Tram
BLT und BVB streiten sich um 250 Meter Schiene am Basler Margarethenstich

Der Basler Margarethenstich führt zu neuen Partnerschaftskonflikten. Offen ist, wer die lukrative Linie betreiben darf. Politiker ärgern sich, dass sich das Bauprojekt verzögert.

Iso Ambühl
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Noch fehlen hier die Gleise: 2015 soll am Margarethenstich eine neue Tramverbindung entstehen.

Noch fehlen hier die Gleise: 2015 soll am Margarethenstich eine neue Tramverbindung entstehen.

Nicole Nars-Zimmer

Die Beziehungen zwischen den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB) und der BLT Baselland Transport AG haben einem Tiefpunkt erreicht. Grund ist ein neues, nur 250 Meter langes Gleisstück am Basler Margarethenstich: Ab 2015 wollen die beiden Basel dort für rund 20 Millionen Franken eine neue Verbindung zu den Gleisen an der Margarethenstrasse bauen. Tramfahrende aus dem Leimental sollen dadurch rund fünf Minuten schneller zum Bahnhof SBB gelangen. Von dort fährt die Linie weiter über Wettsteinplatz und Messe bis zum Badischen Bahnhof.

BLT oder BVB?

Die Gretchenfrage ist: Wer betreibt die neu geführte Tramlinie – die BLT oder die BVB? Immerhin enthält die Verbindung vom Bahnhof SBB bis zum Messeplatz einen Streckenabschnitt mit hohem Aufkommen an Fahrgästen, was lukrativ ist. Das Gerangel der Verkehrsbetriebe ist entsprechend gross. Für BLT-Direktor Andreas Büttiker ist klar: «Die BLT wird die Einsatzlinie 17 über den Margarethenstich fahren», wie er gegenüber der «Schweiz am Sonntag» sagt.

«Visitenkarte des öffentlichen Verkehrs»

Entschieden anderer Meinung ist BVB-Verwaltungsratspräsident Martin Gudenrath. «Die stark frequentierte Strecke vom Bahnhof SBB bis zur Messe ist eine Visitenkarte des öffentlichen Verkehrs», sagt er. Ein Verzicht seiner BVB liegt für Gudenrath nicht drin. Er schlägt einen Kompromiss vor: «BVB und BLT könnten die neue Linie gemeinsam betreiben, was gemäss Staatsvertrag der beiden Kantone möglich ist.» Ökonomisch mache das Sinn, sagt Gudenrath: «Ein Tram, das fährt, ist ertragswirksam, während eines, das im Depot steht, nur kostet.»

Doch Büttiker bleibt bei seiner Haltung. Er begründet dies damit, dass die bisherige BLT-Einsatzlinie 17 künftig neu über den Margarethenstich zum Badischen Bahnhof statt wie heute zum Wiesenplatz fahre. Es ändere sich somit nur die Linienführung. «Wir benötigen deshalb gleich viel Rollmaterial, Depotkapazitäten und Personal», sagt Büttiker.

«Schrott-Trams»

Ein Trumpf von Gudenrath ist, dass die BVB beim vorgesehenen Start der neuen Paradelinie 2017 über ihre neuen Flexity-Trams mit 100-prozentigen Niederflurwagen verfügen. Die BLT dagegen will ihre alten Schindler-Sänftetrams einsetzen. «Wir haben diese in den letzten Jahren einem umfangreichen Retrofitprogramm mit Kosten von 1,3 Millionen Franken pro Tramzug unterzogen», wehrt sich Büttiker. Der Basler Basta-Grossrat Urs Müller spricht trotzdem von «Schrott-Trams» und wundert sich überdies, dass die BLT stets von einer Einsatzlinie spricht, die nur zu den Hauptverkehrszeiten (6.30 bis 8.30 Uhr; 16 bis 19 Uhr) fahren soll: «Im Bericht der grossrätlichen Uvek-Kommission wird von einer Ganztageslinie gesprochen.» Büttiker kontert, dass sich der Betrieb einer Ganztageslinie nicht rechtfertige: «Die Linie 10 verfügt im Leimental unter Tag noch über eine Kapazitätsreserve von rund 100 Prozent.» Ein Ausbau zu einer Ganztageslinie sei jedoch etappenweise möglich und vorgesehen.

Über 1 Million Franken im Jahr

Der Streit um das Margarethenstich-Projekt erstaunt nicht. Schon seit Jahren stellt sich die Aktiengesellschaft BLT kostengünstiger als die öffentlich-rechtliche Anstalt BVB dar, die zum Beispiel punkto Löhne an das staatliche Personalstatut gebunden ist. Für Grossrat Müller zeigt das Beispiel des Margarethenstichs, wie die BLT vorgehe: Sie wolle Kosten sparen, indem sie nur eine Einsatzlinie plane. Und wenn sie die alten Trams weiterhin betreiben könne, sei dies lukrativ, weil die BLT sie so in den Büchern länger abschreiben könne, was alles in allem über eine Million Franken im Jahr bringe.

Ausgleichszahlungen von Baselland

Tatsache ist, dass die städtischen Streckenabschnitte der BLT ertragsreicher sind als diejenigen der BVB auf Baselbieter Boden. Darum sieht der Staatsvertrag von 1982 Ausgleichszahlungen von Baselland vor. Büttiker stellt in Aussicht, dass die BLT gemäss Staatsvertrag die durch die Linienänderung am Margarethenstich zusätzlichen Verkehrserträge im Stadtkanton an Basel oder falls gewünscht auch an die BVB zuhalten werde. Gudenrath kontert, dass die versprochenen Beiträge nur die entgangenen Erträge der BVB stopfen würden, während sich ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis weiter verschlechtere und sie so künstlich teurer werde.

Projekt verzögert sich weiter

Wünschbar wäre, dass Bauprojekt und Betriebskonzept vorlägen. Doch das Margarethenstich-Projekt verzögert sich weiter. «Nach derzeitigem Terminplan» werde die Vorlage nach der Sommerpause in der Regierung behandelt, sagt Jane Hahn, Projektleiterin im Basler Baudepartement. Das dauert Basta-Grossrat Müller zu lange. Er hat eine Interpellation eingereicht. Darin fragt er, was die Problempunkte seien, dass weder in Baselland noch in Basel-Stadt eine Vorlage zum Margarethenstich vorliege. Müller will auch wissen, ob die Uneinigkeiten auf Unklarheiten bei der Auslegung des Staatsvertrags beruhten. Dieser wird derzeit auf Wunsch des finanzknappen Basellands neu verhandelt.