Theater Basel
Danièle Gross ist die verlässliche Grösse im Theater Basel

Die Spitze des Theaters Basel wird neu besetzt. Für interne Stabilität sorgt Verwaltungsdirektorin Danièle Gross (48). Hinter der Bühne führt sie Regie über die grossen Zahlen.

Miriam Glass
Merken
Drucken
Teilen
Sie wacht über die Finanzen und die betrieblichen Abläufe des Theaters: Danièle Gross.

Sie wacht über die Finanzen und die betrieblichen Abläufe des Theaters: Danièle Gross.

Juri Junkov

Das Theater Basel hat einen neuen, grossen Sponsor an der Angel. Der Name wird am Freitag bekannt gegeben, sofern der Vertrag bis dahin unter Dach und Fach ist. Mit der Vorbereitung des Vertrags beschäftigt ist Danièle Gross. Doch die Verwaltungsdirektorin des Theaters lässt sich keine Silbe zu dieser Neuigkeit entlocken.

Die zierliche blonde Frau, die über alle betrieblichen Belange des Theaters herrscht, spricht mit Medienvertretern nur über «hard facts», wie sie sagt. Spekulationen sind nicht ihre Sache, Aussagen über ihr Privatleben schon gar nicht. Und so ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt über Gross, die 2006 vom Zürcher Opernhaus nach Basel wechselte. Obwohl sie hierarchisch auf gleicher Stufe steht wie Theaterdirektor Georges Delnon. Während der Intendant auch mal über seine Startschwierigkeiten in Basel spricht oder über Projekte, die erst in seinem Kopf existieren, verschränkt die Verwaltungsdirektorin die Arme im samtenen Blazer, sobald es um ihr Umfeld und ihre Interessen geht. Warum lebt sie in Zürich, hat sie Familie? «Nicht relevant», findet Gross. Welche Inszenierung hat ihr in der letzten Spielzeit am besten gefallen? «Eine heikle Frage – da geht es um persönliche Präferenzen.»

Keine konkreten Zahlen

Fragen zu konkreten Zahlen will Gross erst am Freitag beantworten, wenn der Jahresbericht des Theaters offiziell vorliegt. Ihr Job sei nicht der mediale Auftritt, sagt sie, sondern «dafür zu sorgen, dass hinter den Kulissen alles reibungslos läuft». Anders als ihr Vorgänger Ivo Reichlin, der nach 24 Jahren im Amt selbst zur öffentlichen Figur geworden war, überlässt sie die Bühne anderen.

Die Medienkonferenz zur Bilanz der Spielzeit ist eine der seltenen Gelegenheiten, zu der Danièle Gross vor Publikum tritt, statt im Hintergrund zu verhandeln. Vor den Medien wird sie mit Georges Delnon und Verwaltungsrats-Präsident Martin Batzer die Zahlen präsentieren. Zum letzten Mal in dieser Besetzung: Im August 2013 werden sieben von neun Theater-Verwaltungsräten ausgetauscht, und Delnon hat seinen Abgang für 2015 angekündigt. Zumindest im Moment sieht es so aus, als sei Gross zusammen mit Marketingdirektor Michael Bellgardt die verlässliche Konstante in einer Zeit, in der die Führungsebene des Theaters im Umbruch ist.

Interne Stabilität ist gefragt

Wie lange wird sie bleiben? «Ich glaube, das steht jetzt nicht zur Diskussion.» Nicht? Immerhin geht mit Delnon die eine Hälfte der Theater-Doppelspitze, zu der Gross gehört. «Ich habe einen ganz normalen Vertrag», sagt Gross, und sie sagt auch: «In Zeiten des Umbruchs ist interne Stabilität besonders gefragt.»

Gross ist als Verwaltungsdirektorin an Subventionsverhandlungen beteiligt, analysiert Abrechnungen und Besucherstatistiken, achtet darauf, dass Budgets eingehalten und Versicherungsfragen geklärt werden. Sie hat mit den Gewerkschaften einen Gesamtarbeitsvertrag für das technische Personal ausgehandelt und setzt sich für mehr Frauen in technischen und handwerklichen Berufen im Theater ein. «Gross ist die Innenministerin, Delnon ist der Aussenminister», sagt der kantonale Kulturbeauftragte Philippe Bischof. Verwaltungsratspräsident Martin Batzer bezeichnet sie als «hochprofessionelle Frau».

Professionell ist denn auch ihr Umgang mit der Tatsache, dass einer der neuen Verwaltungsräte und damit einer ihrer neuen Vorgesetzten ab kommendem Sommer Hanspeter Gass heisst. Gass war der Stellvertreter von Gross’ Vorgänger Ivo Reichlin und hätte selber gerne dessen Posten übernommen. Doch zum Zug kam Danièle Gross, Gass wurde Regierungsrat. Jetzt kehrt er ans Theater zurück. Wie sieht Danièle Gross der Zusammenarbeit entgegen? Kurzes Blinzeln hinter den grossen Brillengläsern, dann die Antwort: «Ich will dazu keine Stellung nehmen. Die zukünftigen Verwaltungsräte sind meine Vorgesetzten und ich sehe keine Notwendigkeit, mich über sie zu verbreiten. Da bin ich loyal zum Haus.»