Birsfelden
«Christoph, das müssen wir dreidimensional machen!» – jetzt hilft die Kunst gegen Langeweile im Stau

Birsfelden ehrt seine prominenten Bürger Christoph Gloor und Stefan Dörflinger und stellt die Skulptur des Karikaturisten an die Rheinfelderstrasse.

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Stefan Dörflinger (rechts) und Onorio Mansutti weihen «Stöffan» ein.

Stefan Dörflinger (rechts) und Onorio Mansutti weihen «Stöffan» ein.

Kenneth Nars

Vier Weltmeistertitel! Nur Brasilien ist besser. Fünf Mal hat die brasilianische Mannschaft den Titel geholt. Vielleicht schaffen es Neymar & Co. bald wieder. Stefan Dörflinger fiebert mit ihnen mit, wenn sie am Sonntag gegen die Schweizer spielen. Wobei ihm auch ein Sieg der Schweiz recht wäre: Als Dörflinger in den Achtzigern auf dem Motorrad einen Weltmeistertitel nach dem anderen holte, tat er dies für die Schweiz, speziell für Birsfelden. Und dort sitzt er nun.

Als Winzling auf einem überdimensionalen Töff. Und kommt nicht vom Fleck. Karikaturist Christoph Gloor lacht sich im Himmel ins Fäustchen. Was das mit Brasilien zu tun hat? Ohne die Stiftung «Kinder in Brasilien», bei der Dörflinger im Stiftungsrat sitzt, würde die Skulptur in einem Lager vor sich hin gammeln. Ihr wäre nicht die Ehre zuteil geworden, ein «Stau-Mahn-Mal im Feinstaub der meist befahrenen Birsfelder Strasse» zu werden, wie es in der Standortbegründung heisst. «Tausende Feierabendstaustehende haben nun ausgiebig Zeit, den Töff zu sehen.» Ironie im Sinne des Erfinders.

Begonnen hat alles vor gut 25 Jahren in Birsfelden. Kaum hatte Motorradrennfahrer Dörflinger den vierten Weltmeistertitel geholt, zückte Christoph Gloor seinen Bleistift. Der inzwischen verstorbene Karikaturist ehrte seinen Quasi-Nachbarn mit einer satirischen Zeichnung. Ein winziger Rennfahrer auf einem riesengrossen Motorrad. Onorio Mansutti reichte das nicht. «Christoph, das müssen wir dreidimensional machen», sagt der «Kinder in Brasilien»-Präsident zu seinem Freund. «Dreidimensional? Das geht doch nicht!», antwortete Gloor. Er irrte.

Die Schüler der Metallbautechniker-Schule standen dem Zeichner zur Seite und schwups – schon stand die Karikatur. Doch was sollte Gloor mit dem 300-Kilogramm-Koloss anfangen? Er tat, was er mit vielen seiner Bilder machte: Er schenkte das Werk Manusuttis Stiftung zwecks Versteigerung im «Atlantis». Innenarchitekt Frank Hablützel ersteigerte «Stöffan» für sein «Café des Arts». Dort stand das Werk, bis die Verantwortlichen beschlossen, es wieder in Mansuttis Obhut zu geben. Dieser lieh die Skulptur der Stadt Basel.

Odyssee von der Heuwaage ...

Der Kanton fand beim «Nachtigallenwäldeli» nahe der Heuwaage gegenüber dem Restaurant Birseckerhof einen geeigneten Platz. Während Jahren konnte jeder, der zum Zolli oder in die «Kuppel» ging, den Töfffahrer bewundern. Wäre das Areal nicht umgestaltet worden, stünde die Skulptur noch heute dort – und Birsfelden müsste sich mit der Christoph-Gloor-Treppe begnügen. Diese wurde am Dienstag ebenfalls unter Pauken und Trompeten der «Unschlyssige»-Gugge eingeweiht.

Über die Treppe gibt es jedoch weit weniger zu erzählen als über «Stöffan». Sie hiess zuvor Lindentreppe, und Gemeindepräsident Christof Hiltmann (FDP) ist stolz, dem steilen Weg einen bedeutenderen Namen verliehen zu haben. Die Skulptur dürfte auch deshalb für mehr Gesprächsstoff sorgen als die Treppe, weil sie an der Rheinfelderstrasse steht und unübersehbar ist.

... an die Rheinfelderstrasse

Bereits während der Umgestaltung des Nachtigallenwäldlis wollte Mansutti die Skulptur aus dem Lager lösen. «Es war ein bürokratischer Seilakt», sagt er. Erst, als Christoph Gloor im März 2017 starb, zeigte sich der Kanton kooperativ und liess Mansutti das Werk abholen. Sein Ziel: Er wollte es Birsfelden als Erinnerung an Gloor schenken.

Zuvor landete «Stöffan» aber erneut in einem Lager. Dort restaurierte Christoph Gloors Sohn und Nachlassverwalter Patrick Gloor das Werk des Vaters. Unter Beisein der Beteiligten weihten die Birsfelder ihr neues Kunstwerk ein.

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