Binningen
Oldtimer-Tanklöschfahrzeug «Neptun» sucht neuen Besitzer – am liebsten einen, der es als Kulturgut zu schätzen weiss

Bis 1992 war das erste Leimentaler Tanklöschfahrzeug im Aktivdienst. Seither wird es kaum noch verwendet. Nun wird vorzugsweise eine Institution gesucht, in der der Oldtimer einen würdigen Platz findet.

Tomasz Sikora
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Der Binninger «Neptun» war das erste Tanklöschfahrzeug im Leimental überhaupt.

Der Binninger «Neptun» war das erste Tanklöschfahrzeug im Leimental überhaupt.

Bild: zvg

Mit 54 soll «Grossmutter» in Rente gehen. «Grossmutter ist ein Übername», erklärt der Binninger Feuerwehrkommandant Sebastian Dändliker und kann seine Wehmut nicht verbergen: «Ich wurde noch als Fahrer für Freizeitanlässe auf dem ‹Neptun› ausgebildet.» Was bei einem Menschenleben als noch vergleichsweise jung durchginge, ist für einen Mercedes-Benz LAF 1113 mit Baujahr 1967 ein aussergewöhnliches Alter. Es handelt sich um das erste Tanklöschfahrzeug des Leimentals, das in seinen ersten Jahren noch regelmässig im ganzen Leimental für Einsätze unterwegs war.

Wie der «Binninger Anzeiger» jüngst vermeldete, soll Grossmutter nun ausgemustert werden. «Fahrzeugliebhaber, Vereine und andere Gruppierungen, welche Interesse an diesem Oldtimer haben, können sich bis zum 20. Oktober 2021 beim Feuerwehrkommando der Feuerwehr Binningen unter kdt@feuerwehr-binningen.ch für einen Besichtigungstermin melden», vermeldet das Gemeindeblatt. Auch Vorschläge für alternative Verwendungen seien willkommen, und könnten an info@binningen.bl.ch eingesandt werden.

Alle Feuerwehrleute, die den «Neptun» noch im Aktiveinsatz verwendeten, sind mittlerweile nicht mehr in der Feuerwehr aktiv. «Dass wir es noch haben, hat mit Nostalgie zu tun», erklärt Kommandant Dändliker. Bis 2014 sei Grossmutter noch für private Anlässe wie Hochzeiten oder Rundfahrten verwendet worden. «Der einzige Feuerwehranlass, an dem es neben privaten Veranstaltungen noch in Gebrauch war, war der Tag der offenen Tür am Weihnachtsmarkt», so Dändliker weiter.

Mit der Grossmutter einen der letzten Grosseinsätze hat Dändlikers Vorgänger Michael Von Ins bestritten. Er erinnert sich: «Das letzte Mal bin ich mit dem Fahrzeug an Heiligabend 2007 zu einem Grossbrand in Binningen ausgerückt.» Er hängt ebenso wie sein Nachfolger an Urgrossmutter und fragt sich, ob es nicht möglich gewesen wäre, den Oldtimer zu behalten: «Binningen plant, über 50 Millionen Franken für ein neues Schulhaus auszugeben, aber möchte kein Geld für den Unterhalt eines solchen Oldtimers ausgeben. Das finde ich schade, es handelt sich doch dabei um ein Kulturgut.» Auch einen anderweitigen Vorschlag hat er bereits parat: «In Binningen gibt es ein Ortsmuseum. Könnte das Fahrzeug nicht dort ausgestellt werden?»

Zu teuer im Unterhalt

Der für das Ressort Öffentliche Sicherheit zuständige Gemeinderat Daniel Nyffenegger erklärt auf Anfrage der bz: «Das Fahrzeug mit Jahrgang 1967 wurde 1992 aus dem Aktivdienst ausgemustert und wird seit einigen Jahren kaum verwendet, ist aber teuer im Unterhalt.» Grossmutter müsse sehr häufig gewartet werden, weil der Mercedes Öl verliere und regelmässig technische Probleme bereite.

«Früher haben den Unterhalt noch Mitglieder der Feuerwehr gemacht.» Diese seien aber mittlerweile alle nicht mehr aktiv, und die Feuerwehr habe Platzprobleme. «Aus all diesen Gründen hat sich der Gemeinderat zur Trennung von diesem Fahrzeug entschieden», so Nyffenegger.

Erste Interessierte haben sich bereits bei der Gemeinde nach dem Fahrzeug erkundigt. Für Ex-Kommandant Von Ins' Vorschlag, das Fahrzeug in einem Museum auszustellen, scheint der Gemeinderat allerdings mehr Sympathien zu hegen, wie Daniel Nyffenegger sagt: «Wir haben bereits eine Anfrage von einer Firma, fänden es aber schön, wenn eine Institution wie zum Beispiel ein Verkehrsverein oder Museum einen Verwendungszweck dafür fände.» Kein Wunder: Könnte man sich für Grossmutter einen schöneren Lebensabend vorstellen, als noch möglichst lange von möglichst vielen Verehrern umschwärmt zu werden?

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