Leistungsauftrag
Bis im Sommer wird bei der S-Bahn das Bonus-Malus-System getestet

Das Baselbiet strebt ein Bonus-Malus-System mit den SBB an. Entscheidend, ob die SBB auf ihren regionalen S-Bahnen finanziell belohnt oder bestraft werden, sind Pünktlichkeit, Kundenzufriedenheit und Sauberkeit. Ein Testlauf ist gestartet.

Andreas Hirsbrunner
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Das Baselbiet strebt ein Bonus-Malus-System mit den SBB an. Kenneth Nars

Das Baselbiet strebt ein Bonus-Malus-System mit den SBB an. Kenneth Nars

«Wir tun, als wäre nichts gewesen.» So ungewöhnlich begrüsste Regierungspräsidentin Sabine Pegoraro gestern zur Medienkonferenz über den siebten generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr (öV). Sie spielte damit auf die Panne an, dass die vom Regierungsrat verabschiedete Landratsvorlage vorzeitig ins Internet gestellt wurde.

Die drei Hierarchien im öV

Mit minimal neun Fahrten pro Tag garantiert der Kanton in dünn besiedelten Räumen wie Lauwil oder Roggenburg eine Grundversorgung. In Regionen, wo das Strassennetz nicht den ganzen Verkehr aufnehmen könnte, gibt es einen 30- bis 60-Minuten-Takt, so bei der S-Bahn. Und in Stadtnähe soll mit 7,5- bis 15-Minuten-Takten der Autoverzicht ermöglicht werden. (hi)

Die bz berichtete denn in ihrer Ausgabe vom Donnerstag bereits auch über die wichtigsten geplanten Änderungen beim öV von Ende 2013 bis 2017. So, dass vor allem Allschwil mit dem Ausbau der Buslinien 38 und 48 profitiert und Münchenstein die Linie 58 verliert.

650 000 Franken mehr oder weniger

Trotzdem gab es an der Medienkonferenz auch Neues zu hören. Dies insbesondere zur Entwicklung bei der Waldenburgerbahn (WB) und dem angestrebten Bonus-Malus-System mit den SBB. Letzteres befindet sich laut Jörg Jermann, öV-Delegierter des Kantons, derzeit in einem Testlauf. Das heisst, es werden alle Daten erhoben, die bei einer allfälligen Einführung eines Bonus-Malus-Systems darüber entscheiden, ob die SBB auf ihren regionalen S-Bahn-Linien finanziell belohnt oder bestraft werden.

Entscheidend dafür sind Pünktlichkeit, Kundenzufriedenheit und die Beurteilung der Sauberkeit durch «qualifizierte Testpersonen». Im Sommer wollen dann Kanton und SBB entscheiden, ob sie das neue System einführen. Maximal erhielten die SBB bei optimaler Bewertung einen Bonus von 650 000 Franken pro Jahr; im gegenteiligen Extremfall würden sie mit einem gleich hohen Malus belastet.

Wogen um WB geglättet

Zu den Bedenken der SP, dass der zusätzliche Druck aufs Personal auf Kosten der Sicherheit gehen könnte, sagt Pegoraro: «In andern Kantonen läuft das Bonus-Malus-System schon ohne Sicherheitseinbussen. Die Sicherheit geht immer vor.» Jermann kann sich vorstellen, vergleichbare Regelungen später auch beim übrigen öV in der Region einzuführen.

Nicht gut an kam in der Vernehmlassung zum neuen Leistungsauftrag, dass der Ersatz der Beschaffung des neuen Rollmaterials für die WB erst ab 2018 erfolgen soll. Dazu Pegoraro: «Hier geht es um ein Missverständnis. Der Hauptgrund liegt nicht beim Sparen, sondern dass wir die Infrastruktur für die neuen Fahrzeuge zuerst anpassen müssen.» Denn obwohl die 750-Millimeter-Spur beibehalten wird, sollen die neuen Waldenburgerli breiter und damit komfortabler werden. WB-Verwaltungsratspräsident Urs Steiner bestätigt: «Wir hatten eine sehr gute Aussprache mit Frau Pegoraro. Das geplante Vorgehen ist in Ordnung.»