Coronademo Liestal
Stoppt diesen Hass – sofort!

Der Baselbieter Hauptort Liestal ist am Samstag zum Schauplatz einer Kundgebung gegen die staatlichen Coronamassnahmen gemacht worden.

Bojan Stula
Bojan Stula
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Zahlreiche Demo-Teilnehmende reisten am Samstag von auswärts an.

Zahlreiche Demo-Teilnehmende reisten am Samstag von auswärts an.

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Laut Polizei nahmen an der bewilligten Demonstration bis zu 6'000 Personen teil, meist von auswärts angereist. Laut den Organisatoren vom Verein Stiller Protest waren es 10'000. Es war die grösste derartige Protestveranstaltung in Liestal in jüngerer Zeit. Kaum jemand trug Schutzmasken. Die Polizei, die mit einem Grossaufgebot vor Ort war, sich aber weitgehend im Hintergrund hielt, berichtete anschliessend von einer verletzten Person, die nach einem tätlichen Angriff ins Spital gebracht werden musste. Von der Polizei angehalten wurden zwölf Teilnehmende einer Gegendemonstration. So viel zu den Fakten, die bestimmt diese Woche noch viel zu reden geben werden, und ebenso sicher in der kommenden Landratssitzung ein Nachspiel haben werden.

Lassen wir mal die Volksverhetzer, Verschwörungstheoretiker und Neo-Nazis aussen vor, die sich offenbar an den Demonstrationszug in Liestal angehängt haben, um diesen für ihre verwerflichen Absichten zu missbrauchen. Reden wir von jenen, die von den staatlichen Coronaschutzmassnahmen einfach die Nase voll haben und nach Wegen suchen, dagegen aufzubegehren.

Es wäre leicht, diese in Grund und Boden zu verdammen. In den sozialen Medien schlug ihnen am Samstag und Sonntag offener Hass entgegen, der wiederum oftmals mit ebenso blankem Hass gekontert wurde. So wurden Demo-Teilnehmenden schwere Krankheitsverläufe an den Hals gewünscht, teilweise sogar noch Schlimmeres. Von der nicht minder aggressiven Gegenseite wurden beispielsweise Medienschaffende an der Ausübung ihrer Berichterstattung gehindert und beschimpft. Gemessen an diesem Stimmungspegel müsste man meinen, die Schweiz stehe kurz vor einem Bürgerkrieg.

Diese Hass-Eskalation ist unerträglich und muss gestoppt werden. Auf beiden Seiten. Es liegt an jedem Einzelnen, innezuhalten und sich zu hinterfragen. Die Befürworter der staatlichen Schutzmassnahmen, zweifellos die grosse Mehrheit im Land, müssen akzeptieren, dass es Mitmenschen gibt, die deren Sinn nicht mehr einsehen können und darunter leiden. Durch Hassparolen und Beschimpfungen indes werden sie nur noch verbissener in den eigenen Schützengraben gedrängt. Der Skeptiker-Gemeinde sei zugerufen, alle schändlichen Anspielungen auf Naziparolen und lächerliche Diktaturvergleiche umgehend zu unterlassen. Durch solchen Sprachmissbrauch diskreditieren sie sich selbst und entziehen ihrem zivilen Ungehorsam den letzten Rest an Aufrichtigkeit. Dasselbe gilt für sämtliche verbalen und erst recht tätlichen Angriffe auf die Pressefreiheit.

Die Nerven liegen auf beiden Seiten blank. Der einzige Weg zur Deeskalation ist die faktenbasierte Diskussion. Und ja, es gibt stets solche, mit denen man nicht diskutieren kann, auf beiden Seiten. Doch solange diese eine kleine Minderheit bleiben, während der Rest wieder dazu zurückkehrt, vernünftig Argumente auszutauschen, muss man wegen Corona keine dauerhafte Spaltung unserer Gesellschaft befürchten.

Niemand will in der Schweiz auf die Dauer «Reichsbürger» und AFD-Verhältnisse haben. Genauso wenig Zustände wie in echten Diktaturen, wo eine Demonstration wie am Samstag in Liestal niedergeknüppelt und mit Waffengewalt aufgelöst worden wäre.