Münchenstein
Das Ende des Walzwerks zeichnet sich ab

Eine börsenkotierte Immobilienfirma sicherte sich für 54 Millionen Franken das Kaufrecht für das Walzwerk-Areal. In Zukunft soll man dort wohnen – aber der Zonenplan ist noch nicht angepasst.

Lukas Hausendorf
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Auf dem Walzwerk-Areal an der Grenze von Münchenstein und Arlesheim soll Wohnraum entstehen.

Auf dem Walzwerk-Areal an der Grenze von Münchenstein und Arlesheim soll Wohnraum entstehen.

Martin Toengi

Die Zürcher Immobiliengesellschaft Swiss Finance & Property Investment AG (SFPI) hat sich für 54 Millionen Franken das Kaufrecht für das Walzwerk-Areal in Münchenstein und Arlesheim gesichert. Das börsenkotierte Unternehmen, dessen Portfolio Immobilien im Wert von fast 500 Millionen Franken umfasst, gab dies am 22. Juni auf seiner Webseite bekannt.

Die Information sickerte aber erst Ende letzter Woche zu den Mietern auf dem Areal durch. Diese sind offiziell noch nicht von der Areal-Verwaltung informiert worden. Damit sind auch die Bemühungen der aktuellen Mieterschaft vom Tisch, die das Areal gerne als Mietergenossenschaft erworben hätte.

Noch ist der Verkauf aber nicht über die Bühne. Als Eigentümerin des rund 40 000 Quadratmeter grossen Areals ist nach wie vor die liechtensteinische Sefer Foundation im Grundbuch eingetragen. Diese hatte das Areal im Jahr 2004 für knapp über 12 Millionen Franken gekauft. Damals hatten sich auch die Stiftungen Edith Maryon und Abendrot als Bietergemeinschaft um das Areal beworben.

Hoher Preis ist gerechtfertigt

Gemäss Angaben der SFPI wirft das Areal, auf dem aktuell über 60 gewerbliche Mieter ihr Domizil haben, jährliche Mieteinnahmen von rund 2,7 Millionen Franken ab. Diese Einnahmen will SFPI langfristig signifikant steigern, indem sie eine Umwandlung zur Wohnzone anstrebt. Vorderhand sollen die geltenden Mietverhältnisse auf dem Walzwerk aber ihre Gültigkeit behalten. Verschiedene Betriebe haben erst kürzlich neue Verträge mit zehnjähriger Laufzeit unterzeichnet. Die Gemeinde Münchenstein hat Kenntnis von der geplanten Handänderung, wie sie auf Anfrage bestätigte.

Der stolze Kaufpreis lohnt sich durchaus, dieser Meinung sind mehrere Sachkundige, die von der bz angefragt wurden – und dies, obwohl die Altlastensanierung und die Kosten für Neu- und Umbauten und Mehrwertabgaben für die Aufzonung zum Kaufpreis von 54 Millionen Franken hinzu kommen werden.

Mieter organisieren sich

Der Verkauf soll in zwei bis drei Wochen abgewickelt sein, wie SFPI auf Anfrage bekannt gibt. Dann würden auch die Mieter offiziell informiert werden, heisst es. Bereits am Montag waren Vertreter der künftigen Eigentümerschaft auf dem Areal zugegen und trafen sich mit dem Hauswart des Walzwerks. Klar ist seitens der SFPI, dass der Erwerb und die Umnutzung ein langfristiges Projekt sind. Das ist angesichts der laufenden Mietverträge auch gar nicht anders denkbar.

Die Mieter ihrerseits sind daran, sich in einem Verein zu organisieren, damit sie ihre Anliegen für die nun anbrechende Übergangszeit besser vertreten können. Anfang August soll die neue Mietervertretung konstituiert sein, wie von involvierten Personen zu erfahren ist.

Politik hat das letzte Wort

Die Pläne der SFPI besiegeln die Umnutzung des Areals, die nach dem Konkurs der Swissmetal von der Kantensprung AG initiiert worden war. «Was jetzt in 15 Jahren sorgfältig in Kleinstarbeit aufgebaut wurde, wird damit kaputt gemacht», sagt Kantensprung-Verwaltungsrat Eric Honegger. Für das Areal wie auch die Gemeinde sei es schade, wenn das Walzwerk zu einer Wohnzone würde, meint er.

Tatsächlich ist es fraglich, wie die Pläne der SFPI zu den Absichten von Einwohnergemeinde und Birsstadt passen. Letztere strebt unter dem Leitmotiv «Die Stadt der Kurzen Wege» eine Durchmischung von Arbeit und Wohnen an. Wenn Arbeitsplätze zunehmend verdrängt werden, widerspricht das dieser strategischen Zielsetzung – zumal in Münchenstein bereits das nördlich angrenzende Van-Baerle-Areal vor einer ähnlichen Umnutzung steht und auch der Dreispitz zunehmend besiedelt wird.

Finanzpolitisch ist der Fall klar: Ertragseitig ist für die Gemeinde ein Walzwerk, das von gut verdienenden Steuerzahlern bevölkert wird, lukrativer als das aktuelle Biotop von Kleingewerbe und Kulturgastronomie. Politisch muss darüber aber noch eine Debatte geführt werden, nicht zuletzt, weil die Umzonung demokratisch legitimiert werden muss. Dabei wird auch verhandelt werden, wie wichtig den Einwohnern ein lebendiges Areal mit vielfältigen kulturellen Angeboten für die Lebensqualität in Münchenstein ist.