Kulturleitbild
Das Baselbieter Kulturleitbild soll im Mai endlich kommen

Mit anderthalb Jahren Verspätung liegt das Leitbild vor – Urs Wüthrichs Erklärungen für die Verzögerung sind dürftig. Dieser möchte alle Meinungen in dem Kulturleitbild unterbringen.

Miriam Glass
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Kulturdirektor Urs Wüthrich

Kulturdirektor Urs Wüthrich

Juri Junkov

Was Basel seit rund einem Jahr hat, soll auch das Baselbiet demnächst bekommen: ein eigenes Kulturleitbild.

Die Bausteine für ein solches Dokument haben die Baselbieter schon vor knapp zwei Jahren zusammengetragen, auf das Resultat warten sie noch immer. Laut Niggi Ullrich, dem Kulturbeauftragten des Kantons Baselland, dürfte das Warten jedoch demnächst ein Ende haben: «Das Leitbild soll im Mai veröffentlicht werden», sagt Ullrich auf Anfrage der «Schweiz am Sonntag». Der zuständige Regierungsrat Urs Wüthrich sagt lediglich, er sei zurzeit mit der «abschliessenden Überarbeitung» beschäftigt.

«Tagsatzung» als Grundlage

Angekündigt war das Kulturleitbild schon auf Herbst 2011. Als Grundlage sollten die Ergebnisse einer «Tagsatzung» dienen. Zu diesem Anlass hatte die kantonale Abteilung Kultur am
7. Mai 2011 gerufen. Rund 300 Teilnehmer diskutierten einen Tag lang, was gute Kultur und Kulturpolitik im Baselbiet ausmache, eine Online-Umfrage holte weitere Stimmen ein.

Seither ist es still um das Thema. 2012 sagte Wüthrich im Frühling in der «Basellandschaftlichen Zeitung» und im Herbst in der «Basler Zeitung», das Leitbild werde demnächst vorliegen. Er erklärte die Verzögerungen mit krankheitsbedingten Ausfällen in seinem Team. Diese Erklärung wiederholt er nun fast ein Jahr später gegenüber der «Schweiz am Sonntag».

«Alles wieder eingeschlafen»

Verärgert über die Verspätung ist Landrat Michael Herrmann. Von seiner Partei, der FDP, ging die Forderung nach einem Kulturleitbild ursprünglich aus. Dass seit der Tagsatzung so viel Zeit verstrichen ist, kritisiert er: «Die Dynamik der Diskussion hätte genutzt werden können, nun ist alles wieder eingeschlafen.» Dieselbe Kritik äussert Christoph Meury, Leiter des Theater Roxy in Birsfelden. Er habe sich an der Tagsatzung engagiert – doch das Engagement scheine verpufft. «So verkommt die Mitsprache zur Alibiübung.» Gute Gründe für die Verzögerung seien nie genannt worden.

Michael Herrmann findet es «unverständlich», dass die Ausarbeitung insgesamt dreieinhalb Jahre benötigte. So lange ist es her, seit die FDP in einer dringlichen Motion ein Kulturleitbild forderte, nachdem der Landrat den Entwurf für ein Kulturgesetz an die Regierung zurückgewiesen hatte.

Kein Unterschied zwischen städtischer und ländlicher Kultur

Gemäss der FDP-Motion soll das Leitbild unter anderem aufzeigen, «wie unsere ländliche Kultur (...) zu fördern ist». In der Debatte um das Kulturgesetz, von dem eine neue Version im Sommer in die Vernehmlassung gehen soll, wurde ebenfalls der Wunsch nach einer Umschreibung der «Baselbieter Kultur» laut, kritisiert wurde die «baselstädtische Färbung» des Gesetzes.

Regierungsrat Urs Wüthrich gab damals im hauseigenen Magazin GPS zu Protokoll, dass es «keinen Sinn» mache, einen Unterschied zwischen städtischer und ländlicher Kultur zu erfinden. Ullrich äusserte sich in den Medien ähnlich. Möglich, dass der Auftrag, genau diesen Unterschied zu definieren, die Arbeit am Kulturleitbild so langwierig machte. Zumal Wüthrich in der «Basler Zeitung» nach der Tagsatzung sagte, dass sämtliche Teilnehmer ihre Meinung im Kulturleitbild wiederfinden würden. Alle Stimmen unterzubringen, ohne komplett beliebig zu werden, ist eine ehrgeizige Aufgabe. Bald wird sich zeigen, wie sie bewältigt wurde.