Gastronomie
Cuisine regionale spontanée: «Bad Schauenburg» eröffnet Restaurant im ehemaligen Kuhstall

Das Traditionshaus Bad Schauenburg feiert die Eröffnung des neuen Restaurants Zum Schauenegg. Dafür haben die Besitzer eine über 200 Jahre alte Scheune umgebaut.

Lucas Huber
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Das neue Restaurant des Hotels Bad Schauenburg war bis vor 15 Jahren noch ein Kuhstall.

Das neue Restaurant des Hotels Bad Schauenburg war bis vor 15 Jahren noch ein Kuhstall.

zvg

Übersetzt man die Rundumerneuerung des «Bad Schauenburgs» in die Radrennsprache, so hätte am Donnerstag die Zielankunft der zweiten von drei beschwerlichen Bergetappen stattgefunden. Und zwar genau in jenem Zeitplan, den der Organisator vorgegeben hat. Nur ist das in diesem Fall kein Sportfunktionär, sondern das langjährige Gesicht der Hotel Bad Schauenburg AG, wie die gemäss eigenem Untertitel «bezaubernde Oase im Baselbiet» mit vollem Namen heisst.

Und diese Oase, das Seminarhotel mit der Sterneküche über den Dächern Liestals, gönnt sich eine Totalsanierung. Die hat mit dem Kauf des Komplexes durch den Baselbieter Unternehmer und Bachem-Gründer Peter Grogg 2015 ihren Ursprung genommen und in der Errichtung des Personalhauses im vergangenen Jahr – um bei der sportlichen Metapher zu bleiben – die erste Etappe abgeschlossen.

Gemütlich und rustikal

Nun folgte also am Donnerstag die Eröffnung des Restaurants Zum Schauenegg, wie die Seminarräume in den oberen Stockwerken nach Fluren in der Umgebung benannt. Dafür wurde in einem knappen Jahr Bauzeit die 1794 erstellte Scheune, in der bis vor 15 Jahren noch Rinder und Kälber gemästet wurden, zu einem gleichwohl gemütlichen wie rustikalen Restaurant umgebaut.

Entsprechend gutbürgerlich zeigt sich auch die druckfrische Karte, die vom Vorspeisen-Salat «Zum Schauenegg» mit Tafelspitz-Terrine über die Oltinger Kalbsbratwurst an Rösti bis zu Crêpes Suzette zum Dessert reicht. «Gerichte, die jedermann jederzeit gerne ist», umschreibt Fredi Häring, seit 35 Jahren Pächter des Bad Schauenburg sein kulinarisches Angebot. Den Posten der CEO füllt mittlerweile seine Tochter Stéphanie aus.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Quasi im gleichen Atemzug mit der Eröffnung des Schaueneggs schloss nämlich das angestammte Restaurant des Bad Schauenburgs, 16 Punkte im Restaurantführer Gault Millau. Das war der Startschuss zur Etappe Nummer drei, der Königsetappe, wenn man so will. Sie sieht die Erneuerung und Vergrösserung des Haupthauses vor (siehe Box). Dazu gehört auch eine neue, rund 100 Quadratmeter grosse Küche, deren Chef, Francis Mandin, seit bald 30 Jahren im Röserental kocht. Nun zog er mit seiner Küchenbrigade ins neue Restaurant um. Vergangenen Dienstag verköstigten sie noch Mittagsgäste im «Basler Stübli», abends stieg bereits das erste Testessen in den neuen Gemäuern. Und dort mischt sich nun die Landküche mit der Haute Cuisine zu einer «Cuisine regional spontanée», wie Fredi Häring umschreibt. Hier die etablierten Business Lunch und Menu Gastro abends, der Anspruch der prämierten Köche, dort das Gutbürgerliche à la carte, zubereitet mit regionalen Bioprodukten, wo möglich. Das dürfte den Wanderer genauso freuen wie den Spontanbesucher – und den Stammgast trotzdem bei der Hand nehmen.

Täglich auf der Baustelle

Besonders grossen Gefallen findet der Patron an seiner neuen Weinstube, der «Caverne», in deren Zentrum ein mächtiger Holztisch thront, dazu über 200-jährige Bruchsteinwände, Holzfassduft. Als er durch die Räumlichkeiten führt, die neuen Seminarräume in den oberen Etagen zeigt und von seinen Mitarbeitern erzählt, viele von ihnen lange Jahre dabei und ausnahmslos Fachkräfte, blitzt bisweilen der Stolz hervor. Darauf, das geschichtsträchtige Haus in sicheren Händen zu wissen und es nun für die Zukunft zu wappnen. Und auf die Qualität, die man nur erreiche, wenn man täglich gern dafür aufstehe – und den Handwerkern auf der Baustelle auf die Finger schaut. «Ich war täglich auf der Baustelle», erzählt Häring – die Arbeiter hätten sich schon gewundert. Denn er hat auch Respekt vor dem Projekt. Fehlplanungen dulde es nämlich keine. Eben genau wie bei der Vorbereitung auf eine zünftige Bergetappe.

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