liestal abzuschaffen. Damit würde sich der Bildungsdirektor tatsächlich über einen Entscheid hinwegsetzen, den die Legislative im Frühjahr 2012 getroffen hatte. Der Landrat hatte nämlich entschieden, von der Sparmassnahme «Verzicht der Kaufmännischen Vorbereitungsschule» abzusehen, die der Regierungsrat in sein Sparpaket gepackt hatte. Das Parlament beschloss aber die Annahme der Initiative der Starken Schule Baselland, die den Fortbestand der KVS sicherstellt. Bei genauerem Hinschauen wird tatsächlich deutlich: Das neue Gesetz, das nun in der Vernehmlassung ist, garantiert den Weiterbestand der KVS je nach Lesart nicht. Das ist pikant: Es ist kein Geheimnis, dass die KVS umstritten ist. In der Bildungsdirektion (BKSD) ist man der Meinung, dass es im Landkanton ohnehin schon genug KV-Lehrlinge gibt. Schweizweit liegt man bei den KV-Absolventen weit über dem Schnitt, währenddem im Gewerbe und in der Industrie Lehrlinge gesucht werden. Olsson hingegen ist von der Bedeutung dieser Bildungsinstitution überzeugt: «Die KVS ist eine Erfolgsschule. Die allermeisten, die hier einen Abschluss machen, finden eine Anschlusslösung.»

«An der Nase herumgeführt»

«Die KVS könnte nach Inkrafttreten dieser Gesetzesänderung jederzeit abgeschafft werden», zeigt sich Olsson überzeugt. Ihren Verdacht nährt eine Formulierung im Entwurf der Landratsvorlage, wonach «bis auf weiteres das Angebot einer kaufmännischen Vorbereitungsschule geführt werden soll.» «Das zeigt, dass die Bildungsdirektion die Weiterführung der Kaufmännischen Vorbereitungsschule auf Gesetzesstufe nicht sichern möchte», so Olsson. Dazu komme, dass die KVS als Institution selbst in der Begriffsdefinition nicht erwähnt sei, sondern lediglich die (klein geschriebene) kaufmännische Vorbereitungsschule, die in ihren Augen auch «beispielhaft» ein jederzeit austauschbares kaufmännisches Brückenangebot jeglicher Art stehen kann. Olssons Fazit: «Das Parlament wird an der Nase herumgeführt. Es wird im Irrglauben gelassen, dass die KVS nun gesichert sei.»

Sie fordert nun, den Paragrafen 6 des Bildungsgesetzes, welcher das Baselbieter Bildungsangebot definiert, mit dem Zusatz «Kaufmännische Vorbereitungsschule KVS» zu ergänzen und in der Begriffserklärung zur kaufmännischen Vorbereitungsschule das K gross zu schreiben.

«Derzeit» keine Abschaffungspläne

Bei der BKSD streitet man Hintergedanken ab, wonach die KVS abgeschafft werden soll. Im Paragraf 6 würden eben nur die Schularten und Ausbildungen aufgeführt, erklärt Hanspeter Hauenstein, Leiter des Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung. Seine Interpretation des neuen Gesetzes klingt anders als diejenige Olssons: Die KVS sei unter dem Begriff «Brückenangebot» subsummiert. Hauenstein räumt ein, dass diese nicht abschliessend aufgezählt würden. «Der Verzicht ist aber umso mehr gerechtfertigt, als die Kaufmännische Vorbereitungsschule («wenn auch mit einem kleinen k») in der Begriffserklärung in Paragraf 3 als einziges Angebot explizit erwähnt ist.» Er beteuert, dass es «derzeit» kein Plan und nicht die Absicht sei, die KVS abzuschaffen.

Ein Bekenntnis, das Saskia Olsson nicht besänftigt: Im nächsten Sommer werde ein neuer Bildungsdirektor das Schulwesen übernehmen. Dessen bildungspolitische Einstellung kenne man noch nicht. «Aber mit dieser Gesetzesgrundlage hat er die Möglichkeit, die KVS über unseren Kopf hinweg abzuschaffen.»