Birsfelden
Das Birsfelder Bertschi Café betreibt Kaffeehandel ohne Umwege

Bertschi-Café ist bekannt für Fair-Trade – die gestern gelöschte Ladung Kaffee kommt direkt von peruanischen Bauern. Das Birsfelder Unternehmen hat eine Marktlücke entdeckt und spart damit enorm viel Geld.

Jeremias Kläui
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Hans Jörg Reber, Inhaber Bertschi Kaffee öffnet den Container und begutachtet die Ware
12 Bilder
Hans Jörg Reber begutachtet die Ware
Inhaber Hans Jörg Bertschi und Röstchef Agron Komani laden den ersten Sack aus, um eine Proberöstung zu machen
Blick ins Kaffelager
Einfüllen der Bohnen in die Waage und in den Röstofen
Überprüfen der Röststärke
Kaffee Bertschi
Der geröstete Kaffe wird zum Abkühlen in eine offene Trommel gefüllt
Eine Probe wird entnommen
Hier wird der Kaffe gemischt und abgefüllt
Hans Jörg Reber und Agron Komani testen den Kaffe
Hans Jörg Reber ist leidenschaftlicher Kaffeutensilien-Sammler und hat diese Schätze in einem Container untergebracht

Hans Jörg Reber, Inhaber Bertschi Kaffee öffnet den Container und begutachtet die Ware

Martin Töngi

Mitten im Birsfelder Hafengebiet hält ein Lastwagen. Zwei Männer packen nach und nach Jute-Säcke aus und tragen sie in ein kleines Fabrikgebäude. Die Säcke sind voll mit Kaffeebohnen. Und es ist nicht irgendein Kaffee. Es ist Fair-Trade-Kaffee - ein Direktimport aus Peru.

Keine Zwischenhändler

Das Birsfelder Unternehmen Bertschi-Café hat eine Marktlücke entdeckt. Es arbeitet seit längerer Zeit direkt mit lateinamerikanischen Bauernverbänden zusammen. Dies spart enorm viel Geld. Handelsüblicher Kaffee läuft nach Angaben des Geschäftsführers Hans-Jürg Reber über 30 bis 50 Zwischenhändler, bevor er übernächtigten Schweizern den dringend benötigten Koffeinschub liefert. Das gesparte Geld zahlt die Birsfelder Kaffeerösterei den süd- und mittelamerikanischen Kaffeebauern in Form von höheren Löhnen aus. Das Stichwort lautet Fair Trade, fairer Handel.

Birsfelder Fair-Trade-Kaffee

Seit 1932 gibt es Bertschi-Café. Das Unternehmen pflegt enge Beziehungen zu Kaffeebauern. Speziell: Die Bohnen - etwa zehn Container im Jahr - werden direkt importiert, ohne Umwege über Zwischenhändler. Das so ersparte Geld wird in höhere Löhne und somit in Bedingungen für fairen Handel investiert. Nach eigenen Angaben vertreibt Bertschi fast so viel Kaffee wie Migros und Coop. Das Unternehmen verkauft den Kaffee hauptsächlich an Reformhäuser und Spitäler. Seit Kurzem ist das Birsfelder Fair-Trade-Produkt aber auch bei Coop erhältlich. (jk)

Die peruanischen Kaffeebohnen kommen von der Bauerngenossenschaft «La Flordia». Im hoch in den Anden gelegenen Regenwaldgebiet bauen über 800 Bauern die Bohnen für das zweitwichtigste Handelsgut der Welt an. Diese werden dann in Lima auf Containerschiffe geladen und finden über Panama und Antwerpen den Weg in unseren Auhafen. Die letzten 400 Meter bringt sie der Lastwagen zu Bertschi-Café.

In Birsfelden geröstet

Dort lässt Reber einen Sack ausladen. All paar Minuten nimmt ein Mitarbeiter ein paar Bohnen aus dem Röstofen und vergleicht deren Farbe mit einem Muster. Schliesslich ist er zufrieden und lässt die ganze Ladung abkühlen. Stolz beisst Reber eine der Bohnen auf und zeigt das Innere: «Die sind komplett durchgeröstet.» Beim billigeren Schnellröst-Verfahren anderer Unternehmen sei die Bohne aussen verbrannt und innen roh. Eine Handvoll der kostbaren Kerne wird direkt gemahlen und aufgebrüht. Reber ist mit dem Ergebnis der Degustation - «das 23. Mal, dass ich heute einen Kaffee probiere. Ich habe alle Tassen ausgetrunken» - zufrieden: «Tipptop: Den Rest auch ausladen», befiehlt er.

Wermutstropfen bleiben

Die Arbeiter haben mit dem Ausladen routinemässig schon vor der Bestätigung begonnen. Reber meint dazu: «Bis jetzt war der gelieferte Kaffee unserer Kooperationspartner immer sehr gut.» Auch dies sei eine Folge der langjährigen Zusammenarbeit und der überdurchschnittlichen Entlöhnung: «Die Bauern wollen weiterhin mit uns kooperieren und liefern dementsprechend gute Qualität.»

Wie viel die Bauern jedoch tatsächlich verdienen, weiss Reber nicht. Viel sei es nicht: «Ich weiss nicht, wie sie davon leben können». Im nächsten Satz ist er aber schon wieder beim Fair-Trade-Label: «Mir ist wichtig, dass wir diesen Leuten ein gutes Überleben sichern können. Das ist nicht überall so.» Ein weiterer Wermutstropfen ist, dass auch die gut bezahlten Bauerngenossenschaften zur Ernte Taglöhner anstellen. Wie hoch deren Lohn ist, kann man von Birsfelden aus nicht kontrollieren. So weit reicht auch das beste Max-Havelaar-Zertifikat nicht.