Immobilienstrategie
Darum steht die Binninger Brandruine noch immer

Die Gemeinde will ein abgebranntes Haus einfach nicht abreissen lassen. Dahinter steckt ein Plan des Gemeinderats.

Michel Ecklin
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Das Doppelwohnhaus an der Kernmattstrasse in Binningen brannte im Juli 2016 aus. Übrig geblieben ist nicht viel mehr als die Mauern.Nicole Nars-Zimmer

Das Doppelwohnhaus an der Kernmattstrasse in Binningen brannte im Juli 2016 aus. Übrig geblieben ist nicht viel mehr als die Mauern.Nicole Nars-Zimmer

Nicole Nars-Zimmer (niz)

Es ist fast drei Jahre her, als das Doppelwohnhaus an der Kernmattstrasse 18 und 20 in Binningen brannte. Doch die Brandruine steht noch immer dort. Ein Beitrag zu einem schönen Ortsbild ist das sicher nicht, und manch ein Einheimischer fragt sich, warum die Gemeinde, der das Areal gehört, nicht endlich etwas unternimmt.

Doch man wird auch weiterhin auf den Abrissbagger warten müssen. Dies ist ganz im Sinne des Gemeinderats, wie sich jetzt zeigt. In seiner Antwort auf einen Vorstoss von Einwohnerrätin Gaida Löhr (SP) schreibt er: «Damit ein Gebäude in gleicher Grösse wieder erstellt werden kann, wurden die Aussenmauern belassen, weil die Parzelle nach heutigem Zonenreglement übernutzt ist. Wird das Gebäude vollständig abgebrochen, müssten die geltenden Grenzabstände eingehalten werden, was ein kleineres Gebäudevolumen bedeuten würde.»

Konkret droht eine Reduktion von 1800 auf 1200 Kubikmeter Bauvolumen. Die Nutzfläche würde von 300 auf 200 Quadratmeter sinken, mitten in einem beliebten Wohngebiet nahe zu Basel. Und das, sagt der Binninger Informationsbeauftragte Bernard Keller, würde einen Wertverlust für die Gemeinde bedeuten. Das Haus sei vor vielen Jahren erstellt worden. Bei einer Änderung müsse man es nicht den aktuellen Zonenvorschriften anpassen. Das sei erst bei einem vollständigen Abriss und Neubau nötig, erklärt er.

Tatsächlich liegt gemäss Raumplanungs- und Baugesetz nach einem Brand ein Härtefall vor. Dann sind Ausnahmen von den Bauvorschriften möglich. «Damit kann eine Baute im gleichen Umfang, Volumen und an der gleichen Position wie das vorbestehende Gebäude wieder aufgebaut werden», schreibt die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) auf Anfrage. Eine gesetzliche Frist, wie lange der Besitzstand aufgrund der Härtefallregelung Geltung habe, gebe es nicht.

Kosten: 17'000 Franken pro Jahr

Und so bleibt offen, wie lange die Gemeinde die Ruine noch stehen lässt. Es hängt ab von der Umsetzung der Immobilienstrategie der Gemeinde. Bis im Sommer soll für alle Gebäude im Gemeindebesitz, also auch für die Ruine an der Kernmattstrasse, eine «Objektstrategie» vorliegen, so der Gemeinderat. Dann zeichnet sich ab, ob ein Wiederaufbau, ein Neubau oder ein Verkauf angestrebt wird. Die Umsetzung wär dann «ab 2020» möglich. Mindestens so lange dürfte der Schandfleck also noch stehen bleiben. «Weil das Areal der Gemeinde gehört und nicht einem Privaten, sind die Entscheidungsprozesse länger», sagt Keller.

Für ihn ist auch klar: Will man das bisherige Bauvolumen behalten, muss man die Mauern stehen lassen und in das neue Projekt einbinden. «An der Form und dem Grundriss des Baus darf man nichts ändern», sagt er. Doch es sei nicht so sicher, ob das wirklich nötig ist. «Unter Umständen und je nach Fall macht es keinen Sinn, brandgeschädigte Bausubstanz zu erhalten», schreibt die BUD. «In einem solchen Fall sind ein Totalabbruch und kompletter Wiederaufbau möglich.» Sicher ist: Das Aufrechterhalten der abgebrannten Mauern hat seinen Preis. Damit sie nicht noch mehr Schaden nehmen, sind sie mit einem Dach vor der Witterung geschützt. Kosten: rund 17 000 Franken pro Jahr. Keller meint: «Wenn wir auf den bestehenden Mauern bauen können, lohnt sich dieses Geld.»

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