Basel
Curling-WM in Basel bringt keinen Boom

Die Weltelite des Curlings misst sich in Basel. Trotz der Kämpfe am Rheinknie bleibt die regionale Curling-Szene überschaubar und familiär.

Georges Küng
Drucken
Teilen
Seit 10 Jahren auf dem Eis zu Hause: CC-Birseck-Präsident Christian Rauch.Küng

Seit 10 Jahren auf dem Eis zu Hause: CC-Birseck-Präsident Christian Rauch.Küng

In der Nordwestschweiz gibt es eine einzige Curling-Halle und 29 Curling-Vereine mit rund 600 lizenzierten Spielern. Einer davon ist Christian Rauch aus Birsfelden, der den CC Birseck präsidiert.

Wer glaubt, dass nach diesen Titelkämpfen die regionale Curling-Szene boomen wird, täuscht sich. «Curling ist eine familiäre Sportart. Oder sogar eine Randsportart», erklärt der 36-Jährige, der vor zehn Jahren zum Curling kam. «Der Grund war aber keine Europa- oder Weltmeisterschaft und auch kein Schweizer Exploit an Olympischen Spielen, sondern ein Verwandter hat mich aktiv zu dieser Sportart gebracht», so der Baselbieter, der seit vielen Jahren als Typograf in einem renommierten Basler Verlag arbeitet.

OK-Präsident Bruno Schallberger wirft jedoch ein, dass «nach Olympischen Spielen oder einer WM das Interesse für das Curling generell steigt. Man kann davon ausgehen, dass sich in der Region Basel jeweils 50 bis 70 Leute erstmals für einen Curling-Kurs einschreiben. Ein Drittel bleibt dann hängen», sagt Schallberger.

Wenig Aktiv-Mitglieder beim CC Birseck

In der Schweiz gibt es 44 Standorte mit einer Curling-Halle. In der Nordwestschweiz kann man nur in Arlesheim, das aber vor 40 Jahren eine Art Pionier war und sich 1971 rühmen durfte, die schönste Curlinghalle von Europa zu sein, curlen. Gut, in Laufen, Rheinfelden und Zunzgen wird auch gecurlt, doch dies mehr zum Open-Air-Plauschspielen. Lizenzierte gibt es in etwa 600 Aktive, während «weitere 600 Leute regelmässig curlen, aber ohne Lizenz», wie Schallberger ergänzt.

Der von Christian Rauch präsidierte CC Birseck zählt elf Aktivmitglieder. «Wir sind einer der kleineren Klubs», so der Birsfelder. Der Jahresbeitrag beträgt 700 Franken, wobei «der Grossteil auf die Eismiete entfällt», so Rauch. Dazu kommen die Kosten für Schuhe (gut 200 Franken) und Besen. Die Steine stehen zur Verfügung. «Das ist nicht viel, denn Schuhe und Besen überleben in der Regel mehrere Spielzeiten», erklärt Schallberger. Obwohl in Arlesheim acht Rinks zur Verfügung stehen, «sind wir am Plafond», erklären Rauch und Schallberger unisono. «Das Problem ist, dass während des Tages wenig gespielt wird, abends nach dem Feierabend, ab 18 Uhr, alle curlen wollen», weiss Schallberger. Kein Vergleich zu Kanada oder Schottland, wo von frühmorgens bis Mitternacht die Hallen belegt sind.

Obwohl Spitzencurling längst ein intensives Training erfordert, ist der Werdegang der meisten Aktiven noch immer ähnlich. Dieter Knöri (67; siehe «Der Sonntag» vor einer Woche) war einst Handball-Internationaler. Nach seinem Rücktritt spielte er intensiv Tennis und entdeckte mit 60 Jahren den Golfsport. «Die Bälle wurden also immer kleiner», erklärt der Ex-RTV-Flügel, der an der Curling-WM als Freiwilliger (Fahrdienst) im Einsatz steht. «Und vor zwei Jahren habe ich mit den Golfkollegen den Curlingsport entdeckt. Wir schätzen das Familiäre, das Kollegiale und die Geselligkeit», sagt der Ballsportler Knöri.