Bottmingen
Bottmingen soll noch lange ein Steuerparadies bleiben

Im Baselbiet schrillen die Alarmglocken: Eine Gemeinde nach der anderen schreibt rote Zahlen, Sparpakete werden geschnürt und Steuern angehoben. Doch ein Dorf im Leimental stemmt sich gegen diesen Trend - das Steuerparadies Bottmingen.

Michael Nittnaus
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Am Bruderholzhügel von Bottmingen reiht sich Villa an Villa. Hier wohnen die Steuerzahler, dank denen es der Gemeinde gut geht.

Am Bruderholzhügel von Bottmingen reiht sich Villa an Villa. Hier wohnen die Steuerzahler, dank denen es der Gemeinde gut geht.

Kenneth Nars

«Die Finanzlage der Gemeinde Bottmingen kann als sehr gesund bezeichnet werden», schreibt der Gemeinderat in seinem Kommentar zum Budget 2014, das er der Gemeindeversammlung am 9. Dezember vorlegen wird. Im Gegensatz zum Nachbar Binningen gibt es auch keinerlei Anlass, die Steuern zu erhöhen. Mit einem Steuerfuss für natürliche Personen von 42 Prozent ist die Gemeinde die attraktivste im Kanton.

Keine Angst vor Wegzügen

«Das Steuerparadies wird noch lange Bestand haben», sagt Jean-Daniel Keller. Der Präsident der Finanz- und Rechnungsprüfungskommission äussert sich gegenüber der bz als Wirtschaftsprüfer und Bottminger Bürger zur finanziellen Lage – und gerät ins Schwärmen: «Schon von der geografischen Lage her sind wir an Attraktivität kaum zu schlagen. Der Steuersatz ist dann ein weiteres Argument.» Tatsächlich scheint diese Kombination noch deutlich stärker zu wirken als etwa bei Binningen. Dieses hatte in den vergangenen Jahren Steuereinbussen in Millionenhöhe zu verkraften, weil gewichtige private Steuerzahler pensioniert wurden oder wegzogen. «Wir haben noch exklusivere Wohnlagen», sagt Hanspeter Weibel voller Überzeugung. Der Bottminger SVP-Landrat glaubt deshalb, dass immer wieder neue wohlhabende Personen herziehen und eventuelle Einbussen kompensieren werden.

Erfreut hat Weibel zudem registriert, dass der Baselbieter Finanzdirektor Anton Lauber die kantonalen Vermögenssteuern senken möchte. Dies sei öfter der Grund für Wegzüge gewesen. «Mit unserem tiefen Steuerfuss konnten wir das nur teilweise abfedern», sagt Weibel.

Das ist auch nötig, denn Bottmingen ist fast komplett von den Steuereinnahmen natürlicher Personen abhängig: 2014 rechnet die Gemeinde dort mit rund 22 Millionen Franken, bei den juristischen Personen hingegen bloss mit knapp 600'000 Franken. Und das Risiko steigt noch wegen etwas anderem: «Wir haben durchaus ein Klumpenrisiko. Wenige Einzelpersonen generieren einen Grossteil der Steuereinnahmen», sagt der Präsident der Bottminger FDP, Beat Flury. Für ihn ist deshalb klar, dass «wir uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen dürfen».

Pensionskasse kein Problem mehr

Ganz in seinem Sinne ist deshalb die Bottminger Investitionsplanung 2015 bis 2018. Diese verplant Millionen in die Sanierung oder den Neubau von Primarschulen und Kindergärten sowie in die Schaffung von Tagesschulangeboten. «Das macht uns gerade für Familien noch attraktiver», sagt Flury. Diesen Investitionen begegnet Weibel eher kritisch: «Die Ausgabenseite stellt für uns ein grösseres Risiko dar als die Einnahmen.»

Das bestätigt auch Gemeindeverwalter Martin Duthaler: «Die Ausgabenseite ist grösstenteils nicht direkt von der Gemeinde steuerbar und es kann zu unvorhersehbaren Kostenentwicklungen kommen.» Er tritt zumindest ein bisschen auf die Euphoriebremse, wenn er daran erinnert, dass die Jahresrechnungen 2011 und 2012 ein Defizit aufwiesen. Auch für 2013 sei damit zu rechnen. Die Erklärung dafür ist allerdings positiv: Bottmingen hat insgesamt zwölf Millionen Franken für die Ausfinanzierung der Deckungslücke der Basellandschaftlichen Pensionskasse zurückgestellt. «Im Vergleich zu anderen haben wir unsere Hausaufgaben gemacht», sagt auch Keller nicht ohne Stolz. Gemeinderätin Mélanie Krapp weiss dagegen ganz genau: «Es gehört sicher auch eine Portion Glück dazu.»