Baselbiet
BKSK-Präsident: «Sammelfächer passen nicht zu unserem Schulsystem»

Warum die in sich zerstrittene Baselbieter Bildungskommission gegen die Einführung von Sammelfächern ist - Kommissionspräsident Paul Wenger im Interview.

Bojan Stula
Drucken
Teilen
Lehrplan-21-Gegner befürchten einen kontraproduktiv-radikalen Umbau der Baselbieter Klassenzimmer. (Symbolbild)

Lehrplan-21-Gegner befürchten einen kontraproduktiv-radikalen Umbau der Baselbieter Klassenzimmer. (Symbolbild)

Keystone

Die Mehrheit der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportkommission (BKSK) lehnt die Einführung von Sammelfächern auf der Sekundarstufe ab. Darüber und über die Einführung des Lehrplans 21 soll der Landrat entscheiden und nicht der Bildungsrat. Der Kommissionspräsident Paul Wenger (SVP, Reinach) nimmt Stellung.

Paul Wenger, Sie sind der Präsident der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission und persönlich gegen die Einführung des Lehrplans 21 auf Stufe Sekundarschule 1. Warum?

Paul Wenger: Der Lehrplan 21 führt zu einer Nivellierung des Leistungsniveaus nach unten. Wenn auf jeder Klassenstufe die Vermittlung von Lernkompetenzen im Vordergrund steht, ist das nicht altersgerecht. Vor den Kompetenzen kommt Wissen und Können. Ebenso passen die beabsichtigten Sammelfächer nicht zu unserem Schulsystem.

Jetzt hat die BKSK entschieden, dass sie die beiden parlamentarischen Initiativen von Jürg Wiedemann «Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer» und zur Einführung des Lehrplans 21 unterstützen. Seit der Publikation des Kommissionsberichts am Montagvormittag läutet bei Ihnen das Handy Sturm.

Paul Wenger, SVP-Landrat, BKSK-Präsident.

Paul Wenger, SVP-Landrat, BKSK-Präsident.

Zur Verfügung gestellt

Das Baselbieter Volk hat aber genau diese Kompetenz in der Referendumsabstimmung vom November 2011 mit klarem Mehr dem Bildungsrat zugesprochen.

Das ist im Grundsatz richtig, aber damals war noch gar nicht absehbar, was der neue Lehrplan an Änderungen mit sich bringen würde. Ich bin einer der wenigen BKSK-Mitglieder, die sich die beiden bisherigen Entwürfe aus Bern haben zusenden lassen. Das sind jeweils Pakete von mehreren hundert Seiten. Da stehen Dinge drin, mit denen sich bisher noch kein Mensch auseinandergesetzt hat. Und über diese Konsequenzen des Lehrplans 21 hat das Volk damals ganz bestimmt nicht abgestimmt.

Sie sagen es: Wenn die Gesetzesänderung zur Einführung des Lehrplans 21 nicht mit Vier-Fünftel-Mehr des Landrats abgesegnet wird, kommt es zum Volksentscheid. Aber auch dann wird kein Mensch im Vorfeld diesen Wälzer durchlesen.

Nein, ganz bestimmt nicht. Das Volk hat keine Ahnung, was mit dem Lehrplan 21 auf unsere Schulen zukommt. Aber man kann dann im Abstimmungskampf auf gewisse Punkte wie die Einführung der Sammelfächer hinweisen und diese ausdiskutieren. Für mich ist eine Volksschule ohne Volk eine schlechte Ausgangslage.

Der Entscheid der BKSK ist wie die parlamentarische Initiative von Jürg Wiedemann inkonsequent: Wenn schon, soll das Parlament auch über die Einführung aller künftigen neuen Lehrpläne entscheiden.

Genau das wollten wir nicht. Der Lehrplan 21 ist die bedeutendste Umwälzung unseres Schulsystems in neuerer Zeit. Und weil diese Einführung so speziell und die Folgen so weitreichend sind, soll notfalls das Volk darüber entscheiden.

Sie haben die Abstimmungsergebnisse innerhalb der Kommission bewusst geheim gehalten. Also kann man davon ausgehen, dass die Entscheide per Stichentscheid des Präsidenten fielen respektive mit einer Stimme Unterschied.

Sagen wir es so: Erdrückende Mehrheiten hat es nicht gegeben. Die BKSK war sich in sehr vielen Punkten uneins. Da prallen zwei gegensätzliche Philosophien aufeinander, weshalb es müssig ist, die Gegenseite von seiner Sicht der Dinge überzeigen zu wollen. Deshalb ist ein Volksentscheid nur konsequent.

Aktuelle Nachrichten