Deponien
Chemiemüll hält Region Basel auf Trab – «Belastete Böden haben wir im Kanton einige»

Im Südelsass, im Baselbiet oder im Landkreis Lörrach stehen Sanierungen an. An einigen muss sich Basel-Stadt finanziell beteiligen.

Peter Schenk
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Rechtliche Auseinandersetzungen gibt es in Grenzach bei dem Teil der Kesslergrube, den BASF sanieren muss.

Rechtliche Auseinandersetzungen gibt es in Grenzach bei dem Teil der Kesslergrube, den BASF sanieren muss.

Roland Schmid

Wenn es mit der Sanierung der Deponie Feldreben im Muttenzer Hardwald losgeht, wird auch Basel-Stadt in die Tasche greifen müssen. Dies ist laut Matthias Nabholz, Leiter des Basler Amts für Umwelt und Energie (AUE), überall dort der Fall, wo der Kanton Abfälle gelagert hat. «Das sind vor allem Schlacken der Kehrrichtverbrennungsanlage.» In Muttenz betrifft das auch noch die Deponie Rothausstrasse.

Zu den beiden genannten kommt im Baselbiet der Margelacker hinzu, ebenfalls in Muttenz. Alle drei sind Siedlungsabfalldeponien, in denen zu ein bis zwei Prozent auch Abfälle der chemischen Industrie abgelagert worden seien, teilt Yves Zimmermann, Leiter des Baselbieter AUE, mit.

Für die Deponie Feldreben hat das Baselbieter AUE 2016 eine Sanierungsverfügung erlassen. Dagegen sind zwei Beschwerden hängig. Deshalb wird die Deponie bis zum Beginn der Sanierung überwacht. Rothausstrasse und Margelacker müssten, so das AUE, nicht saniert, sondern nur überwacht werden. Die Überwachungen laufen seit 2010.

Klagen gegen BASF-Pläne

Rechtliche Auseinandersetzungen wie bei Feldreben gibt es auch in Grenzach bei dem Teil der Kesslergrube, den BASF sanieren muss. Die Firma hatte sich im Unterschied zu Roche entschieden, das belastete Erdreich nicht auszuheben, sondern eine unterirdische Dichtwand mit einer Oberflächenabdichtung zu erstellen und ein Entwässerungssystem einzurichten.

Die deutschen Behörden haben dies zwar genehmigt, aber die Gemeinden Grenzach-Wyhlen, Muttenz, Riehen und der deutsche Umweltverband Bund klagen dagegen. Die Klage wurde im Oktober 2017 beim Verwaltungsgericht Freiburg eingereicht. BASF rechnet mit einem Entscheid frühestens Ende 2018 und will erst mit der Sanierung beginnen, wenn dieser gefallen ist.

Die Sanierung der elsässischen Deponien Le Letten und Roemisloch haben BASF, Novartis und Syngenta gemeinsam geregelt. Sie haben sich dafür in der Interessensgemeinschaft IG DRB zusammengeschlossen. Aushub und Wiederherstellung des Geländes sind abgeschlossen. «Derzeit befinden sich beide Deponien in der Nachsorge-Phase. Mit den zuständigen französischen Behörden wurde vereinbart, während vier Jahren mit den halbjährlichen Grundwasseranalysen weiterzufahren», teilt die Medienstelle der IG DRB mit.

Basel muss im Elsass zahlen

Der Kanton Basel-Stadt wird sich laut AUE auch an den Kosten der Sanierung von Gravière Nord beteiligen müssen. Die Deponie befindet sich unterhalb der Camion-Zollanlage Saint-Louis/Basel Autobahn und war eine ehemalige Kiesgrube. Die Vereinbarung, auch das Baggerloch in Hésingue mit 40 Prozent der Kosten mit zu sanieren, ist nach Einschätzung von Nabholz verjährt.

Mit fremdem Müll muss sich Novartis herumschlagen. Noch bis Oktober 2018 läuft die Sanierung einer alten Lindan-Deponie, die von der nicht mehr existierenden Firma Usine Kuhlmann stammt, und sich direkt neben dem Novartis Campus gleich hinter der Grenze an der Rheinuferpromenade befindet. Lindan ist ein giftiges Insektizid, das heute verboten ist.

Im Südelsass gibt es auch Probleme mit Lindan unter dem Stadion von Huningue, beim Klepferhof bei Hagenthal-le-Bas und in Hagenthal-le-Haut beim Rosshimmel. Chemiemüll soll es laut den französischen Behörden bei Hagenthal-le-Bas beim Galgenrain geben. Die Aufstellung ist nicht vollständig, denn im ganzen Departement Haut-Rhin zählt man 37 Deponien.

Im Kanton Basel-Stadt gebe es zur Zeit keine zu sanierende Deponie, informiert Nabholz. «Belastete Böden haben wir im Kanton einige. Sobald an diesen Orten gebaut wird, muss der Untergrund untersucht und sofern nötig auch saniert werden.» In Hinblick auf die Aktion von Greenpeace, die die Existenz von Deponien im Klybeck kritisierte, wies er auf eine Stellungnahme des Regierungsrats hin. In einer Antwort auf eine Interpellation von Sebastian Kölliker zum Thema sah die Regierung keine Gefahr.

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