Nachtflüge
Brutschin: Lärmgegner ziehen falschen Vergleich heran

Die Nachtsperre des Zürcher Flughafens ist nicht so streng, wie viele Basler meinen. In Zürich sei nicht nämlich um 23 Uhr Schluss. Das sagt nun der Basler Regierungsrat und Euro-Airport-Verwaltungsrat Christoph Brutschin.

Andreas Maurer
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Nicht nur bei der Luminator-Einweihung setzt sich Christoph Brutschin für den Euro-Airport ein.

Nicht nur bei der Luminator-Einweihung setzt sich Christoph Brutschin für den Euro-Airport ein.

Keystone

In der emotional geführten Nachtflugdebatte verweisen die Lärmgegner gerne auf die in Zürich vor einem Jahr eingeführte Regelung. «Bei uns hält sich die Aussage, dass in Zürich um 23 Uhr Schluss ist», sagt der Basler Regierungsrat und Euro-Airport-Verwaltungsrat Christoph Brutschin, «doch das stimmt nicht.»

Am Basler Euro-Airport ist offiziell erst um 24 Uhr Betriebsschluss. Doch auch in Zürich mit einer Nachtruhe ab 23 Uhr kommt der Himmel in der Stunde vor Mitternacht nicht zur Ruhe. «In Glattbrugg (ZH) wurden zwischen 23 und 23.30 Uhr Lärmwerte bis 77 Dezibel gemessen», weiss Umweltdirektor Brutschin.

Das hat einen einfachen Grund: Die Zürcher Nachtflugsperre verlangt nur, dass für die halbe Stunde nach 23 Uhr keine Flüge eingeplant werden. Erlaubt ist aber, dass in dieser Zeit Verspätungen abgebaut werden. Diese sind theoretisch in unbegrenzter Zahl möglich. Das führt dazu, dass manchmal in der halben Stunde nach 23 Uhr mehr Flugbewegungen stattfinden als zuvor. Die offizielle Statistik des Zürcher Flughafens zeigt: Im letzten Jahr sind nach Einführung der Nachtflugsperre durchschnittlich 155 Linienflugzeuge zwischen 23 und 23.30 Uhr gelandet oder gestartet. «Wir kalkulieren keine Verspätungen ein», wehrt Flughafen-Sprecher Marc Rauch entsprechende Bedenken ab.

Nachtflugsperre mit Ausnahmen

Einen Grund für die vielen Nachtflüge in der Statistik sieht der Zürcher in einem «unvorhersehbaren Wetterereignis»: der starke Schneefall im Dezember. In Basel war der Euro-Airport geschlossen, die Zürcher sind weiter geflogen – auch nachts. Das lässt die Zürcher Nachtflugsperre ebenfalls zu.

Nach 23.30 Uhr sind auch weitere Ausnahmen erlaubt: Nicht nur Such- und Rettungsflüge, sondern auch Luftfahrzeuge des Bundes mit diplomatischer Bewilligung dürfen landen und starten. Für hohe ausländische Staatspersonen kennt das Gesetz ebenfalls keine Nachtruhe. Die Zürcher Statistik bestätigt, dass während der gesamten Sperrzeit bis in die frühen Morgenstunden immer wieder Flugzeuge landen und starten. Das zeigt, dass sich die Fluglärmgegner der Region Basel keine zu grossen Hoffnungen machen dürfen.

Falls etwa die letzte Woche vom Baselbieter Landrat überwiesene Petition für eine Nachtflugsperre ab 23 Uhr irgendwann Wirkung zeigen sollte, werden wohl auch in der verlängerten Sperrzeit diverse Flugzeuge die Nachtruhe sensibler Gemüter stören.

Insgesamt starten und landen in Zürich mehr Flugzeuge in der Stunde vor Mitternacht als in Basel, obwohl an der Limmat genau zu dieser Zeit eigentlich keine Flüge geplant sind. In Zürich werden in der Stunde vor Mitternacht 184 Flüge pro Monat registriert, in Basel sind es 171.