Wahlkreis Oberwil
CVP profitierte vom Überläufer

Grüne und SVP fürchten sich nicht vor der Kritik an ihren Kandidaten.

Boris Burkhardt
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So wählte der Wahlkreis Oberwil.

So wählte der Wahlkreis Oberwil.

bz Basellandschaftliche Zeitung

Der Wahlkreis Oberwil ist der Wahlkreis der Mitte. Während SP und SVP bei der vergangenen Wahl 2011 in den vier Gemeinden Oberwil, Therwil, Ettingen und Biel-Benken beide etwa gleichauf bei 20,5 Prozent lagen (siehe Box), fuhren CVP (14,9) und FDP (16,1) überdurchschnittlich gute Resultate ein.

Obwohl die CVP damit ihr drittbestes Ergebnis in allen Wahlkreisen erzielte, reichte es nur für einen Sitz. Die BDP, die im Wahlkreis mit 5,5 Prozent immerhin den Kantonsdurchschnitt erreichte, machte ihr mit Peter H. Müller erfolgreich diesen zweiten Platz streitig. Ironischerweise wechselte Müller nach nicht einmal einem Jahr zur CVP, sodass die beiden gute Aussichten haben, wiederum zwei Sitze im Wahlkreis zu bekommen. Die BDP dürfte ihr dieses Mal den Sitz wohl kaum streitigmachen: Von den vier Kandidaten 2011 (inklusive Müller) tritt dieses Jahr keiner mehr an; an ihrer Stelle kandidiert nunmehr allein der Oberwiler Neuling Beat Schmid.

Prominente Unterstützung erhält das CVP-Kandidatenteam ausserdem vom Leiter des Bundesamts für Strassen (Astra), dem Biel-Benkemer Rudolf Dieterle, der kurz vor seiner Pensionierung im kommenden Februar der Partei beigetreten ist (siehe Artikel unten). Während der Astra-Chef bei der CVP schon einiges Glück braucht, um es vor seinen beiden Parteifreunden in den Landrat zu schaffen, haben drei andere «Promis» ihren Sitz auf sicher. Die Oberwiler Gemeinderätin und langjährige Präsidentin der Verkehrskommission Leimental Lotti Stokar dürfte trotz lange anhaltender Filz-Vorwürfe in den Medien den grünen Sitz im Wahlkreis problemlos halten.

Stokar selbst rechnet zwar durchaus damit, dass die Medienberichte einen «kleinen Einfluss» auf ihr Ergebnis haben könnten, nimmt aber an: «Die Leute, die diese Vorwürfe glauben, sind nicht dieselben Leute, die mich bisher gewählt haben.» Bereits 2011 bekam sie in allen vier Gemeinden mit deutlichem Abstand die meisten Stimmen auf der Grünen-Liste, die insgesamt mit 17 Prozent ebenfalls das drittbeste Ergebnis aller Wahlkreise einfuhr.

Regierungsrat ist kein Thema mehr

Auch Oskar Kämpfer zeigt sich selbstkritisch: Der SVP-Kantonspräsident wurde kritisiert, wie er mit der Affäre Gaugler umgegangen war. «Ich persönlich halte es für denkbar, dass mich das ein paar Stimmen kosten könnte», erklärt er gegenüber der bz. Doch wie Stokar in Oberwil setzt auch Kämpfer in Therwil, wo er als Mitglied in der Geschäftsprüfungskommission und der Finanzkommission wirkt, auf seine lokale Verankerung im Wahlkreis. Kämpfer weist ausserdem darauf hin, dass die SVP-Fraktion bei der Suche nach der neuen Landtagspräsidentin Myrta Stohler konstruktiv mit allen Fraktionen zusammengearbeitet habe.

Schliesslich schickt auch die SP ein bekanntes Gesicht ins Rennen: Bereits zum dritten Mal will Pia Fankhauser ihren Sitz verteidigen. Seit vergangenem Jahr Präsidentin der Kantonalpartei, sollte sie den Wählern aber vor allem als Regierungsratskandidatin 2011 in Erinnerung sein. Ein erneuter Versuch, den Sprung in die Exekutive zu schaffen, stand für sie 2015 aber nicht zur Debatte: Die Erfahrungen aus dem Wahlkampf 2011 seien für sie «äusserst wertvoll», sagt sie: «Diese fliessen nun in meine neuen Aktivitäten, zum Beispiel in die Firma – und damit ist das Kapitel Regierungsrat abgeschlossen.»