Entlastungspaket
Büffeln statt Lagerleben: Lehrer sehen Schulreisen in Gefahr

Die Baselbieter Lehrer sind ratlos – und wütend: Wegen den Sparmassnahmen befürchten sie, dass bei der geforderten zusätzliche Pflichtlektion pro Woche, andere wichtige Bereiche zu kurz kommen. Schlimmstenfalls werden Schulreisen und Lager gestrichen

Michael Nittnaus
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An Baselbieter Sekundarschulen und Gymnasien könnte an Schulreisen gespart werden, da die Fachlehrer überlastet sind.

An Baselbieter Sekundarschulen und Gymnasien könnte an Schulreisen gespart werden, da die Fachlehrer überlastet sind.

Keystone

Das leichte Gefühl eines Déjà-vus überkommt einen: Die Resolution, welche die Amtliche Kantonalkonferenz der Baselbieter Lehrerschaft (AKK) jüngst an ihrer Delegiertenversammlung verabschiedet hat, wehrt sich gegen dieselben Massnahmen des Entlastungspaketes, die schon Ende 2011 von den Lehrern - erfolglos - bekämpft wurden. «Es gibt tatsächlich keine neuen Argumente», gibt denn auch AKK-Präsident Ernst Schürch gegenüber der bz zu.

Für jede Schule eine eigene Lösung

Noch immer stossen sie sich an der zusätzlichen Pflichtlektion für Fachlehrer der Sekundarschulen, der Gymnasien und der Berufsfachschulen, die der Landrat mit dem Entlastungspaket Ende 2011 beschlossen hatte. Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied: Es geht nicht mehr darum, die Massnahme, die diesen Sommer für drei Jahre in Kraft tritt, zu verhindern. «Die Sache ist beschlossen und das akzeptieren wir», sagt Schürch.

Nun geht es um die konkrete Umsetzung: Sämtliche Schulen hätten sich intensiv damit auseinandergesetzt, wie die Fachlehrer bei gleichbleibender Jahresarbeitszeit eine Lektion pro Woche länger vor der Klasse stehen können. Und das ohne das Minimum an Schulentwicklung, Administration, Teamaufgaben und Arbeit mit Eltern und Schülern ausserhalb des Unterrichts zu gefährden. Schürch: «Keine einzige Schule hat bisher eine Lösung gefunden.»

In der Resolution an Regierung, Landrat und Bildungsdirektion fordert die AKK einerseits, die zusätzliche Lektion tatsächlich wie vorgesehen nach drei Jahren wieder zu reduzieren und andererseits, «den Schulen aufzuzeigen, wie adäquate Reduktionen in den Bereichen Schulentwicklung und Eltern-Schüler-Beratung im Berufsauftrag umgesetzt werden können».

Falls die Politik keine Vorschläge mache, so erhoffe sich die AKK wenigstens, dass sie anerkennt, dass die Massnahme für viele Fachlehrer eine Lohnreduktion oder mehr Jahresarbeitszeit bedeute. SVP-Landrätin Caroline Mall, die in der Bildungskommission sitzt und in Reinach Schulrätin ist, zeigt zwar - vor allem wegen der Belastung durch Harmos - Verständnis für die Lehrer, sagt aber: «Jetzt müssen sie eben kreativ und proaktiv denken.»

Wie sich die Sparmassnahme konkret auf den Schulalltag auswirken wird, ist noch offen. Bildungsdirektor Urs Wüthrich: «Die Schulleiterkonferenz hat es behandelt, kam allerdings zu keinem einheitlichen Resultat.» Dies liege an den diversen Schulkulturen. Das weiss auch Schürch: «Es ist Aufgabe der Schulräte, demnächst zu informieren, was sich die jeweilige Schule nicht mehr leisten kann.»

Laufzeit könnte gekürzt werden

Für ihn ist klar, dass es Aktivitäten ausserhalb des Schulzimmers treffen wird: «Es könnte Schulreisen, Lager, Exkursionen und Blockwochen treffen, da dort oft ein Fachlehrer mitkommt. Dieser muss seine knappe Zeit nun vielleicht anders nutzen.» Die Bemerkung missfällt Mall: «Da drückt man bewusst auf den emotionalen Knopf.» Dies gehöre in die Kategorie Schmollen. Wüthrich sagt trocken: «Schulreisen gehören zur Unterrichtszeit, sind also nicht betroffen.»

Für Schürch nicht zur Diskussion stehen Kürzungen bei Elterngesprächen oder der persönlichen Weiterbildung. Letzteres sei wegen Harmos unabdingbar. Dem stimmt auch Wüthrich zu. «Das Wichtigste ist, dass die Schüler nicht darunter leiden», betont er. Dass nun die Politik neue Vorschläge macht, glaubt er kaum, schliesslich seien die Schulen teilautonom und selbst für die Umsetzung verantwortlich. Mall hingegen überrascht mit einem Vorschlag: «Wenn die Folgen der Massnahme ausarten, stelle ich vielleicht einen Antrag, die Laufzeit zu kürzen.» Wüthrich ist skeptischer: «Wenn die Schulen keine Lösung finden, wer denn sonst?»