Neues Angebot
Dank Rikschas: In Liestal ist keiner mehr zu alt fürs Velo

Pro Senectute beider Basel vermietet an vier Orten Rikschas und Elektrovelos für ältere Leute.

Andreas Hirsbrunner
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So machts Spass: Peter Kaderli von der Velostation Liestal fährt Michael Harr von Pro Senectute auf der neuen Rikscha aus.

So machts Spass: Peter Kaderli von der Velostation Liestal fährt Michael Harr von Pro Senectute auf der neuen Rikscha aus.

Kenneth Nars

Das Liestaler Strassenbild erhält ab sofort eine asiatische Note: Die Velostation beim Bahnhof vermietet für ältere Menschen eine Rikscha, zudem auch zwei Elektrovelos. Dies im Auftrag von Pro Senectute beider Basel, wobei Pro Senectute die Vehikel stellt und die Velostation sie ausmietet und unterhält. Gestern stellten die beiden ihre neue Kooperation vor. Auch in Laufen, Basel und Riehen hat Pro Senectute in Zusammenarbeit mit Velo- respektive Sportgeschäften in diesen Tagen ähnliche Angebote aufgezogen oder wird es in den nächsten Tagen tun.

Die Rikschas bringen nicht nur frischen Wind ins Strassenbild, sondern stehen auch für den frischen Wind, der bei Pro Senectute beider Basel selbst mit dem neuen Geschäftsführer Michael Harr weht. Er sagt: «Unsere Kundschaft ist anders und komplexer geworden. Ein Teil ist gesund, vermögend und voller Lebenslust, ein Teil ist abhängig und fragil. Unser Veloprojekt wirkt verbindend.»

zur Person

Michael Harr

Seit letztem August ist Michael Harr (47) neuer Geschäftsführer von Pro Senectute beider Basel. Der Ökonom mit Nachdiplomstudium in Non-Profit-Management arbeitete zuerst im Bereich Marketing und Sponsoring des Theaters Basel. Danach leitete er während elf Jahren die Schweizerische Stiftung für das cerebral gelähmte Kind in Bern. Harr wohnte mit seiner vierköpfigen Familie aber stets in Basel.

Umworbene junge Senioren

Will heissen: Die Agilen können bei den Elektrovelos selber in die Pedale treten, die Fragilen können sich mit den Rikschas kutschieren lassen. Finanzielle Hürden sollte es keine geben. Denn obwohl eine Rikscha mit Elektromotor 13'000 Franken kostet, vermietet sie Pro Senectute für eine bescheidene Tagespauschale von 20 Franken.

Das Veloprojekt ist das zweite, das der neue Geschäftsführer aufgegleist hat. Bereits geändert hat er die «Bildsprache». Denn Harr will mit all den Broschüren, die auf das breite Angebot von Pro Senectute beider Basel aufmerksam machen, den Schaufenstern der Kurszentren in Basel und Liestal sowie der Homepage, die noch mitten in der Erneuerungsphase steckt, auch ein jüngeres Publikum ansprechen. Entsprechend lächeln einem nun mittelalterliche, dynamische Personen entgegen. Harr sagt: «Wir müssen uns sichtbarer machen und mit einem spritzigen Auftritt die Eintrittsschwelle für junge Senioren abbauen.»

Seine Botschaft: Bei Pro Senectute kann man bereits mit 55 Jahren Kurse besuchen. Die grossen Renner sind derzeit Sprachkurse, Kurse zu digitalen Medien, allen voran Handy-Kurse, sowie Tanzkurse und Wanderungen. Die Kurseinnahmen decken rund die Hälfte des Jahresbudgets von Pro Senectute beider Basel in der Grössenordnung von 14 Millionen Franken.

Weitere wichtige Einnahmequellen der Stiftung mit 80 Vollzeitstellen und 300 Freiwilligen sind die Entgelte für Beratung und Unterstützung, Leistungsaufträge von Bund und Kanton Basel-Stadt sowie von Baselbieter Gemeinden. Steigerungsbedarf sieht Harr bei den Spendeneinnahmen von jährlich etwa 700 000 Franken, die zunehmend wichtiger würden. Nicht zuletzt dank der neuen «Bildsprache» sollen sich vermehrt auch junge, agile Jungrentner angesprochen fühlen, hier mitzutun.

Dass Harr mit künftigen Projekten vor allem in den Bereichen Mobilität, Freizeit und Technologie ansetzen will, passt dazu. Gleichzeitig treibt ihn aber auch eine andere Problematik um: «Wir suchen nach Hebeln, wie wir ältere Leute aus der Einsamkeit holen können.» Im Vordergrund stehen fürs Erste mehr Sitzbänke in Basel und Umgebung, auf denen sich Leute begegnen können. Noch visionärer ist die Idee fürs Baselbiet: «Wir träumen von einer Art Migros-Wagen mit eingebauten Fitness-Geräten, mit dem wir zu den Leuten auf dem Land fahren können.»