Schliessung
Das Allschwiler Milchhüsli muss schliessen – das zweitletzte in der Agglomeration

Ende Jahr gibt das Milchhüsli in Allschwil aus wirtschaftlichen und personellen Gründen den Betrieb auf. In Reinach blickt das dann letzte Milchhüsli der Agglomeration auch in eine düstere Zukunft. Besser läuft es in Liestal.

Julia Gohl
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Aimé Bloch hat im Milchhüsli über 100 Käsesorten im Angebot. Doch auch damit kann er den Betrieb nicht über Wasser halten.

Aimé Bloch hat im Milchhüsli über 100 Käsesorten im Angebot. Doch auch damit kann er den Betrieb nicht über Wasser halten.

Roland Schmid

Es mutet fast etwas makaber an: Neben dem Inserat, in dem das Milchhüsli Allschwil ankündigt, seine Tore per Ende Jahr zu schliessen, prangt in der Lokalzeitung das Inserat eines Ladens aus Hegenheim mit seinen günstigen Preisen. Makaber, weil die Preise ennet der Grenze einer der Gründe ist, die Milchhüsli-Geschäftsführer Aimé Bloch für den Schliessungsentscheid anführt. «Käse für 1.20 Franken pro 100 Gramm – da können wir nicht mithalten. Und in Deutschland kriegt man den Liter Milch schon für 90 Rappen», sagt er.

Doch es ist nicht nur die Konkurrenz aus dem Ausland, die das Milchhüsli seit über einem Jahr keine schwarzen Zahlen mehr schreiben lässt, sodass es die Kosten nicht mehr decken kann. Der Abwärtstrend zeichne sich seit rund vier Jahren ab. «Den Todesstoss gab uns die Eröffnung des grossen Coop-Supermarkts Letten an der Binningerstrasse», ist Bloch überzeugt.

Auch dass die Migros mittlerweile Markenprodukte im Sortiment führe, helfe nicht. «Früher haben die Kunden in der Migros ihren Einkauf erledigt und dann bei uns etwa Coca-Cola oder Zweifel-Chips geholt», so Bloch. Die Grosshändler würden immer wieder mit Aktionen locken, mit denen das kleine Milchhüsli nicht mithalten könne. «Lange haben wir mit unserem Weinsortiment viel Umsatz erzielt. Aber mittlerweile haben die grossen Ladenketten praktisch jede Woche Weinaktionen.» Auch der Online-Handel sei nicht zu unterschätzen.

Reinach als letzter Mohikaner

Auf die Nachricht aus Allschwil reagiert Josef Leu betrübt. «Das ist schade», sagt der Inhaber des Milchhüsli in Reinach. «Jetzt sind wir der letzte Mohikaner.» Die anderen Milchhüsli in der Agglomeration sind längst eingegangen. In in Muttenz etwa wurde es 2008 durch einen Volg-Laden ersetzt, in Oberwil, wo man im Volksmund eher vom Däge-Lädeli sprach, hat sich nach mehreren Mieterwechseln mittlerweile ein Nähatelier niedergelassen und in Pratteln steht heute nicht einmal mehr das Gebäude.

Leu kennt die Sorgen seines Allschwiler Kollegen. «Auch wir kämpfen», gesteht er. Mit Aldi, Lidl und Co. seien in den letzten Jahren immer mehr Player auf den Markt gestossen, die günstigere Preise bieten können. Besonders zu schaffen mache dem Betrieb aber der Eurokurs. «Zum Überleben reicht es, aber für Rückstellungen nicht, weshalb auch keine Investitionen in eine Erneuerung möglich sind», sagt Leu. Er fürchtet eine Schliessung aber mehrheitlich aus einem anderen Grund: «Wir sind jetzt 62», sagt er. Er zweifle daran, dass jemand den Betrieb vom letzten Jahr mit dem Reinacher Preis ausgezeichneten Inhaber-Ehepaar übernehmen könne. Nicht zuletzt wegen der hohen Belastung. «Wir haben seit 15 Jahren keine Ferien mehr gemacht.»

Auch in Allschwil fällt die Schliessung mit der Pension Blochs zusammen. Nächsten Februar würde er in den Ruhestand treten. Einen Nachfolger zu finden, wäre für die 1911 gegründete Genossenschaft, die hinter dem Milchhüsli steht, schwierig und finanziell kaum tragbar.

Vom Milch- zum Käsehüsli

Das Allschwiler Milchhüsli wurde zirka 1920 als Sammel- und Verkaufsstelle für Allschwiler Milch gegründet. Bloch, der seit 1973 dort arbeitet und es seit 35 Jahren leitet, weiss: «Früher wurden am Tag noch 120 Liter offene Milch gekauft, heute sind es gut zehn pro Woche.» Sein Hauptstandbein ist nun das grosse Käsesortiment. «Eigentlich wäre Käsehüsli der passendere Name für uns», scherzt er. Gut 100 Sorten hat er im Angebot. Gerne würde er mehr Produkte aus der Region ins Sortiment aufnehmen. «Aber hier verkaufen die Bauern direkt ab Hof.»

Auf Regionales setzt das Milchhüsli in Liestal, das keine Existenzängste hat. «Damit fahren wir gut», sagt Geschäftsführer Thomas Stauffiger. Der ebenfalls genossenschaftliche Betrieb gehört den Bauern, weshalb sie ihre Produkte gerne dort anbieten. «Auf diese Auswahl an regionalen Produkten war ich immer ein wenig neidisch», gibt Bloch zu. Viel mehr als Kirschen und Erdbeeren aus Allschwil könne er nicht anbieten.

Neben dem Käse, der auch in den anderen Milchhüsli als Hauptmagnet gilt, konnte der Allschwiler Laden in den letzten Jahren vor allem von der Integration der Postagentur profitieren. Was nach der Schliessung des Milchhüsli mit dieser geschehen wird, steht noch nicht fest. Die Post sagt auf Anfrage, sie werde im Dialog mit den lokalen Behörden «eine Neubeurteilung der Situation vornehmen».

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