Spitäler
Bruderholz-Gegner werfen dem Pro-Lager Schummeleien bei den Zahlen vor

Vor der Abstimmung über die Zukunft des Bruderholzspitals wird der Ton zunehmend rauer. Das Gegenkomitee beschuldigt die Initianten, mit falschen Zahlen zu operieren.

Benjamin Wieland
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Das Bruderholzspital steht im Zentrum der Debatte.

Das Bruderholzspital steht im Zentrum der Debatte.

Martin Töngi

Am 21. Mai entscheidet das Baselbieter Stimmvolk über die Zukunft des Bruderholz-Spitals. Das Komitee «Ja zum Bruderholz-Spital» scheint beim Plakatieren die Nase vorn zu haben: Zumindest im Leimental hängen deutlich mehr Ja- als Nein-Plakate. Doch das Gegenkomitee hat nun zu einem harten Schlag ausgeholt – er könnte die Pro-Bruderhölzler bis ins Mark treffen.
Ihnen wird vorgeworfen, falsche Behauptungen zu verbreiten. Das schreibt das Gegenkomitee «Fass ohne Boden» in einer am Dienstag verschickten Medienmitteilung mit dem Titel «Dichtung und Wahrheit». Es geht um die Kosten des Bruderholz-Spitals, also um eines der Hauptargumente, welche die Bruderholz-Initianten stets ins Feld führen. Sie argumentieren, es käme teurer für den Kanton Baselland, wenn sich seine Einwohner künftig in einer Einrichtung in Basel-Stadt operieren lassen würden statt im Bruderholz-Spital. Denn die stätischen Spitäler seien zumindest bei stationären Leistungen im Schnitt deutlich teurer als das Kantonsspital Baselland (KSBL), etwa das Universitätsspital (USB).
Alles gar nicht wahr, heisst es nun vom Gegenkomitee «Fass ohne Boden». Unter dem Strich würde es für den Kanton sogar günstiger kommen, wenn sich Bruderholz-Patienten in der Stadt behandeln liessen. Bereits heute sei das so: Die Kosten bei der Behandlung von Patienten aus dem Bezirk Arlesheim seien in Basel «allesamt tiefer und nicht höher».

Hohe Basiskosten am KSBL

Als Beleg werden die Baserates der Spitäler in den beiden Basel angeführt. Das Gegenkomitee folgert: «Wenn ein Unterbaselbieter sich in Basler Privatspitälern behandeln lässt statt im Bruderholz, spart der Kanton Baselland.»

Das sei sogar beim Universitätsspital der Fall. Denn obwohl es eine höhere Baserate aufweise als das KSBL, komme es unter dem Strich günstiger. Das werde deutlich, wenn man das Defizit, welches das Bruderholz-Spital im vergangenen Jahr erwirtschaftet habe, durch die Zahl der stationär behandelten Patienten dividiere. So resultiere ein Fehlbetrag von durchschnittlich 2'250 Franken. Wer korrekt rechne und die hohen Defizite im Bruderholz-Spital berücksichtige, erkenne also, dass für den Kanton Baselland eine Behandlung im Unispital letztlich nicht teurer sei.

Die Baserate wird für jede Einrichtung separat berechnet. Mit dem Wert kann man die Kosten vergleichen, die eine bestimmte medizinische Leistung in verschiedenen Institutionen verursacht. Für die Kantone ist die Baserate von Belang, weil sie sich – das schreibt das Krankenversicherungsgesetz vor – mit 55 Prozent an stationären Untersuchungen und Behandlungen beteiligen müssen. Geht eine Person also in ein Spital mit einer höheren Baserate, kostet das folglich den Wohnsitz-Kanton mehr Geld.
Für die Bruderholz-Abstimmung ist die Baserate entscheidend, weil der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber beabsichtigt, dass am Bruderholz keine planbaren stationären Eingriffe mehr vorgenommen werden. Stattdessen soll das Hölzli zur Tagesklinik mit Reha, Orthopädie und Notfall-Permanence werden. Die Initiative will den Status quo beibehalten.

Initianten behaupten Gegenteil

Das Initiativkomitee stellte am Dienstag auf Anfrage eine Stellungnahme zu den Vorwürfen in Aussicht. An der Medienkonferenz vom 4. April kritisierte es bereits die Auswirkungen der Patientenfreizügigkeit zwischen den beiden Basel. Auch ihretwegen würden sich die Gesundheitskosten im Baselbiet nach oben bewegen.
Und auf der Komitee-Webseite heisst es, es würden sich eindeutig keine Sparmöglichkeiten ergeben «durch die Verschiebung von Patienten in teurere ausserkantonale Spitäler». Ausserdem würde ein Abbau am Bruderholz den Kanton nicht entlasten – es seien im Gegenteil «noch höhere Kosten» zu erwarten.

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