Skandal-Theater
Birsfelder Skandal-Theater wird nächsten Montag erneut gespielt

Bei der letzten Aufführung des Stücks «15 Zentimeter» in Birsfelden störte ein empörter Zuschauer die Vorstellung. Sie galt ihm als anrüchig. Es kam zu Tumult und Abbruch der Vorstellung. Nächsten Montag wird sie nun noch einmal gespielt.

Jeremias Kläui
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Matthias Schmids 15 Zentimeter sorgten für Zuschauer-Tumult.

Matthias Schmids 15 Zentimeter sorgten für Zuschauer-Tumult.

Zur Verfügung gestellt

Nächsten Montag führt der Schauspieler Matthias Schmid das Stück «15 Zentimeter» im Kellertheater im Birsfelder Hotel Alfa auf. Was sonst zum Theateralltag gehört, hat seit der letzten Aufführung an Brisanz gewonnen.

Damals nämlich ging es drunter und drüber im Theatersaal, wie der «Birsfelder Anzeiger» berichtete: Kurz vor der Pause stand ein Zuschauer auf und machte sich mit einem mehrfachen «Entschuldigen Sie!» bemerkbar. Als der Schauspieler sein Stück unterbrach, kam es zu einer hitzigen Diskussion. Der Mann beklagte sich stark über das als vulgär interpretierbare Theater.

Damit waren jedoch nicht alle im Saal einverstanden: Mehrere Zuschauer verteidigten Schmid und versuchten den Mann dazu zu bewegen, den Saal zu verlassen – ohne Erfolg: «Ich hatte die Lage nicht mehr im Griff», berichtet der Schauspieler. Im Raum sei es zu tumultartigen Szenen gekommen. Die Versuche des Servicepersonals, für Ordnung zu sorgen, schlugen fehl. Schmid war gezwungen, die Vorstellung abzubrechen.

Provokative Stückwahl

Der Untertitel von «15 Zentimeter» sagt viel über den Inhalt aus: «Eine Geschichte über den Duft der Liebe, die Macht des Sex und das schwarze Loch der Impotenz». Die Vorlage stammt von Charles Bukowski. Der US-amerikanische Schriftsteller gilt als der «in den USA vielleicht nicht berühmteste, doch in den Buchläden meistgeklaute Autor». Seine Werke sind bekannt für eine satirische und auch vulgäre Sprache sowie die schonungslose Abbildung gesellschaftlicher Abgründe.

Da kann es auch mal zu Meinungsverschiedenheiten im Publikum kommen. «Im Grunde genommen ist es auch ein Lob», findet der Schauspieler. Es sei jedoch das erste Mal, dass eines seiner Stücke solch eine Reaktion provoziere. Trotzdem wird auch die nächste Aufführung am kommenden Montag planmässig stattfinden – mit einer Ausnahme: Die Zuschauer aus der letzten Vorführung erhielten Freikarten, um auch noch die zweite Hälfte des Kabaretts zu sehen.

Ob der Störenfried vom letzten Mal dieses Angebot nutzen wird, ist höchst fraglich. Schmid auf jeden Fall hätte ihn gerne unter vier Augen gesprochen: «Ich wollte ihm sagen, dass er Schneid in der Hose hat – ich hätte mich so etwas nie getraut!»