Zirkusnarr
Das Clown-Leben ist nicht immer lustig

Der Baselbieter Clown Roli Noirjean tritt mit dem Zirkus Nock in Sissach auf. Dabei brachten ihn früher keine zehn Pferde in ein Zirkuszelt, wenn ein Clown am Eingang die Besucher begrüsste. Er hatte panische Angst vor ihnen.

Joël Hoffmann
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Komisch und musikalisch: Roli Noirjean spielt Handorgel, Kirchenorgel, Klarinette, Saxofon – und mit dem Publikum. Nicole Nars-Zimmer

Komisch und musikalisch: Roli Noirjean spielt Handorgel, Kirchenorgel, Klarinette, Saxofon – und mit dem Publikum. Nicole Nars-Zimmer

«Alles, was ich über Komik weiss, habe ich von ihm gelernt.» Der 36-jährige Clown Roli Noirjean aus Laufen schwärmt über seinen Manegepartner Gaston Häni als hätten sie gerade erst ihre gemeinsame Zirkuskarriere gestartet.

Doch seit 13 Jahren sind die beiden das Duo Gaston und Roli, das kleine und grosse Zirkusbesucher zum Lachen bringt. Die beiden sind mit dem Zirkus Nock auf Tour, der gerade in Sissach gastiert.

Wundersames Schicksal

Schon als Dreijähriger war Roli klar, dass er sein Leben als Clown bestreiten will. Da mutet es grotesk an, dass ausgerechnet er panische Angst vor Clowns hatte. «Es wird einige teure Sitzungen beim Psychiater brauchen, um herauszufinden, welches Trauma das verursacht hat», kommentiert Roli. Ihn brachten nämlich keine zehn Pferde in ein Zirkuszelt, wenn ein Clown am Eingang die Besucher begrüsste. Und wie es das Schicksal so will, begann Roli im Jahr 1996 beim Zirkus Nock gerade als ein solcher Einlassclown.

Dabei lernte er eines Abends Gaston kennen, der als Gast kam und bereits ein bekannter Clown war. Ehrfürchtig schüttelte Roli damals Gastons Hand. «Nicht schon wider einer, der versucht, ein lustiger Clown zu sein», habe Gaston damals gedacht. Doch die beiden trafen sich kurz darauf privat – mit Folgen: «Gaston hat mir mit Asche ein kleines Schnäuzchen gemalt und gesagt, ich solle die Rolle des Dicken von ‹Dick und Doof› studieren», erzählt Roli. Das war der Beginn ihrer gemeinsamen Zirkuskarriere.

Zehn Monate am Stück arbeitet Roli durch, zwei Monate macht er ein wenig Ferien und bereitet sich auf die nächste Saison vor: Neue Nummern schreiben, Kostüme schneidern, Requisiten basteln und üben, üben, üben. Zur Entspannung frönt Roli dem Modelbau – Zirkusmodelbau. Er ist ein Zirkusnarr: «Bei mir dreht sich eben alles um den Zirkus.» Mit auf Tour sind seine Frau, vier Lachtauben und ein Hund. «Von vorn sieht er aus wie ein VW und von hinten wie ein Porsche», beschreibt Roli seinen Vierbeiner.

Doch der Zirkusalltag ist nicht nur komisch: «Das Auf- und Abbauen in der Freizeit gehört einfach dazu – auch wenn es regnet», sagt Roli, der sich aber auch aufregen kann: «Es gibt Leute, die es lustig finden, frühmorgens an die Wohnwagen zu hämmern, oder die das Wasserabstellen, wenn ich gerade eingeseift unter der Dusche stehe.»

Er sei aber selten schlecht gelaunt und erzählt leidenschaftlich von neuen Nummern und der Geschichte seiner Berufsgattung. Es wird schnell klar: Clown zu sein, ist eine Berufung und intensive Arbeit.

Jedes Detail muss stimmen

«Unsere Nummern erzählen Geschichten. Wenn etwas passiert, dann hat das immer einen Sinn», philosophiert Roli. Und jedes Detail müsse stimmen. Denn: «Ablenkung ist der Tod des Clowns.»

Ihn stört die mangelnde Wertschätzung einiger Artisten. «Bei uns sieht man halt die harte Arbeit nicht», meint er. Wenn der Jongleur einen Kegel fallen lässt und beim zweiten Versuch reüssiert, bekomme er Applaus. Wenn aber eine Clownnummer in die Hose geht, bleiben die Lacher aus. Bei all der Arbeit wollen er und Gaston ihre Spielfreude bewahren. Roli: «Es ist wichtig, dass wir uns gegenseitig zum Lachen bringen.» Aber nicht etwa während der Probe, sondern live in de Manege. Und er ist sich sicher: «Viele Zuschauer kommen mehrmals, um zu sehen, wie wir improvisieren.»