Parkraum
Blaue Zonen sollen Pendler fernhalten

Wo parkieren all die Pendler, wenn es in Basel-Stadt nur noch blaue Parkfelder hat? Ende September beschloss der Basler Grosse Rat, die Parkraumbewirtschaftung einzuführen. Bis 2016 sollen alle weissen Parkplätze aus der Stadt verschwinden.

Joël Hoffmann
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Vom Auto auf den öV: Park-&-Ride-Anlagen wie in Oberwil sollen die Gemeinden entlasten. bz-Archiv/HDU

Vom Auto auf den öV: Park-&-Ride-Anlagen wie in Oberwil sollen die Gemeinden entlasten. bz-Archiv/HDU

Die Pendler werden wohl auf stadtnahe und mit dem öV gut erschlossene Baselbieter Gemeinden ausweichen. Doch diese kämpfen bereits jetzt mit dem Pendler-Verkehr.

«Ich kann mir gut vorstellen, dass mit der Parkraumbewirtschaftung in Basel-Stadt der Druck auf Muttenz zunehmen könnte, aber das ist vorläufig eine Hypothese», sagt Heidi Schaub, Gemeinderätin von Muttenz. Wegen der Pendler sind die Parkplätze bereits knapp. «Darum wollen wir möglichst rasch das Problem lösen, damit unsere Einwohner genügend Parkplätze finden», erklärt Schaub. Ideal wäre eine Parkraumbewirtschaftung, die das ganze Gemeindegebiet umspannt. Ein solches Konzept sei zwar in Planung aber noch nicht so konkret, dass es an der Gemeindeversammlung vom Donnerstag oder noch in diesem Jahr vorgestellt werden könnte.

Blaue Zonen gegen Pendler

Binningen hat seit 2008 ein Parkkonzept. «Wir haben in kritischen Gebieten gerade auch im Hinblick auf die Basler Pläne, die schon seit Längerem bekannt sind, blaue Zonen geschaffen und damit bisher gute Erfahrungen gemacht», bestätigt Charles Simon, Gemeindepräsident von Binningen. Er glaubt nicht, dass sich das Pendler-Problem nach Binningen verlagern wird. «Falls doch, müssten wir das blaue Gebiet noch etwas ausdehnen.»

In Oberwil sind die Parkplätze in unmittelbarer Nähe zum öV besonders begehrt. Trotzdem meint Gemeindepräsidentin Lotti Stokar: «Wir sind gewappnet.» Denn: Am 1. Januar 2012 tritt das neue Parkplatzreglement in Kraft. «In attraktiver Distanz zu Tramhaltestellen haben wir blaue Zonen. Anwohner könne gratis eine Parkkarte beziehen, die für Auswärtige jedoch kostenpflichtig ist», erklärt Stokar. Sollte sich der Pendlerverkehr ausweiten, werde die blaue Zone erweitert.

Birsfelden hat bereits seit vier Jahren ein Parkkonzept. «Wir waren damals der Parkplatz der Stadt», hält Gemeindepräsident Claudio Botti fest. Da es jetzt nur noch blaue Parkfelder gäbe, habe sich die Situation für die Anwohner massiv gebessert. Und Botti erklärt stolz: «Wir waren die erste Baselbieter Gemeinde, die eine Parkkarte für Anwohner eingeführt hat – mit der Basler Parkraumbewirtschaftung ändert sich nichts für uns.»

In Allschwil wiederum ist noch kein Parkkonzept in Sicht. Seit 40 Jahren sind Pendler, welche die weissen Parkplätze besetzen, ein Dauerthema. Bis jetzt sei es aufgegangen, meint Gemeindepräsident Anton Lauber: «Am Morgen fahren die Anwohner weg, die Pendler parkieren, und wenn die Anwohner am Abend wieder zurückkommen, sind die Pendler weg.»

Park-&-Ride für Elsässer

Lauber ist sich bewusst, dass der Parkplatzdruck auf seine Gemeinde zunehmen wird. «Seit zwei Jahren beobachten wir die Situation in der Gemeinde und eine Spezialkommission von Einwohnerräten wird sich dem Thema annehmen.»

Für Lauber wäre ein eigenes Parkkonzept aber keine Lösung: «Ich bin gegen einen Flickenteppich. Sinnvoller wären Park-&-Ride-Anlagen im nahen Ausland mit guten öV-Verbindungen: Beispielsweise im elsässischen Hegenheimer Zoll. Optimal wäre es, wenn der 38er-Bus bis dort fahren würde.» Auch Botti ist trotz guten Erfahrungen für eine regionale Regelung: «Wir brauchen gemeinsame Lösungen wie Park-&-Ride-Anlagen an der Peripherie, beispielsweise an der Endstation des 3er-Trams.»