Festakt
Carl Spitteler verhilft Liestal zu Glanz – Bundesrat Alain Berset eröffnete das Jubiläumsjahr

Bundesrat Alain Berset war am Donnerstag Ehrengast an der Feier in Erinnerung an den Liestaler Dichter Carl Spitteler, der vor 100 Jahren den Literaturnobelpreis erhalten hat.

Andreas Hirsbrunner
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Carl Spitteler-Festakt in Liestal
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Carl Spitteler-Festakt in Liestal

Juri Junkov

Lange sah es nach einem Desaster aus: Da standen am Donnerstagabend Abend Liestal und sein berühmtester Bürger, Literaturnobelpreisträger Carl Spitteler, zum hundertjährigen Jubiläum der Preisvergabe im nationalen Schaufenster, alles war angerichtet für ein grosses Volksfest auf der Rathausstrasse – und es schneite und regnete. Doch gerade noch rechtzeitig schlossen sich die Himmelsschleusen und die Strasse füllte sich zusehends mit Leuten.

Und als Bundesrat Alain Berset auf der Bühne vor dem Rathaus mit nachdenklichen und launigen Worten zu Spittelers wichtiger Rolle als politisch agierendem Dichter bis zur Würdigung des Baselbieter Staatsweins das Publikum in seinen Bann zog, da war das Eis trotz Kälte gebrochen für einen gelungenen, mit Informations-, kulinarischen und musikalischen Häppchen durchsetzten Open Air-Anlass unter dem Motto «Abendgesellschaft bei Spittelers».

Spitteler war Kitt für die Schweiz

Eingeläutet wurde das Spitteler-Jubiläumsjahr vor dem Volksfest in der proppenvollen Stadtkirche. Auch hier stand Bundesrat Berset im Mittelpunkt. Dieses Mal mit einer engagierten Rede. Dabei stellte er weniger Spittelers dichterisches Wirken – «er ist trotz Nobelpreis der grosse Unbekannte der Schweizer Literatur- und Geistesgeschichte» – in den Mittelpunkt, als sein politisches Wirken. Konkreter seine Rede «Unser Schweizer Standpunkt», die Spitteler zu Beginn des Ersten Weltkriegs in einer aufgeheizten Atmosphäre hielt. Berset: «Das war eine hoch politische Rede, denn Spitteler stach mit ihr in ein Wespennest. Und es war gleichzeitig eine tiefenpolitische Rede, denn in ihr spürt Spitteler dem Identitätskern unseres Landes nach.»

Dieser Kern, zu dem Berset als wichtiges Element die Wertschätzung der sprachlichen und kulturellen Vielfalt des Landes zählt, war damals gefährdet. Denn die Deutschschweizer sympathisierten mit den Deutschen und die Romands mit den Franzosen. Spitteler habe realisiert, dass sich unser Land in einer gefährlichen Situation befunden habe und für Neutralität und dafür plädiert, in erster Linie die Miteidgenossen als Brüder wahrzunehmen. Damit habe er Zivilcourage bewiesen.

Dass Spitteler heute vielen als biederer Patriot gelte, sei ungerecht. Denn gerade seine Rede zeuge von Weltläufigkeit. Und er habe sich als politisch nicht Aktiver genau dann engagiert, als es die Umstände erforderten, meinte der Bundesrat und spann den Faden in die Gegenwart. Gerade in Zeiten, in denen Demokratien unter Druck stünden, sei es entscheidend, ob man sich – still oder wortreich – wegducke oder etwas tue.

Auch Literatur-Professor Philipp Theisohn knüpfte an Spittelers berühmter Rede an und meinte: «Spitteler hat die Kunst der Neutralität zu einer nationalen Aufgabe erklärt.» Dabei habe er einiges von dem vorweggenommen, was später von Max Petitpierre bis zu Micheline Calmy-Rey zu den Leitlinien einer aktiven Neutralitätspolitik avanciert sei.

Regierungsrätin Monica Gschwind, die Spitteler als «komplexe Persönlichkeit» bezeichnete, ging auf dessen Jugendjahre in Liestal und das umfangreiche Spitteler-Jubiläumsangebot im Baselbiet ein. Und der Liestaler Stadtpräsident Daniel Spinnler nutzte Spitteler-Zitate zu einem Werbespot für Liestal und Spittelers «Schweizer Standpunkt» für ein Plädoyer, Frühfranzösisch an den Schulen zu priorisieren. Denn das sei eine wichtige Voraussetzung für das gegenseitige Verständnis.