Zwingen
Das alte Schulhaus ist wieder in Betrieb

Im historischen Primarschulhaus wird wieder unterrichtet, weil man sich eine Erweiterung nicht leisten kann.

Dimitri Hofer
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Im alten Schulhaus in Zwingen findet seit zwei Wochen wieder Unterricht statt.

Im alten Schulhaus in Zwingen findet seit zwei Wochen wieder Unterricht statt.

zvg

Zwingner Zweitklässler, die sich kürzlich wieder auf den Schulweg machten, nahmen eine andere Strecke unter die Füsse als vor den Sommerferien. Statt ins grosse Primarschulhaus beim Friedhof, wo sie bisher unterrichtet wurden, liefen sie zum alten Schulhaus an der Dorfstrasse.

Seit diesem Schuljahr wird im historischen Schulgebäude wieder die Schulbank gedrückt. War bisher dort der Kindergarten untergebracht, findet in den Räumlichkeiten nun auch der Unterricht der ersten beiden Klassen statt. Die dritte bis die sechste Klasse verbleiben im neueren Primarschulhaus in der Laufentaler 2200-Einwohner-Gemeinde.

An Steuererhöhungen führt wohl kein Weg vorbei

An einer Informationsveranstaltung stellte der Zwingner Gemeinderat am Mittwochabend den Einwohnern seine Aufgaben- und Finanzplanung für die Jahre 2018-2022 vor. In den kommenden fünf Jahren wird das Ergebnis der Erfolgsrechnung voraussichtlich immer negativ ausfallen. Im Jahr 2022 resultiert gemäss Berechnungen das grösste Defizit, nämlich ein Minus von 577 909 Franken.

In den nächsten Jahren sind in Zwingen grössere Projekte wie die Erschliessung des Papierfabrik-Areals und die Sanierung der Wasser- und Abwasserleitung Eichhölzli geplant. Hohe Ausgaben erwartet die Gemeinde auch in den beiden Bereichen Gesundheit und soziale Sicherheit.

Da Zwingen seine finanzpolitischen Ziele wohl nicht erreichen wird, schlägt der Gemeinderat den Zwingnern Steuererhöhungen vor. Im Jahr 2019 sollen die Steuern um zwei Prozent auf 61 Prozent und im Jahr 2020 um weitere zwei Prozent auf 63 Prozent steigen. Der Souverän muss diese Erhöhungen jedoch noch absegnen.

Kein Neubau für sechs Millionen

Ursprünglich war geplant gewesen, dieses Gebäude mit einem Neubau zu erweitern. Doch dafür fehlt Zwingen das Geld, weshalb man sich entschlossen hat, das Schulhaus im alten Dorfkern zu reanimieren. «Aufgrund der finanziellen Lage unserer Gemeinde haben wir eine Neubeurteilung vorgenommen», sagt Gemeindepräsident Ermando Imondi. Der Erweiterungsbau hätte rund sechs Millionen Franken gekostet, welche die Gemeinde nicht hat. Bis auf weiteres ist der Neubau deshalb sistiert.

Dass im Primarschulhaus beim Friedhof nun zwei Klassen weniger untergebracht sind, ermögliche es, Synergien zu nutzen, erklärt Imondi. «Die freigewordenen Zimmer kann man nun etwa für Gruppenunterricht verwenden.» Die Wiederbelebung des alten Schulhauses erachtet er als eine gute Lösung für das finanziell nicht auf Rosen gebettete Zwingen (siehe Box rechts).

Zwingner Schüler nach Brislach

Um auf die steigenden Schülerzahlen zu reagieren, plant die Gemeinde derweil eine Kooperation mit dem Nachbardorf Brislach. «Dabei geht es darum, dass bei Bedarf Schülerinnen und Schüler aus Zwingen in Brislach zur Schule gehen und umgekehrt», sagt Gemeindepräsident Imondi. Die Verträge seien aufgesetzt, aber noch nicht unterschrieben. Er rechnet damit, dass die Abmachung ab kommendem Schuljahr für die erste bis sechste Klasse gelten wird.

Für den Zwingner Co-Primarschulratspräsidenten Stefan Pozner ist «die Zusammenarbeit mit Brislach eine Notlösung». Er wünsche sich, dass auch künftig alle Zwingner Schüler im Dorf zur Schule gehen. Und am allerliebsten wäre es ihm, man könnte den Neubau realisieren. «Aber dafür fehlt uns schlicht das Geld.»