Frenkendorf
Container mit gefährlichem Inhalt: Der Kanton wusste von nichts

Schon seit Jahren werden in Frenkendorf giftige Stoffe verladen – erst jetzt werden die Behörden aktiv. Der Container-Umschlagplatz wird von Swissterminal AG betrieben. Bisher wusste der Kanton nichts von den gefährlichen Containern.

Benjamin Wieland
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Was befindet sich in diesen Containern? Darüber gibt die Swissterminal erst seit Kurzem Auskunft.

Was befindet sich in diesen Containern? Darüber gibt die Swissterminal erst seit Kurzem Auskunft.

Juri Junkov

Ganz im Norden von Frenkendorf, zwischen Rheinstrasse und der Bahnlinie Liestal–Pratteln, betreibt die Swissterminal AG einen Container-Umschlagplatz. Auf einer Fläche von etwa drei Fussballfeldern sind Hunderte Metallbehälter gestapelt.

Der schon von weitem sichtbare «Container-Hügel» ist nun auf den Radar der Behörden geraten. Das kantonale Sicherheitsinspektorat, das für die Umsetzung der eidgenössischen Störfallverordnung zuständig ist, hat den Betrieb neu auf die höchste von vier Gefahrenstufen gesetzt. Damit droht Frenkendorf und den umliegenden Gemeinden ein «katastrophaler Störfall» – mit katastrophalen Folgen.

Bei einem Unglück müsste im schlechtesten Fall mit Hunderten von Verletzten und mehreren Toten gerechnet werden. So steht es in den kantonalen «Richtlinien zur Beurteilung der Tragbarkeit von Risiken». Auch Verkehr und Kommunikation wären monatelang unterbrochen; Kulturland würde gleich hektarweise kontaminiert.

«Kritischer toxischer Stoff»

Das Sicherheitsinspektorat simuliert die Unglücksszenarien aufgrund der Art und Menge der an einem bestimmten Ort gelagerten Stoffe. Das grösste anzunehmende Unglück bildet danach die Grundlage für die Klassifizierung eines Betriebs. Die Klasse «katastrophaler Störfall» ist selten im Baselbiet: Im Jahresbericht 2013 kommt er zehnmal vor – bei insgesamt 115 aufgeführten Betrieben.

Im Fall Swissterminal habe ein «kritischer toxischer Stoff» den Ausschlag gegeben, sagt Gregor Pfister, Leiter des Sicherheitsinspektorats auf Anfrage. Das Unternehmen habe jedoch bereits Massnahmen definiert. «Mit diesen ist ausgeschlossen, dass in Zukunft der betreffende Stoff auf das Gelände der Swissterminal gelangen kann.»

Swissterminal hat die Massnahmen laut eigenen Angaben bereits umgesetzt. «Wir haben Gefahrgüter mit hohem Risikopotenzial von der Annahme respektive dem Umschlag ausgeschlossen», sagt Geschäftsleitungsmitglied Jürg Wiggli. Schon zuvor habe es sich bei den potenziell gefährlichen Containern um Einzelfälle gehandelt. «Bei einer Analyse der vergangenen zwei Jahre haben wir rund 60 Fälle festgestellt, die wir nach neuen Richtlinien nicht mehr umschlagen werden.»

Ausserdem würde Swissterminal Container mit gefährlichem Inhalt jeweils sofort weiter verladen und nicht zwischenlagern, versichert Wiggli. Explosive und radioaktive Güter habe sein Unternehmen noch nie angenommen.

Gefahrgut seit 2006

Was bei der Klassifikation der Swissterminal seltsam anmutet, ist der Zeitpunkt: Schon seit 2006 werden in Frenkendorf beladene Container zwischengelagert, zuvor handelte es sich nur um leere Behälter. Der Standort wurde 1978 in Betrieb genommen.

Amtsleiter Gregor Pfister verweist auf die Störfall-Verordnung. In dieser werde festgehalten, dass die Unternehmen von sich aus aktiv werden müssen. Swissterminal habe im vergangenen Jahr zum ersten Mal einen Kurzbericht eingereicht. «Nach dessen Beurteilung kamen wir zum Schluss, dass Handlungsbedarf besteht».

Das Sicherheitsinspektorat werde nur in Ausnahmefällen von sich aus tätig, etwa bei Hinweisen oder Neuzuzügen von Firmen. «Idealerweise meldet sich ein Unternehmen bei uns, bevor es mit potenziell gefährlichen Stoffen zu tun hat.»

Auch Gemeinde weiss von nichts

Keine Kenntnis von der Gefahr, die vom Umschlagsplatz ausgegangen war, hatte der Frenkendörfer Gemeindepräsident Rolf Schweizer. Er hoffe, dass auch die Gemeindebehörden informiert würden. Die Swissterminal muss nun mit der lokalen Feuerwehr einen Einsatzplan ausarbeiten, wie es gesetzlich vorgeschrieben ist.

Zuerst wird jedoch das Sicherheits-Inspektorat den Betrieb neu beurteilen. Es ist davon auszugehen, dass er bei der Klassierung nach «hinten» rutscht. Die nächst tiefere Stufe wäre «schwerer Störfall» – bei einem solchen müsste «nur» noch mit einzelnen Todesfällen gerechnet werden.