Margarethenstich
Binningens Gemeindepräsident: «Ein grosser Gewinn für das Leimental»

In Binningen haben viele das Referendum unterzeichnet – auch der Gemeinderat ist für das Projekt. Gemeinepräsident Mike Keller erklärt wie die Gemeinde zu dem Tramprojekt steht.

Julia Gohl
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In Binningen gibt es beim Spiesshöfli noch immer einen Gleisabschnitt, der einspurig ist.

In Binningen gibt es beim Spiesshöfli noch immer einen Gleisabschnitt, der einspurig ist.

Martin Töngi

Hinter dem Referendum gegen den Margarethenstich stehen vor allem Binninger. Gemeindepräsident Mike Keller erklärt in der bz, wie die Gemeinde zum Tramprojekt steht.

Herr Keller, als wir uns das letzte Mal über den Margarethenstich unterhalten haben, hatten Sie Bedenken, dass das Tram beim Queren der Baslerstrasse den Verkehr behindern würde.

Mike Keller: Diese Ängste konnte uns das kantonale Tiefbauamt nehmen. Basierend auf Verkehrszählungen hat es eine Simulation erstellt. Dort zeigt sich: Die Querung bedeutet einen 25 Sekunden langen Unterbruch des Autoverkehrs. Zu den Hauptverkehrszeiten fahren pro Richtung und Stunde acht Trams.

Im schlimmsten Fall würde es also 16 Unterbrechungen geben. Oder anders ausgedrückt: 52 Minuten pro Stunde fliesst der Verkehr ganz normal. Wir konnten das Tiefbauamt überzeugen, diese Simulationen bald öffentlich zur Verfügung zu stellen. Das ist auch für die Bevölkerung wichtig zu wissen.

Sie sind also für das Projekt?

Ja, der Binninger Gemeinderat stellt sich hinter den Margarethenstich. Wir wurden immer in die Planung einbezogen und unsere Anregungen aufgenommen. Da nun auch die Einschränkungen für den Verkehr nicht so gross ausfallen wie befürchtet, können wir das mit ruhigem Gewissen unterstützen.

Wir müssen nicht nur für uns, sondern für das ganze Leimental denken. Für dieses wäre das Projekt ein grosser Gewinn. Bei der Planung zum Herzstück ist der Margarethenstich bereits mitgedacht. Und dieses wäre nochmals eine grosse Attraktivitätssteigerung für das Leimental.

Sehen Sie im Margarethenstich auch Vorteile für Binningen?

Wenn man bedenkt, dass das grösste Wachstumspotenzial im hinteren Leimental liegt und die meisten Arbeitsplätze in Basel sind, resultiert auch für Binningen eine Entlastung beim Autoverkehr. Gemäss Studien soll der Margarethenstich täglich zu den Hauptverkehrszeiten rund 1000 Personen zum Umstieg vom Auto auf den öV bewegen. Bei der Entscheidung für den öV hat eine umstiegsfreie Anbindung immer eine hohe Bedeutung.

In Binningen scheint die Haltung gegenüber dem Margarethenstich eher negativ zu sein. Gemäss dem Referendumskomitee haben rund 20 Prozent der Binninger Stimmbevölkerung das Referendum unterzeichnet.

Diese Verunsicherung darf nicht unterschätzt werden, und wir nehmen sie ernst. Aber die Abstimmung findet ja nicht nur in Binningen, sondern im ganzen Kanton statt. Das hintere Leimental wird sich wohl für den Margarethenstich aussprechen. Im restlichen Kanton sind BLT und Regierung gefordert aufzuzeigen, wieso dieses Projekt nicht nur für das Leimental wichtig ist.

Ich möchte dem nicht vorgreifen, aber man darf nicht vergessen, dass es die Region mit der höchsten Wachstumsrate und der grössten Steuerkraft ist. Gleichzeitig hat das Leimental etwa im Vergleich zum Birstal eine schlechtere Ausgangslage, weil es keine Anbindung an die Eisenbahn hat, sondern nur ans Tram. Das Tram wird dem Zug nie ebenbürtig sein, aber Margarethenstich und Herzstück würden die Situation stark verbessern.

Befinden Sie sich im Austausch mit dem Referendumskomitee?

Die Gemeinde Binningen ist nicht Bauherr und deshalb der falsche Ansprechpartner. Der Austausch zwischen Komitee und dem wirklichen Bauherrn wäre aber wichtig. Die federführenden Köpfe im Referendumskomitee sind Baufachmänner.

Da sollten technische Gespräche möglich sein, damit keine Fragen offen bleiben. Dann kann man immer noch anderer Meinung sein, muss sich aber wenigstens nicht über Fakten streiten. Vielleicht könnten sogar ein paar Ideen aus dem Referendumskomitee ins Projekt einfliessen. Denn ein Nein zum Margarethenstich hätte grosse Konsequenzen: Der Bund hat im Rahmen des Agglomerationsprogramms Geld für den Margarethenstich gesprochen. Müsste ein neues Projekt ausgearbeitet werden, läuft diese Finanzierung aus, und wir verschieben die direkte Anbindung des Leimentals auf den Sanktnimmerleinstag. Dabei riskieren wir erst noch höhere Kosten für den Kanton.

Sie haben bei der Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt und der BLT gute Erfahrungen gemacht?

Ja, nicht nur beim Margarethenstich. Mit denselben Partnern arbeiten wir auch in Sachen Spiesshöfli zusammen. Das ist der einspurige Bereich der Tramgeleise in Binningen, den die BLT auf zwei Spuren ausweiten möchte. Wir finden: Wenn Binningen etwas wie den Margarethenstich unterstützt, woraus wir keine direkten Vorteile ziehen, dann können uns Kanton und BLT in einem anderen Bereich entgegenkommen; und das machen sie jetzt auch.

Inwiefern?

Weil bei Änderungen an den Geleisen die Bestimmungen zum Eisenbahnbau gelten, würden bestehende Übergänge wegfallen. Diese Zweiteilung der Gemeinde wollen wir verhindern. Mittlerweile haben Kanton und BLT eingesehen, dass das für Binningen wichtig ist. So prüfen wir zurzeit gemeinsam Lösungen.

Noch kann ich keine präsentieren, aber ich bin zuversichtlich, dass wir in den nächsten Wochen eine finden werden. Wir werden dabei als vollwertiger Partner gesehen. Das gilt vor allem auch für die Grundstücke, welche der Kanton erwerben muss, damit die Gleise errichtet werden können.

Was ist dort vorgesehen?

Noch befindet man sich in Verhandlungen mit den Parzellenbesitzern. Der Landerwerb ist die Grundvoraussetzung, dass überhaupt ein zweites Gleis gebaut werden kann. Sind die Verhandlungen erfolgreich, haben erst einmal der Schienen- und Strassenbau Priorität. Erst dann geht es darum, was mit dem Rest der Grundstücke passiert.

Wenn schon so ein grosses, zusammenhängendes Areal mitten im Dorf frei wird, ist uns natürlich wichtig, dass dieses entsprechend entwickelt wird. Wir haben in Binningen nicht viele Reserveflächen, und die Nachfrage nach Wohnraum ist gross.

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