Pratteln
Blockade gelöst: Landbesitzer in Salina Raurica einigen sich

Erst sprach man noch von «Salina Traurica». Jetzt kommt aber Bewegung in das Gebiet. Der Kanton und die Standortgemeinde Pratteln haben erreicht, dass sich alle Grundeigentümer des östlichen Teils von Salina Raurica dazu durchringen konnten, einer gemeinsamen Planung zuzustimmen. Ihr Einverständnis hat auch Roche gegeben.

Benjamin Wieland
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Die Investoren dürfen kommen: Mit diesen Flächen im Osten von Pratteln (hinten links: Der Ceres-Tower beim Bahnhof) kann der Kanton auf Werbetour gehen.

Die Investoren dürfen kommen: Mit diesen Flächen im Osten von Pratteln (hinten links: Der Ceres-Tower beim Bahnhof) kann der Kanton auf Werbetour gehen.

Kenneth Nars

Und Salina Raurica bewegt sich doch. Nach jahrelangem Stillstand geht es vorwärts mit dem wichtigsten Entwicklungsgebiet im Baselbiet. Der Kanton und die Gemeinde haben es zuwege gebracht, alle Grundeigentümer im östlichen Teil des Gebiets an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam die weiteren Schritte zu planen. Das teilte Pratteln am Donnerstag mit. Grösste Landbesitzerin ist die F. Hofmann-La Roche AG. Ihr gehört rund ein Viertel der 19 Hektaren Land, die noch nicht bebaut sind. Zudem liegen die Parzellen von Roche sehr zentral.

Dass sich Roche und die übrigen Grundeigentümer dazu bereit erklärt haben, ihre Parzellen für die weitere Planung freizugeben, ist der entscheidende Durchbruch bei Salina Raurica, denn in der Rheinebene zwischen Pratteln und Augst gestalten sich die Besitzverhältnisse als äusserst kompliziert. Insgesamt ist das Gebiet in 30 Parzellen zerstückelt, diese verteilen sich auf elf verschiedene Eigentümer, hinzu kommen diverse Baurechtsverträge. Zwar ist die Medienmitteilung, die Pratteln am verschickte, in nüchternem Ton gehalten. Dabei kann der erreichte Konsens nicht hoch genug eingeschätzt werden für die Wirtschaftsförderung des Kantons. Die Einigung stellt die Weichen dazu, dass das Land neu parzelliert und umgezont werden kann.

So wird es für den Kanton möglich, mit grossen, zusammenhängenden Parzellen auf Werbetour zu gehen, um Investoren anzulocken, damit diese in der Rheinebene investieren. Oder wie es Regierungsrat Thomas Weber im Zusammenhang mit der Wirtschaftsoffensive ausdrückte: Der Köder Salina Raurica soll auf dem Weltmeer dazu dienen, dass ein grosser Fisch ins Netz geht.

Nicht vergessen ist im Landkanton der Fall Biogen. Das Biotech-Unternehmen war in Europa auf der Suche nach einem Standort für eine neue Medikamenten-Produktionsanlage. Die US-Amerikaner entschieden sich Ende 2015 für das solothurnische Luterbach, wo seither mehrere hundert Arbeitsplätze entstanden sind, eine Milliarde wurde investiert. Dabei wäre das Life-Sciences-Cluster der Region Basel für eine derartige Ansiedelung prädestiniert gewesen.
Der Baselbieter Standortförderer Thomas Kübler sagte 2015 in einem bz-Interview, das Gebiet Salina Raurica sei damals für Investitionen in dieser Grössenordnung noch nicht parat gewesen. Man hätte Biogen rasch ein fixfertiges Angebot machen müssen – das war aber offensichtlich nicht der Fall.

Sechsmal der Friedhof Hörnli

Roche teilt der «Schweiz am Wochenende» mit, der Fokus der Arealentwicklung des Unternehmens liege in Basel und Kaiseraugst. Die Grundstücke in Salina Raurica würden für Roche eine strategische Landreserve bleiben, ein Verkauf oder Abtausch sei «aktuell nicht geplant». Trotzdem bringe man sich «gemeinsam mit den anderen Landeigentümern in den Planungsprozess ein».

Als Nächstes wird der Totalunternehmer Losinger Marazzi damit beauftragt, ein städtebauliches Verfahren aufzugleisen. Ziel ist es, mehrere Quartierpläne in einem flexiblen Verfahren zu erarbeiten. Danach wird die Baulandumlegung möglich.

Prattelns Gemeindepräsident, Stephan Burgunder, sagt, die Grösse und Komplexität des Gebietes würden eine partizipative Vorgehensweise erfordern. «Die Vorstellungen von Grundeigentümern, Politik, Bevölkerung müssen zusammengetragen und berücksichtigt werden. Dabei ist es für mich wichtig, dass die Grundeigentümer mit im Boot sind». Er bezeichnet die Baulandumlegung als «wahrscheinlich heikelste Phase». Die Gemeinde sieht vor, dass ein Teil des Gebiets für einen öffentlichen Park freigehalten wird, ebenso sind Wohnzonen vorgesehen, vor allem entlang des Rheinufers.

zvg

Die Dimensionen von Salina Raurica Ost sind immens. Das Gebiet erstreckt sich zwischen der Ara Rhein, der Autobahn 2, dem Prattler Längi-Quartier und dem Rhein (siehe Bild oben). Insgesamt misst der Projektperimeter 30 Hektar. Zum Vergleich: Der Friedhof Hörnli fände sechsmal darin Platz, der Zoo Basel immerhin dreimal.

Strasse muss woanders hin

Nach Roche gehören beim noch nicht bebauten Gebiet der Kanton und die Gemeinde zu den grössten Grundeigentümern. Ihnen gehören 40 Prozent der freien Flächen. Schon im September hat der Landrat der Verlegung der Rheinstrasse zugestimmt. Auch das war eine Bedingung, dass das Gebiet wie vorgesehen entwickelt werden kann.

Der Baselbieter Standortförderer Thomas Kübler schreibt auf Anfrage: «Wir streben Flächen für Firmen mit grösserem Platzbedarf an, aber auch Entwicklungsprojekte, wo sich Firmen in Büro-, Edelrohbau oder Flächen zur gemeinsamen Nutzung, sprich Co-Working, ansiedeln können.»

Kübler rechnet damit, dass das städtebauliche Verfahren und die Baulandumlegung mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen werden. Als zentralen Eckwert für die Ansiedelungsprojekte bezeichnet Kübler die neue Rheinstrasse, er geht davon aus, dass sie wohl um das Jahr 2023 in Betrieb geht.

Die Standortförderung werde die nächsten Schritte eng begleiten, kündigt Kübler an. «Wir gleichen den Projektstand laufend mit den Anfragen von Firmen ab, um einen Match von Angebot und Nachfrage auf dem Gebiet Ost so rasch wie möglich herstellen zu können.» Einen zweiten Fall Biogen soll es im Baselbiet also nicht mehr geben.