Fasnacht
Blauner Fasnachtsplausch: Närrisches Treiben garniert mit Bauernschläue

Der Blauner Fasnachtsplausch füllt eine Lücke für jene, die über einen gelungenen Schnitzelbank lachen wollen.

Martin Staub
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Blauner Fasnachtsplausch
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Les Chanterelles: Im grünen Secondhand-Kleid im Sinne von Greta.
Sigi und Ferdi auf der Suche nach jungem Gemüse.

Blauner Fasnachtsplausch

Martin Staub

Da während der Fasnachtszeit die Beizen in Blauen schon vor Jahren vorwiegend geschlossen blieben, wollte Stefan Jermann nur, dass die langjährige Tradition der Dorffasnacht, an der die Narren immer auch in Privathäusern Einlass fanden, nicht ausstirbt. «Irgendwo müssen sich ja die Maskierten treffen können, um anschliessend gemeinsam loszuziehen», argumentiert der Initiant einer Veranstaltung, die am Samstag wieder mal «tout Blauen» plus zahlreiche Zugelaufene in die Kulturschüre lockte.

Immer noch sind der Initiant und seine bunt zusammengewürfelte Helferbande mit gleichbleibender Begeisterung dabei: Schöpfen Spaghetti, mischen Salat, schenken Bier, Wein und andere Getränke ein und bedienen die Gästeschar, welche die Kulturschüre einmal mehr bis auf den letzten Platz füllte. Aus guten Gründen. Zum einen trifft man sich hier, um einmal im Jahr so richtig das Tanzbein zu schwingen. Zum andern ist am Fasnachtssamstag das Lokal in Blauen einer der wenigen Orte, bei der die leider allmählich schrumpfende Schnitzelbankszene des Laufentals ihren festen Platz im Abendprogramm hat.
Pünktlich trudelten Les Chanterelles aus Kleinlützel ein. Mit ihren locker präsentierten Texten, die sie mit Mani Matter- und bekannten Schlagermelodien unterlegten, ernteten die beiden charmanten Damen in aktuellem Grün auf Anhieb Applaus und Sympathie. Die regionalpolitischen Aktualitäten studierten die beiden offenbar ebenso genau wie die Aktivitäten von Greta, Trump und Bundesrat.

S AKW isch abgstellt, oh yeah, oh yeah, oh yeah,
Mühleberg isch abgstellt, s’macht kei Atomstrom meh.
Zweimol uf ne Chnopf drucke, das isch gar nid schwer,
wenn’s doch nume bim Trump au so eifach wer!

Die zweiten im Dreierbunde der Schnitzelbänkler waren Raphi und Jölle, die etwas streng parfümiert und in bäuerlicher Arbeitskleidung als Sigi und Ferdi vom «hingere Büehl und dr vordere Schmiedi» auftraten. Sie beide kümmerten sich wenig um Welt- und Regionalpolitisches, dafür umso mehr um den bäuerlichen Alltag zweier lediger Bauern, die kein Detail ausliessen, um die hier anwesenden Landwirtschaftsbanausen in allen Facetten aufzuklären. Das Volk tobte, und die beiden kamen um ein, zwei Zugaben nicht herum.

Angus ir Pfanne isch e bsungeri Wonne.
Das gitt e feine Duft
au guet munde, kurz aabrennt vo unde.
Vom Brunvieh e zarti Huft
fürne feine Brote, mitre scharfe Note.
Chas e Simmetaler si
und zur Ehringer-Rippe passt e chreftigi Suppe
und e edle rote Wy.
Doch s’Bescht das isch Galloway!

Den Schluss der Bänkelsänger bestritten D’ Lumpesammler, die mit ihrem eingängigen Refrain auch gleich klar machten, woher sie stammen: «Jä nei hösch, dä chasch nid bringe, mir si vo Zwinge.» Mit ihrem stilechten Auftritt – edel in Larve und mit gemaltem Helgen zu jedem Vers und jeweils ein sauberer Vierzeiler, bewiesen die beiden, dass auch mit traditioneller Schnitzelbankkultur grossartige Vorträge gelingen.

Wenn i mini Rueh will ha, goht das nit dehei,
i gang i Zemp, dört bin i sicher immer ganz elei.
Im Stedtli ghört me säge, glaubt me all dem Gleschter,
bim Zemp, jä do isch immer alles früsch vo geschter.