Baselbiet
Bottmingen will drei Wohnblöcke statt Tennisplätze am Waldrand

Ein Acker auf der Waldlichtung Pfaffenrain soll drei Neubauten weichen. Der Gemeinderat hält die Umzonung für rechtens, weil der Flächenbedarf pro Person steigt und weil Bottmingen im Bezirk Arlesheim überdurchschnittlich dicht bewohnt ist.

Michel Ecklin
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Der Acker Pfaffenrain (Bildmitte) ist heute eine Sportzone, faktisch aber eine Grünfläche. Nach dem Willen des Gemeinderats wird dort bald gewohnt.

Der Acker Pfaffenrain (Bildmitte) ist heute eine Sportzone, faktisch aber eine Grünfläche. Nach dem Willen des Gemeinderats wird dort bald gewohnt.

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Auf der Lichtung Pfaffenrain in Bottmingen rennt des Öfteren ein Reh durch. Manche Anwohner wollen auch schon eine grunzende Wildschweinherde gesehen haben. Das ist durchaus denkbar, denn der 8819 Quadratmeter grosse Acker ist auf dreieinhalb Seiten umgeben von Wald, der zudem Naturschutzgebiet ist.

Doch die Wildtiere sind nicht zonenplankonform. Eigentlich sollte man dort Tennis spielen, das sieht der Zonenplan aus dem Jahre 1981 vor. Doch weil dieser nie umgesetzt wurde, soll jetzt ein Quartierplan eine Wohnüberbauung erlauben. Der private Grundbesitzer plant drei Blöcke mit vier bis sechs Stockwerken. Mit dem Quartierplan soll die Umzonung von der Sport- in eine Wohnzone geschehen – was allerdings juristisch nicht ganz einfach ist. Der Kanton lässt Erweiterungen der Wohnbauzonen nämlich nur unter bestimmten Bedingungen zu. Das Baselbieter Amt für Raumplanung hat diesbezüglich eine Reihe von Fragen an den Gemeinderat gestellt, die dieser aber in seinem Bericht zum Quartierplan beantwortet und damit für erledigt hält.

So fordert der Kanton für die Schaffung von neuem Bauland gemäss Gesetz einen Bedarfsnachweis. Dem entgegnet der Gemeinderat mit einer Rechnung. Würden die Bottminger Baulandreserven im gleichen Tempo wie bisher überbaut, könnte man das Wachstum im gut erschlossenen Unterbaselbiet nicht angemessen mittragen, nämlich nur mit rund 40 anstatt 50 neuen Bewohnern pro Jahr. Deshalb brauche es neues Bauland. Weiter muss eine Gemeinde vor einer Umzonung nachweisen, dass in den bereits bestehenden Wohnzonen das Potenzial ausgeschöpft wurde.

Bottmingen argumentiert, es brauche neue Wohnflächen, um die Einwohnerzahl zu halten – weil der Flächenbedarf pro Person steigt und weil Bottmingen im Bezirk Arlesheim überdurchschnittlich dicht bewohnt ist. Der Gemeinderat räumt ein, dass in Bottmingen Bauland gehortet werde, wirft den Ball aber den beiden Basler Kantonen weiter. Diese zeigten nämlich wenig Anzeichen, ihre vielen Landreserven in Bottmingen zu verwerten.

Der Gemeinderat vergleicht zudem die ökologischen Auswirkungen der Tennisplätze mit denjenigen der drei geplanten Blöcke. Letztere würden zwar etwas mehr Platz beanspruchen, aber es entstehe Wohnraum für 120 Personen. «Der funktionale Wert des Areals nimmt für die Gemeinde also deutlich zu, während ähnlich viel Fläche wie bisher der Ökologie erhalten bleibt.» Wie der Grünraum rund um die drei Blöcke zu verwenden ist, wird im Quartierplan exakt beschrieben. So ist eine stufige Begrünung zum Wald hin Vorschrift, Nebengebäude sind nur beschränkt erlaubt.

Reinach lehnte ab

Ob die Bottminger Stimmberechtigten den Argumenten ihres Gemeinderats folgen, wird sich an der Gemeindeversammlung zeigen. Sie hat nämlich das letzte Wort zum Quartierplan Pfaffenrain. Dieser erinnert an den Buechlochpark in Reinach, wo in einer ähnlichen Waldlichtung auch Blöcke hätten entstehen sollen, ebenfalls in der Nähe eines Naturschutzgebiets. Allerdings befand sich das Gelände bereits in der Bauzone, es ging nur noch um die Art der Bebauung. Im Mai 2014 lehnte das Volk den Quartierplan an der Urne deutlich ab.

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