Aesch
«Circo Fantazztico» hilft Kindern raus aus Costa Ricas Slums

Der «Circo Fantazztico» aus Costa Rica ist dieses Wochenende in Aesch zu Gast. Seine Artisten sind meist sozialbenachteiligte Kinder und Jugendliche, denen mit dem Projet Perspektiven geschaffen werden sollen.

Jeremias Schulthess
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Kinder und Jugendliche aus ärmlichen Verhältnissen stehen plötzlich in der Manege des Circo Fantazztico im Rampenlicht.

Kinder und Jugendliche aus ärmlichen Verhältnissen stehen plötzlich in der Manege des Circo Fantazztico im Rampenlicht.

Zur Verfügung gestellt

Bekannt ist Costa Rica in erster Linie als Urlaubsdestination. Viele Touristen zieht es jedes Jahr an die karibischen Badestrände. Über die Armenviertel der Grossstädte ist dagegen wenig bekannt. Hohe Arbeitslosigkeit, wenig Perspektiven prägen das Alltagsleben der Menschen vor Ort.

Aus dieser Situation versucht das Projekt «Circo Fantazztico», für sozialbenachteiligte Kinder und Jugendliche Perspektiven zu schaffen. Sie erhalten die Chance in einem Zirkus mitzuwirken und auf Europa-Tournee zu gehen. Am Wochenende gastiert dieser «Circo» in Aesch.

Alternative zur Kriminalisierung

Die Entwicklungsorganisation EcoSolidar unterstützt das Projekt seit einigen Jahren. Kinder und Jugendliche aus ärmlichen Verhältnissen werden in der Stadt San Isidor aufgegriffen und zum Zirkustraining animiert. Man will dadurch eine «Alternative zur Kriminalisierung» schaffen.

Viele Jugendliche kommen aus problematischen Situationen. Der Geschäftsleiter von EcoSolidar, André Affentranger, sagt: «Durch den Zirkus erhalten die Jugendlichen die Chance, ihre Freizeit anders zu gestalten, als es für andere möglich ist.»

Und die Probleme in San Isidor sind unübersehbar. Eine Bewohnerin des Stadtviertels Cocori schildert die ausweglosen Schicksale der costa-ricanischen Jugendlichen in einem Film über das Zirkus-Projekt. «Hier in Cocori hilft ihnen niemand. Das Einzige, was die Jugendlichen machen, ist, Drogen zu konsumieren. Und das hört nicht auf.» Durch den Zirkus können sich die Jugendlichen vom tristen Alltag ablenken und erhalten eine Perspektive.

Dementsprechend schwierig gebärdet sich die Auswahl der Truppe. Insgesamt nehmen rund 300 Kinder und Jugendliche am Projekt teil. Sie trainieren regelmässig und können an lokalen Aufführungen partizipieren. Aber nur ein harter Kern von zirka 30 Kindern und Jugendlichen im Alter von 8 bis 18 Jahren kriegt die Chance auf eine Tournee durch Europa. «Die Auswahl der Kinder für eine Tournee ist das Schwierigste», sagt die Koordinatorin Carolina Gil in der Dokumentation zum «Circo».

Der finanzielle Rahmen des Projekts ist klar abgesteckt. Nicht jeder hat die Möglichkeit, auf Tournee durch die europäischen Städte mitzukommen. Laut Gil nehme man dafür letzten Endes diejenigen Jugendlichen, «die gut in der Schule sind, viel Motivation und gute Zirkustechniken mitbringen». Also gewissermassen als Belohnung für das intensive Arbeiten.

Der «Circo Fantazztico» ist bereits das vierte Mal auf Europa-Tournee. Die wenigsten der jetzigen Teilnehmer sind seit Beginn dabei - für viele ist es das erste Mal in Europa. Das diesjährige Stück «Calufa» beinhaltet vielseitige artistische Kunst - von Luftakrobatik bis Clownerie ist alles dabei.

Dank einer Kooperation mit der Rudolf Steiner Schule Birseck kann der «Circo» kostengünstig das Zelt des Jugendzirkus Robiano mitbenutzen.

Circo Fantazztico Aufführungen diesen Samstag (19.00 Uhr) und Sonntag (17.00 Uhr) in Aesch. Zusatzvorstellung ohne Zelt (Dornacherstr. 192, Basel) am Montag, 17.00 Uhr.