Lehrplan 21
Das Baselbieter Volk soll über Sammelfächer richten

Geographie, Geschichte, Physik, Biologie und Chemie sollen als Einzelfächer im Baselbieter Bildungsgesetz verankert werden. Eine Volksinitiative mit diesem Ziel ist am Mittwoch in Liestal lanciert worden.

Michael Nittnaus
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Das Komitee Starke Schule Baselland mit (v.l.) Regina Werthmüller, Saskia Olsson und Jürg Wiedemann.

Das Komitee Starke Schule Baselland mit (v.l.) Regina Werthmüller, Saskia Olsson und Jürg Wiedemann.

Michael Nittnaus

Die Bildungslandschaft der Zukunft sieht düster aus, glaubt man dem Komitee «Starke Schule Baselland». Da fallen Schlagworte wie «Schmalspur-Kurse», «Schnellbleiche-Weiterbildung» oder «oberflächlicher Breitbandunterricht». Und natürlich ist auch vom «massiven Qualitätsverlust» und einem «erheblichen Bildungsabbau» die Rede. Um dies zu verhindern, lancierte das Komitee um Geschäftsführerin Saskia Olsson und die beiden Landräte Jürg Wiedemann (Grüne-Unabhängige) und Regina Werthmüller (parteilos) heute Mittwoch eine neue Volksinitiative. Bis Ende August möchten sie 2000 Unterschriften sammeln.

Angst vor schlechterer Ausbildung

Das Begehren «Ja zu den Fächern Geschichte, Geografie, Biologie, Physik und Chemie» will genau das, was draufsteht: Im Baselbieter Bildungsgesetz soll festgeschrieben werden, dass an den Sekundarschulen diese fünf Fächer als Einzelfächer unterrichtet und benotet werden. Zudem verlangt die Initiative ausdrücklich, dass die Änderung auf das nächstmögliche Schuljahr in Kraft tritt. Hintergrund der Forderung ist, dass der Bildungsrat Ende 2014 die neue Stundentafel verabschiedet hat. Und diese sieht ab 2016/17 die Zusammenführung der fünf Einzel- zu den zwei Sammelfächern «Räume, Zeiten und Gesellschaften» (Geschichte, Geografie) sowie «Natur und Technik» (Biologie, Physik, Chemie) vor.

Das Komitee befürchtet, dass durch Sammelfächer nicht gleich viel Wissen vermittelt werden kann und somit das Bildungsniveau der Sekschüler sinkt. Verstärkt wird diese Angst zudem durch die Tatsache, dass beispielsweise Geschichte und Geografie zurzeit je zwei Lektionen pro Woche unterrichtet werden, als Sammelfach zusammen dann aber nur noch für drei Lektionen. Auch sorgt sich das Komitee um die Ausbildung der Lehrer. Da die Ausbildung in Sammelfächern an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) angeboten würde, und dort weniger Kreditpunkte als an der Universität erreicht werden müssen, führe das bei der Lehrerschaft zu «Generalisten und Allroundern».

Zwei Abstimmungen zum gleichen Thema

Doch braucht es die Volksinitiative überhaupt? Schliesslich ist bereits eine parlamentarische Initiative (PI) von Wiedemann hängig, die im Landrat dasselbe fordert. «Die Bildungskommission hat meine PI leider verändert», erklärt Wiedemann. Tatsächlich empfiehlt die Kommission nun nur noch, dass der Entscheid zu Sammel- oder Einzelfächern beim Landrat statt beim Bildungsrat liegen soll (bz berichtete). Das Parlament ist zwar grossmehrheitlich für Einzelfächer. Doch: «Da die SP das Vierfünftelmehr verhindert, kommt meine PI auch vors Volk», glaubt Wiedemann. Und dort hätte es die Frage, die Entscheidkompetenz zu verschieben, deutlich schwerer als die direktere Frage der Volksinitiative: Ja zu Einzelfächern.

Wiedemann wird freilich noch versuchen, im Landrat die PI wieder umzuformulieren, um die neue Volksinitiative unnötig zu machen. Sollte es ihm nicht gelingen, so kann nur noch die neue Bildungsdirektorin Monica Gschwind – eine überzeugte Gegnerin der Sammelfächer – verhindern, dass der Stimmbürger zweimal an die Urne muss, indem sie die beiden so ähnlichen Begehren auf einen Termin legt. Dafür ist die Zeit allerdings knapp.

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