Gas ausgetreten
Chemieunfall in der Schweizerhalle war doch nicht so harmlos wie gedacht

Nachdem am Mittwochabend aus einem Produktionsgebäude Chlorgas austrat, flickte die CABB das Leck nicht genügend und gefährdete damit Polizeipersonal.

Michel Ecklin
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Cabb in Pratteln.

Cabb in Pratteln.

Am Freitag hatte die Baselbieter Polizei noch eine kurze Mitteilung über einen Chemieunfall in der Schweizerhalle verschickt. Am Mittwochabend sei in einem Produktionsgebäude eine unbekannte Menge Chlorgas ausgetreten, hiess es. Das Leck habe umgehend repariert werden können. Für Mensch und Umwelt habe «zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestanden».

Doch das war noch nicht die ganze Geschichte. Am Folgetag fand das Ereignis nämlich eine unerwartete Fortsetzung. Das ist einer Meldung zu entnehmen, die am Freitag an die Medien verschickt wurde – nicht mehr von der Polizei, sondern von der Staatsanwaltschaft.

Demnach betraten am Freitagmorgen drei Polizisten zur Durchführung von Ermittlungshandlungen die Räumlichkeiten, in denen sich die Havarie am Vorabend ereignet hatte. Vorher war das Gebäude durch den Betrieb zum Betreten frei gegeben worden. Begleitet wurden die drei Polizisten von drei Mitarbeitenden der betroffenen Chemiefirma. Laut der «Tageswoche» soll es sich dabei um die CABB AG handeln. Während dem Aufenthalt stellten die sechs Personen fest, dass offenbar noch immer Chlor aus dem System entwich. Sie verliessen das Gebäude umgehend. Alle sechs Personen wurden sofort einer medizinischen Kontrolle zugeführt, konnten aber noch gleichentags wieder nach Hause zurückkehren.

Leck blieb unentdeckt

Dieser erneute Austritt von Chlor löste nochmals einen Einsatz der Ereignisdienste aus. Das am Vorabend offenbar unentdeckt gebliebene Leck konnte geschlossen werden. Die umgehend durchgeführten Messergebnisse im Gebäudeinnern ergaben, dass die zulässige maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK-Wert) um das Zweifache erhöht war.

Auch dieses Mal heisst es in der Mitteilung, die Aussenwelt sei vom zweiten Ereignis nicht betroffen. «Den bisherigen Ermittlungsergebnissen zufolge» könne ein Defekt an den betroffenen Anlagen als Ursache für das Leck ausgeschlossen werden. Im Fokus der Ermittlungen stehe vielmehr menschliches Versagen. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft hat eine Strafuntersuchung eröffnet.