Christoph Eymann
Das Comeback des Polittalents mit durchaus reellen Wahlchancen

In einem Interview in der Sonntagspresse läuft der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann zu alter Hochform auf – und lanciert schon die eidgenössischen Wahlen 2015.

Valentin Kressler
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Munterer Gesprächspartner: Regierungsrat Christoph Eymann.

Munterer Gesprächspartner: Regierungsrat Christoph Eymann.

Kenneth Nars

Eindrücklich hat sich der Basler LDP-Erziehungsdirektor Christoph Eymann (62) am vergangenen Wochenende zurückgemeldet. In einem mehrseitigen Interview in der «Sonntagszeitung» nahm er fundiert und eloquent Stellung zu Schulthemen, aber auch zu seiner persönlichen Karriereplanung – und konnte sich damit wieder einmal im Scheinwerferlicht sonnen.

In der Basler Politszene ist der Auftritt Eymanns seither eines der bestimmenden Themen. Der Politkenner und frühere FDP-Geschäftsführer Max Pusterla spricht von einem «guten Interview». «Ich war überrascht. Er hat frisch von der Leber geredet», sagt Pusterla.

Eymann, seit 2001 in der Basler Exekutive, schien nach den letzten Regierungsratswahlen im Oktober 2012 angezählt. Er, der den grossen Auftritt wie kaum ein zweiter Basler Politiker beherrschte, hat sich in den vergangenen Monaten ungewohnt im Hintergrund gehalten. Die Zurückhaltung hatte seine Gründe: Eymann, von «Cash» einst als «Superman» bezeichnet, erzielte bei den Regierungsratswahlen das schlechteste Resultat aller sechs Bisherigen.

Die ungerechtfertigten Anschuldigungen im Zusammenhang mit der Cosco-Affäre, aber auch die heftigen Auseinandersetzungen um das Schwerpunktfach PPP setzten ihm sichtlich zu. Bereits 2005, seit die Regierung rot-grün dominiert ist, war ihm zudem seine Mittler-Rolle zwischen den Bürgerlichen und den Linken abhandengekommen. Gleichzeitig war sein Freund, Finanzdirektor Ueli Vischer (LDP), zurückgetreten.

Was kommt nach der Erziehungsdirektion?

Im Interview mit der «Sonntagszeitung» ist Eymann nun wieder zu alter Hochform aufgelaufen. Als geschickter Kommunikator brachte er sich, bis Ende Jahr Präsident der Schweizerischen Universitätskonferenz, bereits als neuen Präsidenten der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren sowie als Kandidaten für die nationalen Wahlen 2015 in Position. Gleichzeitig widersprach er einer Feststellung nicht, dass er nach dieser Legislatur das Amt als Erziehungsdirektor abgibt.

Von 1991 bis 2001, vor seiner Wahl in die Basler Regierung, war Eymann schon einmal Mitglied des Nationalrats, wo er glücklicher schien als nun in der Exekutive. Bereits bei den eidgenössischen Wahlen 2011 zog es ihn zurück auf die Berner Politbühne. Lange Zeit wurde er als Favorit für die bürgerliche Ständeratskandidatur gegen Anita Fetz (SP) gehandelt. Eymann verzichtete aber und kandidierte stattdessen für den Nationalrat.

Gewählt wurde er allerdings nicht. Gegen Eymann ins Feld geführt wurde damals, dass er ein Doppelmandat Regierungsrat/Nationalrat anpeilte. Dieses Argument fiele 2015 weitgehend weg, wenn er Ende dieser Legislatur als Regierungsrat aufhören würde.

Eymanns Wahlchancen sind 2015 ohnehin bedeutend grösser als 2011. In Reichweite liegt insbesondere der Nationalratssitz der FDP, der derzeit von Parteipräsident Daniel Stolz gehalten wird. Dass die FDP 2011 ihren Sitz verteidigen konnte, lag vor allem an ihrem Zugpferd Peter Malama. Mit 14 115 Stimmen erzielte der im vergangenen September verstorbene Gewerbedirektor deutlich mehr Stimmen als die übrigen FDP-Kandidaten. Zum Vergleich: Der heutige Nationalrat Stolz erhielt 4277 Stimmen, Eymann 7588.

FDP in Alarmbereitschaft

Verständlich, dass Eymanns Ambitionen beim Freisinn die Alarmglocken läuten lassen. Eine Kandidatur Eymanns würde den Sitz von Stolz gefährden und zu Unruhe führen zwischen den Partnerparteien FDP und LDP, sagt Pusterla: «Das würde ich nicht gut finden.» Eymanns Kalkül könnte sein, so mutmasst Pusterla, dass sich dieser als Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz in Bern wieder etablieren und einen «Boden legen» wolle «für das letzte Drittel seiner politischen Karriere».

Der frühere FDP-Nationalrat und Parteipräsident Urs Schweizer sagt, eine Kandidatur Eymanns wäre «selbstverständlich eine Konkurrenz» für Stolz. Er habe aber «nicht wahnsinnig Angst», dass Stolz verdrängt werden könnte. «Der Stern von Herrn Eymann ist alleine schon altersmässig eher am Sinken.»

Ein weiteres Szenario kann sich Pusterla vorstellen: Dass sich Eymann erneut Gedanken über eine Ständeratskandidatur macht. Es wird spekuliert, dass Fetz, seit 2003 im Amt, 2015 nicht mehr antreten wird und dafür SP-Finanzdirektorin Eva Herzog in den Ständerat wechseln möchte. «Von bürgerlicher Seite sehe ich ausser Eymann zurzeit niemanden, der als Ständeratskandidat infrage kommt», sagt Pusterla.

Eymann selbst hält sich bedeckt, was seine Ambitionen anbelangt. Mit der LDP habe er noch nicht über eine mögliche Kandidatur für das eidgenössische Parlament gesprochen, sagt er der «Schweiz am Sonntag». «Infolgedessen kann ich auch noch keinen Sitz im Visier haben.» Mit dem Interview in der «Sonntagzeitung» ist Eymann zufrieden. Es sei ein «munteres, durchaus angenehmes Gespräch über sehr viele Themen» herausgekommen, sagt er gut gelaunt.