Binningen
«Binningen ist kulturell top, Bottmingen ist überschaubarer»

Philipp Bollinger arbeitet in Binningen, wohnt in Bottmingen – und hofft nur auf die Kantonsfusion. Den Binninger und den Bottminger unterscheide eigentlich nichts, sagt er. Ausserdem erwartet er, dass die Siedlungsgebiete stärker verdichtet werden.

Leif Simonsen
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Philipp Bollinger glaubt, dass eine Fusion zwischen den beiden Basel mehr Sinn macht als zwischen Bottmingen und Binningen.kenneth Nars

Philipp Bollinger glaubt, dass eine Fusion zwischen den beiden Basel mehr Sinn macht als zwischen Bottmingen und Binningen.kenneth Nars

Einen kompetenteren Gesprächspartner als Philipp Bollinger könnte man sich nicht vorstellen, wenn man die Gemeinden Binningen und Bottmingen unter die Lupe nimmt: Bollinger ist in Bottmingen aufgewachsen, besuchte dort die Primarschule und wechselte dann nach Binningen in die Sek. Noch heute wohnt der 52-Jährige in Bottmingen, amtet dort auch als SP-Gemeinderat und arbeitet gleichzeitig seit 13 Jahren auf der Gemeindeverwaltung in Binningen. Hier ist er Ressortleiter Bildung.

Herr Bollinger, was unterscheidet den Bottminger vom Binninger?

Philipp Bollinger: Eigentlich nichts. Beide Gemeinden sind von der Sozialstruktur her ähnlich. Die meisten Menschen leben hier, weil es relativ nahe an Basel liegt. Der grösste Unterschied liegt in der Grösse, was auch bedeutet, dass sie unterschiedliche politische Strukturen aufweisen. Wenn man heute aus der Vogelwarte auf die Gemeinden schaut, käme niemand auf die Idee, daraus zwei Gemeinden zu machen.

Eine Fusion der beiden Gemeinden wäre somit sinnvoll, nicht? Schliesslich ist Ihre Partei ja auch der Meinung, dass die beiden Basel fusionieren sollten.

Die Ausgangslage ist etwas komplexer in Binningen und Bottmingen, denn die Gemeinden arbeiten ja nicht nur bilateral zusammen. Binningen und Bottmingen koordinieren viele Bereiche wie etwa den Schulbereich. In der Alterspolitik arbeitet Bottmingen eher mit Oberwil zusammen, bei der Spitex richtet sich Binningen nach Allschwil aus. Basel-Stadt und Baselland stehen in einer sehr grossen Abhängigkeit zueinander, das ist in Binningen und Bottmingen nicht der Fall.

Analog der Birsstadt ist auch die Rede von einem Leimentaler Forum. Geben Sie einem solchen politischen Gebilde eine grössere Chance?

Bisher war dieses Leimentaler Forum ja noch nicht konkret, es gibt auch noch keine Projektorganisation. Trotzdem ist nun Schwung in die Diskussion gekommen, in erster Linie dank der Neuorganisation des Vormundschaftswesens, der sogenannten Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde. Schnell fand sich hier ein regionaler Verbund zusammen. Die Einsicht, in ausgewählten Themenbereichen wie Raumplanung oder Verkehr näher zusammenzuarbeiten, besteht, und dies ist auch nach Kräften zu unterstützen. Oft ist es aber auch so, dass alte Strukturen nicht hinterfragt werden. Nehmen wir die Feuerwehr zum Beispiel: Eine Fusion der Gemeindefeuerwehren Oberwil, Bottmingen und Binningen steht nicht zur Diskussion. Es ist interessant, dass die Gemeinden der Meinung sind, dass die Feuerwehr genau auf die Grösse der Gemeinde ausgerichtet sein muss. Binningen, Bottmingen und Oberwil haben in etwa die Grösse von Neuenburg. Ich habe aber nie gehört, dass in Neuenburg über eine Aufteilung der Feuerwehr nachgedacht wird. Das Problem ist: Die Feuerwehr ist sehr emotional geprägt, die lokale Prägung gross. Es wäre womöglich schwierig, für eine regionale Feuerwehr genügend Leute rekrutieren zu können.

Wie gross sollte in Ihren Augen das Leimentaler Forum sein?

Heute wird das Tal zwischen Binningen bis nach Biel-Benken über Therwil und Ettingen als ein Raum wahrgenommen. Schon Münchenstein oder Reinach sind geografisch in einer anderen Welt.

Wie wichtig ist eine übergeordnete Raumplanung? Sie sind im Leimental aufgewachsen, das früher ländlich war. Jetzt ist es, wie Sie sagen, durchgehend Agglomeration bis nach Therwil, sogar Ettingen. Blutet Ihnen nicht das Herz?

Für die Dorfentwicklung ist der zunehmende Verkehr tatsächlich ein grosses Problem. Raumplanerisch fand vor etwa 30 Jahren ein Umdenken statt. Vor rund 25 Jahren gab es in Bottmingen die grösste Baurückzonung, die je in der Schweiz statt gefunden hat. Trotzdem bin ich der Meinung, dass man sich früher über die Erhaltung von Dorfbildern hätte Gedanken machen müssen, wie es Muttenz oder Allschwil gemacht hat. Diese Diskussion hat man im Leimental verschlafen.

Was ist schön in Bottmingen – was gefällt Ihnen in Binningen besser?

Binningen hat ein grösseres kulturelles Angebot und ist urbaner. Bottmingen – jetzt dürfen Sie ja nicht schreiben, dass er lange überlegen musste – ist überschaubarer, familiärer.

Wo stehen Binningen und Bottmingen in 25 Jahren?

Die heutigen Siedlungsgebiete werden noch stärker verdichtet sein und entlang der heutigen, dannzumal stärker beruhigten Hauptverkehrsachsen städtisches Gepräge haben. Vielleicht verfügen die Einwohner dann auch über ein moderneres, schienengebundenes öffentliches Verkehrsmittel, das sich nicht wie heute auf die Infrastruktur eines 150-jährigen Vorortszügleins abstützen muss. Und beide Gemeinden werden nach wie vor über unbebaute Naherholungszonen verfügen. Vermutlich werden sie auch noch politisch selbstständige Gemeinden sein, aber die Diskussion über Strukturreformen wird intensiver sein.